Spanien erlebt dritte Bahnkatastrophe binnen Tagen

Spanien erlebt dritte Bahnkatastrophe binnen Tagen


Schon wieder ein Zugunglück. Schon wieder Verletzte. Und erneut wächst in Spanien die Angst, dass Sicherheit auf der Schiene zur Nebensache geworden ist. Nach drei schweren Unglücken in wenigen Tagen steht das Land unter Schock.

Spanien erlebt dritte Bahnkatastrophe binnen Tagen

Spanien kommt nicht zur Ruhe. Nur wenige Tage nach zwei schweren Bahnkatastrophen hat sich erneut ein Zugunglück ereignet. Im Südosten des Landes prallte ein Nahverkehrszug in der Stadt Cartagena in der Region Murcia gegen einen Baukran, der sich auf oder unmittelbar neben den Gleisen befand. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt, nach bisherigen Angaben überwiegend leicht. Doch die erneute Kollision trifft ein Land, das ohnehin unter dem Eindruck einer Serie dramatischer Unglücke steht.

Der Unfall ereignete sich am frühen Donnerstagabend. Der Zug war auf einer regionalen Strecke unterwegs, als er plötzlich mit dem Kran kollidierte. Augenzeugen berichteten von einem lauten Aufprall und panikartigen Szenen im Inneren der Waggons. Fahrgäste mussten teilweise selbstständig aussteigen, bevor Rettungskräfte den Bereich sichern konnten.

Der regionale Rettungsdienst bestätigte mehrere Verletzte, die in umliegende Krankenhäuser gebracht wurden. Lebensgefahr bestand nach aktuellem Stand nicht. Dennoch ist die Verunsicherung groß, denn erneut stellt sich die Frage, wie ein schweres Baugerät überhaupt in den Gefahrenbereich der Bahn gelangen konnte.

Der staatliche Infrastrukturbetreiber Adif erklärte, der Zugverkehr auf der Strecke sei umgehend eingestellt worden. In einer knappen Mitteilung hieß es, ein nicht zum Bahnbetrieb gehörender Kran sei in die Infrastruktur eingedrungen. Weitere Details nannte das Unternehmen zunächst nicht. Genau diese Sprachlosigkeit sorgt jedoch für wachsenden Ärger in der Öffentlichkeit.

Denn das Unglück ist kein Einzelfall. Es ist bereits das dritte schwere Bahnereignis innerhalb weniger Tage.

Am vergangenen Sonntag kam es in der Region Andalusien nahe Adamuz zu einer Katastrophe von historischem Ausmaß. Ein Hochgeschwindigkeitszug entgleiste und stieß mit einem entgegenkommenden Zug zusammen, der ebenfalls aus den Schienen sprang. Die Bilder zerstörter Waggons gingen um die Welt. Nach offiziellen Angaben kamen 45 Menschen ums Leben. Dutzende weitere wurden schwer verletzt.

Unter den Toten befindet sich auch ein deutscher Staatsbürger. Das bestätigten sowohl die spanischen Behörden als auch das Auswärtige Amt in Berlin. Die Bergungsarbeiten wurden inzwischen eingestellt, nachdem keine weiteren Opfer mehr gefunden wurden. Für viele Familien begann damit erst die eigentliche Phase des Schmerzes.

Nur zwei Tage später folgte der nächste Schock. In der Nähe von Barcelona rammte ein Nahverkehrszug Trümmerteile einer eingestürzten Mauer, die auf den Gleisen lagen. Der Lokführer kam dabei ums Leben. 37 Fahrgäste wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Auch in diesem Fall stellte sich unmittelbar die Frage, warum Gefahren auf der Strecke nicht rechtzeitig erkannt oder abgesichert worden waren.

Drei Unglücke. Dutzende Tote. Zahlreiche Verletzte. Und ein Bahnsystem, das zunehmend als unzureichend geschützt wahrgenommen wird.

In Spanien wächst der Druck auf Politik und Bahnbetreiber massiv. Fahrgäste berichten von Angst, Unsicherheit und dem Gefühl, dass Warnzeichen ignoriert worden seien. In sozialen Netzwerken mehren sich Stimmen, die von strukturellem Versagen sprechen. Besonders kritisiert wird, dass Baustellen offenbar nicht ausreichend gesichert werden und Sicherheitsprotokolle lückenhaft sind.

Auch die Gewerkschaften schlagen Alarm. Die spanische Zugführergewerkschaft kündigte nach den beiden tödlichen Unglücken einen dreitägigen landesweiten Streik ab dem 9. Februar an. Ziel sei es, auf gravierende Sicherheitsmängel aufmerksam zu machen und politische Verantwortung einzufordern.

Die Forderungen sind klar. Bessere Überwachung der Gleise. Klare Zuständigkeiten bei Bauarbeiten. Moderne Sicherheitssysteme. Und vor allem eine Kultur, in der Risiken nicht erst nach Katastrophen ernst genommen werden.

Viele Lokführer berichten seit Jahren von Personalmangel, Zeitdruck und veralteter Infrastruktur. Warnungen seien wiederholt ausgesprochen, aber nicht konsequent umgesetzt worden. Nun hat sich dieser Frust in offene Wut verwandelt.

Für die spanische Regierung ist die Situation heikel. Der öffentliche Verkehr gilt als Rückgrat der Mobilität, insbesondere im Fernverkehr. Vertrauen ist hier entscheidend. Doch dieses Vertrauen ist schwer erschüttert.

Während Ermittlungen zu allen drei Unglücken laufen, bleibt eine zentrale Frage offen. Handelt es sich um tragische Zufälle oder um das sichtbare Ergebnis systemischer Versäumnisse?

Für die Betroffenen spielt diese Unterscheidung kaum noch eine Rolle. Für sie zählen nur die Namen der Toten, die Verletzten in Krankenhäusern und die Ungewissheit, ob sich eine solche Katastrophe jederzeit wiederholen kann.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Von Junta de Andalucía - https://www.flickr.com/photos/juntainforma/55053143611/, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=182174840


Freitag, 23 Januar 2026

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