Neue Terrorgruppe greift Synagogen in Europa anNeue Terrorgruppe greift Synagogen in Europa an
Innerhalb weniger Tage werden Synagogen in Belgien, Griechenland und den Niederlanden attackiert. Hinter den Anschlägen steht eine bisher unbekannte schiitische Gruppe, deren Spuren in das Netzwerk iranischer Terrororganisationen führen könnten.
In Europa ist eine neue militante Gruppierung aufgetaucht, die sich selbst „Ashab Al Yamim“ nennt und innerhalb weniger Tage mehrere Angriffe auf jüdische Einrichtungen für sich reklamiert hat. Die Organisation war zuvor völlig unbekannt und trat erst in dieser Woche erstmals öffentlich in Erscheinung. Dennoch behauptet sie, bereits drei Anschläge in verschiedenen europäischen Ländern durchgeführt zu haben.
Der erste Angriff ereignete sich in der belgischen Stadt Lüttich. Dort wurde eine Synagoge durch eine Explosion beschädigt. Kurz darauf folgte ein weiterer Angriff auf eine jüdische Einrichtung in Griechenland. Am Freitag schließlich wurde eine Synagoge in Rotterdam Ziel eines Brandanschlags. In allen Fällen entstand Sachschaden, doch glücklicherweise wurden keine Menschen verletzt.
Der Name der Gruppe tauchte erstmals nach dem Angriff in Belgien auf. Die Organisation veröffentlichte eine Erklärung, in der sie die Tat als Teil eines religiösen Kampfes darstellte. Die Botschaft begann mit einer klassischen religiösen Einleitung und zitierte Verse aus dem Koran. Anschließend rief sie Muslime dazu auf, sich dem Kampf anzuschließen und weltweit Aktionen durchzuführen.
Der Name „Ashab Al Yamim“ lässt sich als „Gefährten der Rechten“ oder „Menschen der rechten Seite“ übersetzen. In religiösem Kontext steht diese Bezeichnung für die „Gerechten“. Der Ausdruck stammt aus einem Vers des Korans und wird in islamischer Symbolik häufig verwendet.
Doch nicht nur der Name der Gruppe weckt Aufmerksamkeit. Auch ihr Emblem erinnert stark an bekannte Organisationen aus dem Umfeld Irans. Das Logo zeigt eine erhobene Hand, die ein Gewehr hält, vor einer Weltkugel. Genau dieses Symbol findet sich auch in den Emblemen der libanesischen Hisbollah sowie anderer schiitischer Milizen.
Eine Besonderheit besteht jedoch beim dargestellten Gewehr. Während viele dieser Gruppen eine stilisierte Kalaschnikow verwenden, zeigt das Logo von Ashab Al Yamim ein Dragunow-Scharfschützengewehr. Dieses sowjetische Präzisionsgewehr ist im Nahen Osten verbreitet, in Europa jedoch vergleichsweise selten.
Auch die Verbreitung der Propaganda wirft Fragen auf. Die Gruppe besitzt bislang keinen eigenen Telegram-Kanal und keine bekannten Social-Media-Konten. Dennoch tauchten Videos der Anschläge sehr schnell in Netzwerken auf, die mit der sogenannten schiitischen Widerstandsachse verbunden sind. Dazu gehören Kanäle, die der Hisbollah oder der iranischen Revolutionsgarde nahestehen.
Das deutet darauf hin, dass zumindest eine indirekte Verbindung zu diesen Netzwerken bestehen könnte. Gleichzeitig bleibt unklar, ob Ashab Al Yamim tatsächlich eine eigenständige Organisation ist oder lediglich ein Deckname für bereits existierende Strukturen.
Auch die Art der Angriffe fällt auf. Anders als bei vielen Terroranschlägen richteten sich die Attacken ausschließlich gegen Gebäude. Sie fanden nachts statt und waren offenbar darauf ausgelegt, Angst zu erzeugen, ohne möglichst viele Opfer zu verursachen. Sicherheitsanalysten sehen darin möglicherweise eine strategische Botschaft.
Solche Aktionen können gezielt dazu dienen, jüdische Gemeinden einzuschüchtern und gleichzeitig politische Signale zu senden. Besonders in Zeiten eines militärischen Konflikts im Nahen Osten kann jede Attacke auf jüdische Einrichtungen weltweit als Teil einer größeren psychologischen Kampagne verstanden werden.
Die Geschichte zeigt, dass Iran und mit ihm verbundene Organisationen immer wieder auf solche indirekten Methoden zurückgreifen. Ein besonders bekanntes Beispiel ist der Anschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires im Jahr 1994. Damals wurden 85 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt. Jahrzehnte später kam ein argentinisches Gericht zu dem Schluss, dass der Anschlag von Iran organisiert und von der Hisbollah ausgeführt worden war.
Auch in Europa wurden in den vergangenen Jahren mehrfach Netzwerke aufgedeckt, die mit iranischen Sicherheitsdiensten oder deren Stellvertreterorganisationen verbunden waren. Diese Strukturen reichen von Spionage über Einschüchterung bis hin zu geplanten Anschlägen.
Vor diesem Hintergrund beobachten Sicherheitsbehörden die neue Gruppe mit großer Aufmerksamkeit. Selbst wenn Ashab Al Yamim nur eine Tarnorganisation sein sollte, zeigt ihr Auftauchen, dass der Konflikt im Nahen Osten längst auch die Sicherheitslage in Europa beeinflusst.
Für jüdische Gemeinden bedeutet dies erneut erhöhte Wachsamkeit. Synagogen, Schulen und Gemeindezentren gehören bereits seit Jahren zu den am stärksten geschützten Einrichtungen in vielen europäischen Städten.
Die drei Anschläge dieser Woche zeigen jedoch, dass auch umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen keine absolute Garantie bieten. Selbst kleinere Angriffe können große Wirkung entfalten, weil sie Angst erzeugen und das Gefühl der Sicherheit erschüttern.
Ob Ashab Al Yamim tatsächlich eine neue Organisation ist oder lediglich ein weiterer Name im Netzwerk iranischer Stellvertretergruppen, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Klar ist jedoch schon jetzt: Der Schatten des Nahostkonflikts reicht längst bis nach Europa.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=24130775
Samstag, 14 März 2026