Frankreich meldet Rekordniveau antisemitischer Straftaten seit dem 7. OktoberFrankreich meldet Rekordniveau antisemitischer Straftaten seit dem 7. Oktober
Mehr als jede zweite religiös motivierte Tat richtet sich gegen Juden. Frankreich erlebt eine Realität, die viele lange verdrängen wollten und die nun offen sichtbar wird.
Frankreich steht vor einer bitteren Wahrheit, die das Selbstbild einer aufgeklärten und toleranten Gesellschaft erschüttert. Mehr als die Hälfte aller religiös motivierten Angriffe im Jahr 2025 richteten sich gegen Juden. Diese Zahl ist kein statistisches Detail, sondern ein Alarmsignal. Sie zeigt, dass ausgerechnet jene Gemeinschaft, die nur einen Bruchteil der Bevölkerung ausmacht, zum Hauptziel religiösen Hasses geworden ist. Die neuen Zahlen des französischen Innenministeriums bestätigen, was viele jüdische Familien seit langem fühlen. Antisemitismus ist in Frankreich keine Randerscheinung, sondern eine Realität des Alltags.
Von fast 2.500 registrierten antireligiösen Straftaten entfielen 1.320 auf Juden. Das entspricht 53 Prozent aller Fälle. Selbst wenn diese Zahl gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken ist, bleibt sie auf einem Niveau, das es in den vergangenen 25 Jahren nicht gegeben hat. Seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 hat sich die Lage dramatisch verändert. Der Hass ist sichtbarer geworden, direkter und aggressiver. Juden werden auf offener Straße angegriffen, beleidigt und bedroht. Rabbiner gehören zu den Opfern körperlicher Gewalt, ihre religiöse Kleidung macht sie zur Zielscheibe.
Zwei Drittel der antisemitischen Vorfälle bestehen aus verbalen Angriffen oder Hass im Internet. Doch die physische Gewalt ist ebenso präsent. Rabbiner wurden attackiert, jüdische Einrichtungen bedroht, Menschen allein wegen ihrer Identität angegriffen. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, der lernen musste, dass seine Existenz für andere ein Grund zum Angriff ist.
Diese Entwicklung ist umso erschütternder, weil Juden weniger als ein Prozent der französischen Bevölkerung ausmachen. Dennoch sind sie das Hauptziel religiös motivierter Angriffe. Diese Diskrepanz zeigt, dass Antisemitismus eine besondere Form des Hasses ist. Er folgt keiner Logik der Größe oder politischen Macht. Er folgt alten Feindbildern, die sich über Generationen gehalten haben.
Auch andere religiöse Gemeinschaften sind betroffen. Antichristliche Straftaten machen rund ein Drittel der Fälle aus und richten sich häufig gegen Kirchengebäude. Antimuslimische Taten haben deutlich zugenommen und bestehen meist aus Beleidigungen, Drohungen oder körperlichen Angriffen. Doch keine andere Gruppe ist in diesem Ausmaß betroffen wie die jüdische Gemeinschaft.
Frankreich reagiert nun mit einem neuen Gesetz, das den Kampf gegen Antisemitismus verschärfen soll. Die geplanten Regelungen gehen weit über bisherige Bestimmungen hinaus. Künftig soll nicht nur offene Zustimmung zu antisemitischer Gewalt strafbar sein, sondern auch ihre indirekte Verherrlichung oder Verharmlosung. Ebenso sollen Vergleiche zwischen Israel und dem nationalsozialistischen Regime als strafbare Relativierung gelten. Der französische Staat erkennt damit eine Realität an, die lange unterschätzt wurde. Antisemitismus hat seine Form verändert, aber nicht sein Ziel.
Besonders bemerkenswert ist die klare Haltung der französischen Regierung, die Antizionismus als eine moderne Erscheinungsform des Antisemitismus einordnet. Diese Feststellung ist von großer Bedeutung. Denn sie benennt eine Entwicklung, die in vielen westlichen Gesellschaften zu beobachten ist. Der Angriff richtet sich nicht mehr nur gegen Juden als Menschen, sondern auch gegen ihr Recht auf einen eigenen Staat.
Für die jüdische Gemeinschaft in Frankreich sind diese Zahlen mehr als eine Statistik. Sie sind ein Spiegel ihrer täglichen Erfahrung. Viele jüdische Familien fragen sich, ob ihre Zukunft noch in Frankreich liegt. Einige haben das Land bereits verlassen, andere denken darüber nach. Der Gedanke, die Heimat verlassen zu müssen, ist für Juden kein neues Gefühl. Doch dass er im heutigen Europa wieder Realität wird, ist ein Zeichen des Scheiterns.
Frankreich steht nun vor einer Entscheidung. Es kann diese Entwicklung als vorübergehende Krise betrachten oder als das erkennen, was sie ist. Ein Angriff auf die Grundwerte der Gesellschaft selbst. Denn wo Juden nicht sicher sind, ist niemand wirklich sicher.
Autor: Redaktion
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Dienstag, 17 Februar 2026