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Jeremy Corbyn verbreitet Organraub-Vorwurf gegen Israel und löst Empörung aus

Jeremy Corbyn verbreitet Organraub-Vorwurf gegen Israel und löst Empörung aus


Ein ehemaliger Parteichef erhebt einen der ältesten antisemitischen Vorwürfe überhaupt in moderner Form neu. Jüdische Organisationen sprechen von einer Blutlüge und warnen vor den Folgen für Juden weltweit.

Jeremy Corbyn verbreitet Organraub-Vorwurf gegen Israel und löst Empörung aus

Der frühere Vorsitzende der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, hat mit der Verbreitung schwerer Anschuldigungen gegen Israel internationale Empörung ausgelöst. In mehreren Videos, die sich rasch über soziale Netzwerke verbreiteten, behauptete Corbyn unter Berufung auf eine angebliche Nachricht aus dem Schifa-Krankenhaus im Gazastreifen, israelische Soldaten hätten Leichen von Palästinensern ohne Organe zurückgegeben. Belege für diese Vorwürfe legte er nicht vor.

Corbyn erklärte in dem Video, es seien Dutzende Kisten an das Krankenhaus übergeben worden, in denen sich menschliche Überreste befunden hätten. Zudem behauptete er, bei einigen Leichen seien Organe entfernt worden. Diese Aussagen verbreiteten sich innerhalb weniger Stunden weltweit und wurden millionenfach angesehen, kommentiert und weiterverbreitet.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Jüdische Organisationen in Großbritannien, Israel und den Vereinigten Staaten verurteilten die Äußerungen scharf und bezeichneten sie als moderne Form der Blutlüge. Dieser Begriff beschreibt eine über Jahrhunderte verbreitete antisemitische Verschwörungserzählung, die Juden beschuldigte, Menschen zu töten, um deren Blut oder Körperteile zu verwenden. Diese Lüge diente historisch als Rechtfertigung für Verfolgung, Gewalt und Mord an Juden in Europa und im Nahen Osten.

Israelische Stellen wiesen die Anschuldigungen entschieden zurück. Ein Sprecher betonte, dass der Umgang mit Leichen ausschließlich unter internationalen Verfahren erfolgt sei und keine Grundlage für solche Behauptungen existiere. Auch die israelische Botschaft in London erklärte, Corbyn verbreite haltlose und gefährliche Falschinformationen, die nicht zur Aufklärung beitrügen, sondern Hass verstärkten.

Der Vorfall trifft einen besonders sensiblen Nerv. Corbyn stand bereits während seiner Zeit als Labour-Chef unter massivem Druck wegen zahlreicher antisemitischer Vorfälle in seiner Partei. Seine Führung führte zu einer historischen Krise zwischen der Labour-Partei und großen Teilen der jüdischen Gemeinschaft Großbritanniens. Dass er nun erneut eine derart schwerwiegende Anschuldigung verbreitet, wird von vielen als Fortsetzung dieses Musters gesehen.

Die Wirkung solcher Aussagen reicht weit über die politische Debatte hinaus. Antisemitische Verschwörungserzählungen haben in der Geschichte immer wieder reale Gewalt ausgelöst. Gerade in Zeiten internationaler Spannungen können solche Behauptungen die Sicherheit jüdischer Gemeinschaften gefährden. Jüdische Organisationen warnten daher eindringlich davor, unbelegte Anschuldigungen zu verbreiten, die jahrhundertealte Feindbilder neu beleben.

Der Fall zeigt zugleich ein größeres Problem der Gegenwart. Soziale Medien ermöglichen es, schwerste Vorwürfe innerhalb kürzester Zeit weltweit zu verbreiten, ohne dass deren Wahrheitsgehalt überprüft wird. Was früher als extrem und inakzeptabel galt, kann heute innerhalb von Minuten Millionen erreichen und eine Dynamik auslösen, die sich kaum noch kontrollieren lässt.




Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Raph_PH - https://www.flickr.com/photos/69880995@N04/54548991724/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=166570959
Donnerstag, 26 Februar 2026

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