Europa benennt endlich den Terror beim NamenEuropa benennt endlich den Terror beim Namen
Die Einstufung der iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation ist ein überfälliger Schritt. Jahrelang sah Europa weg, während Teheran Gewalt exportierte, Israel bedrohte und das eigene Volk unterdrückte. Nun beginnt ein spätes Erwachen.
Die Entscheidung der Europäischen Union, die iranischen Revolutionsgarden offiziell als Terrororganisation einzustufen, ist kein diplomatisches Detail. Sie ist ein politisches Eingeständnis. Ein Eingeständnis dafür, dass Europa jahrelang vor einer Realität die Augen verschlossen hat, die längst offen vor ihm lag.
Die Revolutionsgarden sind kein Randphänomen des iranischen Systems. Sie sind sein Herz. Sie organisieren Terror, steuern Milizen, beliefern Stellvertreterorganisationen mit Waffen und Geld und sichern im Inneren des Landes die Macht des Regimes mit Gewalt. Wer Iran verstehen will, kommt an ihnen nicht vorbei.
Dass Europa diesen Apparat erst im Jahr 2026 offiziell als Terrororganisation einstuft, wirft eine unbequeme Frage auf. Warum erst jetzt.
Seit Jahrzehnten ist bekannt, welche Rolle die Revolutionsgarden spielen. Sie sind verantwortlich für Anschläge, für Destabilisierung ganzer Regionen, für die militärische Aufrüstung der Hisbollah, für Angriffe auf Israel und für die brutale Niederschlagung jeder Protestbewegung im eigenen Land. All das wurde dokumentiert, analysiert und immer wieder öffentlich gemacht.
Dennoch hielt Europa lange an der Hoffnung fest, Dialog könne mäßigen, Handel könne beruhigen, Zurückhaltung könne Eskalation verhindern. Diese Hoffnung hat sich als Illusion erwiesen. Während in Brüssel über Gesprächskanäle gesprochen wurde, bauten die Revolutionsgarden ihr Netzwerk aus. Während europäische Diplomatie auf Ausgleich setzte, wurden Raketen geliefert, Drohnen entwickelt und Terrorstrukturen gefestigt.
Besonders Israel kennt die Folgen dieses Zögerns. Die Revolutionsgarden stehen hinter der Bewaffnung jener Kräfte, die den jüdischen Staat offen vernichten wollen. Ihre Kommandeure sprechen seit Jahren unverhohlen über Angriffe auf israelische Städte. Ihre Strategen planen regionale Eskalation als politisches Instrument.
Europa hörte diese Drohungen. Doch es reagierte lange nicht.
Erst als die Lage nicht mehr zu beschönigen war, als der Iran offen militärisch agierte und die Region erneut an den Rand eines größeren Konflikts geriet, folgte der Schritt, der längst hätte erfolgen müssen. Die Einstufung als Terrororganisation wirkt deshalb weniger wie ein mutiger Vorstoß als wie ein spätes Aufwachen.
Trotzdem ist sie wichtig.
Denn erstmals erklärt Europa nicht nur einzelne Taten für problematisch, sondern das System dahinter für illegitim. Es erkennt an, dass Terror nicht plötzlich entsteht, sondern organisiert, finanziert und politisch gewollt ist. Und dass ein Regime, das seine Macht auf solche Strukturen stützt, nicht wie ein normaler Gesprächspartner behandelt werden kann.
Für viele Menschen im Iran besitzt diese Entscheidung eine enorme symbolische Bedeutung. Die Revolutionsgarden sind das Gesicht der Repression. Sie stehen für Verhaftungen, Einschüchterung und Hinrichtungen. Dass Europa sie nun klar benennt, wird von vielen als Zeichen moralischer Unterstützung wahrgenommen.
Auch für Israel ist der Schritt mehr als symbolisch. Er bestätigt, was Jerusalem seit Jahren sagt. Dass man es nicht mit isolierten Extremisten zu tun hat, sondern mit einem staatlich organisierten Terrorapparat. Dass Sicherheit nicht durch Beschwichtigung entsteht, sondern durch Klarheit.
Doch die eigentliche Bewährungsprobe liegt noch vor Europa.
Denn eine Einstufung allein verändert wenig, wenn ihr keine Konsequenz folgt. Vermögenssperren, Handelsbeschränkungen und politische Isolation müssen ernsthaft umgesetzt werden. Halbherzigkeit würde den Schritt entwerten und erneut den Eindruck erwecken, dass moralische Haltung endet, sobald wirtschaftliche Interessen berührt werden.
Der heutige Beschluss ist daher kein Abschluss, sondern ein Anfang. Ein Test dafür, ob Europa bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, oder ob es bei symbolischer Politik bleibt.
Fest steht: Dieser Schritt kommt spät. Viel zu spät. Doch vielleicht markiert er den Moment, in dem Europa beginnt zu begreifen, dass Wegsehen keine Neutralität ist. Und dass man Terror nicht eindämmt, indem man ihn umformuliert.
Ob dieses Erwachen von Dauer ist, wird sich zeigen. Die Realität jedoch ist längst eindeutig. Und sie lässt sich nicht länger ignorieren.
Autor: Redaktion
Bild Quelle:
Donnerstag, 29 Januar 2026