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Sechs Tote in Bulgariens Bergen geben Ermittlern Rätsel auf

Sechs Tote in Bulgariens Bergen geben Ermittlern Rätsel auf


Zwei Tatorte, sechs Leichen und eine Spur, die ins Nichts führt. Was in den westbulgarischen Bergen geschah, erschüttert ein ganzes Land und lässt Ermittler ratlos zurück.

Sechs Tote in Bulgariens Bergen geben Ermittlern Rätsel auf

In den Bergen Westbulgariens hat sich ein Drama abgespielt, das selbst erfahrene Kriminalisten sprachlos macht. Innerhalb weniger Tage wurden an zwei voneinander getrennten Orten sechs Menschen tot aufgefunden. Die Umstände wirken derart ungewöhnlich, dass Ermittler zwischen Massenselbstmord, erweiterten Suiziden und gezielten Tötungsdelikten schwanken. Sicher ist bislang nur eines: Ein derartiger Fall hat Bulgarien noch nie erlebt.

Die ersten drei Leichen wurden in einem abgelegenen Caravan nahe des Gipfels Okolchitsa entdeckt. Unter den Toten befand sich ein 15-jähriger Jugendlicher. Nur wenige Tage zuvor war bereits in einer Berghütte nahe Petrohan, weniger als 40 Kilometer entfernt, ein ähnliches Szenario aufgedeckt worden. Auch dort fanden Einsatzkräfte drei Tote. Die Hütte war niedergebrannt, zurück blieben Asche, Patronenhülsen und ein Netz aus unbeantworteten Fragen.

Polizeichef Sachari Weskow sprach von einem Ereignis ohne Beispiel in der jüngeren Geschichte des Landes. Bei einer Pressekonferenz erklärte er, dass beide Fälle miteinander in Verbindung stehen könnten. Die Ermittler prüfen, ob es sich um zwei voneinander unabhängige Taten handelt oder ob ein gemeinsamer Hintergrund existiert.

Besonders rätselhaft ist die Rolle einer Nichtregierungsorganisation, deren Mitglieder offenbar im Zentrum der Geschehnisse standen. Fünf der sechs Toten gehörten zu dieser Gruppe, die sich offiziell dem Schutz der Natur verschrieben hatte. Die Mitglieder patrouillierten in den Wäldern nahe der serbischen Grenze und unterstützten nach eigenen Angaben die Grenzpolizei. In den vergangenen Jahren galten sie als engagierte Umweltschützer, die in der abgelegenen Region ein nahezu asketisches Leben führten.

Die Polizei veröffentlichte Aufnahmen von Überwachungskameras, die am 1. Februar vor der Berghütte entstanden. Darauf sind alle sechs späteren Opfer zu sehen, wie sie sich voneinander verabschieden. Die drei Personen, die in der Hütte zurückblieben, wurden später gefilmt, wie sie das Gebäude in Brand setzten. Dieses Detail verleiht dem Fall eine fast filmische Dimension und hat in Bulgarien eine Welle von Spekulationen ausgelöst.

In der ausgebrannten Hütte fanden Ermittler buddhistische Bücher und Fahnen. Angehörige berichteten von einer zunehmenden psychischen Instabilität innerhalb der Gruppe und von einer intensiven Beschäftigung mit tibetischem Buddhismus. Ob diese spirituellen Bezüge etwas mit den Todesfällen zu tun haben, ist völlig unklar, doch sie tragen zur mysteriösen Atmosphäre bei.

An beiden Fundorten wurden insgesamt vier Patronenhülsen, zwei Pistolen und ein Gewehr sichergestellt. Forensische Untersuchungen ergaben, dass die tödlichen Schüsse aus nächster Nähe abgefeuert wurden. Bei zwei der Toten im Caravan wurden schwere Kopfverletzungen festgestellt, während die Obduktion der dritten Leiche noch andauert.

Die Staatsanwaltschaft geht derzeit von zwei Hauptszenarien aus. Entweder kam es zu Mord und anschließendem Selbstmord, oder es handelt sich um eine Form kollektiver Selbsttötung. Beide Möglichkeiten wirken gleichermaßen erschreckend und werfen neue Fragen auf. Warum sollte eine Gruppe von Menschen, die nach außen als naturverbunden und friedlich galt, einen derart radikalen Weg wählen?

In der bulgarischen Öffentlichkeit wächst derweil die Verunsicherung. Soziale Netzwerke sind voller Theorien, die von okkulten Ritualen über sektenartige Strukturen bis hin zu kriminellen Machenschaften reichen. Offizielle Stellen mahnen zur Zurückhaltung und warnen vor voreiligen Schlüssen. Doch gerade das Fehlen klarer Antworten nährt die Fantasie.

Der Vergleich eines Ermittlers mit der alten Fernsehserie Twin Peaks wirkt zwar drastisch, spiegelt aber das Gefühl vieler Bulgaren wider. Zwei abgelegene Tatorte, eine kleine Gemeinschaft, mysteriöse Abschiede vor laufender Kamera und schließlich ein Feuer, das Spuren verwischt. All das ergibt ein Bild, das mehr Fragen aufwirft als es erklärt.

Für die Familien der Opfer ist die Situation kaum auszuhalten. Sie verlangen Aufklärung und Klarheit. Gleichzeitig werden immer mehr Details bekannt, die das Bild weiter verkomplizieren. Berichte über psychische Probleme einzelner Gruppenmitglieder mischen sich mit Hinweisen auf interne Spannungen und zunehmende Isolation von der Außenwelt.

Die Ermittler stehen vor einer gewaltigen Aufgabe. Sie müssen klären, ob hier ein tragisches Zusammenspiel aus Verzweiflung und psychischer Krankheit vorlag oder ob jemand bewusst das Leben mehrerer Menschen auslöschte. Auch die Frage nach möglichen externen Einflüssen bleibt offen.

Bulgarien, ein Land, das selten von spektakulären Gewaltverbrechen erschüttert wird, blickt nun gebannt auf die Ermittlungen. Jeder neue Befund wird aufmerksam verfolgt, jede Spekulation hitzig diskutiert. Der Fall hat das Vertrauen vieler Menschen in die Sicherheit abgelegener Regionen erschüttert.

Noch ist unklar, wie lange es dauern wird, bis die Wahrheit ans Licht kommt. Sicher ist nur, dass die Geschehnisse in den Bergen noch lange nachwirken werden. Sie haben gezeigt, wie dünn der Schleier zwischen friedlicher Idylle und menschlicher Tragödie sein kann.

Die Antwort auf die Frage, was wirklich geschah, liegt irgendwo zwischen den verbrannten Resten einer Berghütte und einem stillen Caravan in den winterlichen Bergen. Bis sie gefunden wird, bleibt Bulgarien im Bann eines der rätselhaftesten Kriminalfälle seiner Geschichte.




Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert
Mittwoch, 11 Februar 2026

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