Russischer Raketenangriff zerstört Holocaust Mahnmal in der Region SumyRussischer Raketenangriff zerstört Holocaust Mahnmal in der Region Sumy
Ein russischer Raketenangriff trifft im Nordosten der Ukraine ein Holocaust Mahnmal und ein ehemaliges Ghetto Gebäude. Erinnerung an ermordete Juden wird erneut Ziel von Gewalt.
Ein russischer Raketenangriff hat in der ukrainischen Region Sumy ein Holocaust Mahnmal zerstört. Das Denkmal befand sich in der Kleinstadt Bilopillia nahe der russischen Grenze und wurde bei einem gezielten Angriff schwer beschädigt. Ebenfalls getroffen wurde ein historisches Gebäude, das während der deutschen Besatzung Teil des früheren jüdischen Ghettos war.
Das Mahnmal war erst im Jahr 2021 errichtet worden. Es entstand in Zusammenarbeit zwischen der Vereinigten Jüdischen Gemeinde der Ukraine und den örtlichen Behörden. Ziel war es, an die jüdische Bevölkerung zu erinnern, die während der nationalsozialistischen Besatzung ermordet wurde. Der Ort galt innerhalb der Region als besonders sensibel im Umgang mit jüdischer Geschichte.
Nach Angaben ukrainischer Medien feuerten russische Streitkräfte vier Raketen auf Bilopillia ab. Bei dem Angriff wurde ein 35 Jahre alter Einwohner getötet, elf weitere Menschen wurden verletzt. Große Teile der Stadt wurden beschädigt, darunter Wohnhäuser, öffentliche Gebäude und mehrstöckige Wohnblöcke. Auch eine Gasleitung wurde zerstört, wodurch hunderte Bewohner bei winterlichen Temperaturen ohne Versorgung blieben.
Bilopillia liegt nur wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt und zählt rund 2.000 Einwohner. Trotz ihrer geringen Größe besitzt die Stadt eine besondere historische Bedeutung. Vor dem Holocaust lebte dort eine jüdische Gemeinde, deren Mitglieder im Verlauf der deutschen Besatzung nahezu vollständig ermordet wurden.
Der Vorsitzende der Vereinigten Jüdischen Gemeinde der Ukraine, Vitaly Kamuzin, reagierte erschüttert auf die Zerstörung des Mahnmals. Er erklärte, Bilopillia sei ein Ort gewesen, der sich außergewöhnlich bemüht habe, die Erinnerung an die ausgelöschte jüdische Gemeinschaft zu bewahren. Gerade deshalb treffe der Angriff nicht nur Gebäude, sondern das historische Gedächtnis selbst.
Kamuzin erinnerte daran, dass der Bau des Mahnmals auf Initiative des Bürgermeisters von Bilopillia zurückging. Bürgermeister Yuriy Zarko, ausgebildeter Historiker, habe sich persönlich an die jüdische Gemeinde gewandt, um das ehemalige jüdische Gräberfeld zu kennzeichnen und in unmittelbarer Nähe des früheren Ghettos einen Ort des Gedenkens zu schaffen.
Mit der Zerstörung des Mahnmals wird erneut deutlich, dass der russische Angriffskrieg nicht nur zivile Infrastruktur trifft, sondern auch Orte der Erinnerung. Der Beschuss eines Holocaust Denkmals reiht sich ein in eine Serie von Angriffen, bei denen historische Stätten, religiöse Gebäude und kulturelle Symbole in der Ukraine beschädigt oder vernichtet wurden.
Für die jüdische Gemeinschaft des Landes bedeutet der Angriff einen weiteren schweren Schlag. Das Denkmal stand für die bewusste Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und für das Bemühen, jüdisches Leben und jüdisches Leid sichtbar zu halten. Seine Zerstörung ist nicht nur ein materieller Verlust, sondern ein Angriff auf historische Verantwortung.
Während der Krieg weitergeht, bleibt das zerstörte Mahnmal von Bilopillia ein weiteres Zeichen dafür, dass selbst Orte des Gedenkens keinen Schutz genießen. Erinnerung wird erneut unter Trümmern begraben.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X
Donnerstag, 29 Januar 2026