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Nach kurzfristiger Kehrtwende reist Israels Delegation mit Terroropfern zum Marsch in Auschwitz

Nach kurzfristiger Kehrtwende reist Israels Delegation mit Terroropfern zum Marsch in Auschwitz


Eine Entscheidung in letzter Minute bringt Überlebende, Terroropfer und ehemalige Geiseln zusammen. In einer Zeit voller Bedrohung wird Erinnerung zur bewussten Antwort auf Hass.

Nach kurzfristiger Kehrtwende reist Israels Delegation mit Terroropfern zum Marsch in Auschwitz

Israel wird in diesem Jahr doch am „March of the Living“ in Polen teilnehmen. Die Entscheidung fiel kurzfristig, nachdem die Reise ursprünglich wegen des Krieges abgesagt worden war. Dass sie nun doch stattfindet, ist mehr als organisatorischer Erfolg. Es ist ein bewusstes Signal.

Eine kleine Delegation von Holocaustüberlebenden im Alter zwischen 90 und 100 Jahren wird zwischen den Lagern Auschwitz und Birkenau gehen. Möglich wurde dies durch die Unterstützung von Dutzenden israelischen Technologieunternehmen. Rund 7.000 Menschen aus aller Welt werden erwartet.

Erinnerung trifft Gegenwart

Unter den Teilnehmern sind nicht nur Überlebende der Schoa, sondern auch Menschen, die erst vor kurzem Opfer von Terror wurden. Ehemalige Geiseln aus Gaza werden ebenso teilnehmen wie Überlebende antisemitischer Anschläge in Australien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten.

Diese Verbindung ist kein Zufall. Sie zeigt, dass Antisemitismus nicht Vergangenheit ist, sondern Gegenwart. Seit dem 7. Oktober hat sich der Hass gegen Juden weltweit sichtbar verstärkt. Der Marsch steht deshalb in diesem Jahr unter einem klaren Motto: Erinnerung soll nicht nur bewahren, sondern zum Handeln verpflichten.

Wenn ein Holocaustüberlebender neben einem Überlebenden eines aktuellen Anschlags geht, entsteht eine stille, aber unmissverständliche Botschaft. Geschichte wiederholt sich nicht identisch, aber sie verschwindet auch nicht.

Ein Land zwischen Trauma und Verantwortung

Die Entscheidung zur Teilnahme fällt in eine Zeit, in der Israel selbst unter Beschuss stand. Während des Krieges mit dem Iran wurden auch Wohnungen von Holocaustüberlebenden beschädigt. Sirenen, Angst und Isolation sind für viele von ihnen Teil des Alltags geworden.

Berichte zeigen, wie schwer diese Situation ist. Ältere Menschen, oft allein, erreichen Schutzräume nicht rechtzeitig. Hilfsorganisationen berichten von einem massiven Anstieg an Notrufen. Viele sprechen von Einsamkeit, Angst und Erinnerungen, die durch den Krieg wieder aufbrechen.

Gerade deshalb erhält die Reise nach Auschwitz eine zusätzliche Bedeutung. Sie ist nicht nur Gedenken, sondern auch ein Akt der Selbstbehauptung. Israel zeigt: Selbst unter Druck wird die Erinnerung nicht aufgegeben.

Ein bewusst reduziertes Zeichen

Ursprünglich sollte die Delegation deutlich größer sein. Rund 1.500 Israelis konnten jedoch nicht teilnehmen, weil ihre sichere Aus- und Rückreise nicht gewährleistet werden konnte. Darunter waren weitere Überlebende, Familien von Opfern und zahlreiche junge Teilnehmer.

Dass die Delegation dennoch reist, macht die Entscheidung umso bedeutender. Es geht nicht um Größe, sondern um Präsenz.

Der Marsch selbst führt über die Strecke zwischen den ehemaligen Vernichtungslagern. Diese wenigen Kilometer stehen für das industrielle Töten von Millionen Juden. Wer diesen Weg geht, spürt die Dimension der Geschichte auf eine Weise, die keine Worte ersetzen können.

Die Botschaft hinter dem Schritt

Israel nutzt diesen Moment, um eine klare Haltung zu zeigen. Erinnerung ist kein Ritual, das man aussetzt, wenn es schwierig wird. Sie ist Teil der Identität.

Gerade in einer Zeit, in der jüdisches Leben weltweit wieder stärker bedroht ist, gewinnt diese Haltung an Gewicht. Der Marsch wird damit zu mehr als einer Gedenkveranstaltung. Er wird zu einer Antwort.

Nicht laut, nicht militärisch, sondern durch Präsenz.

Die Bilder aus Auschwitz werden zeigen, was dieser Schritt bedeutet: Menschen, die trotz Krieg, Verlust und Angst bereit sind, den Weg der Erinnerung zu gehen.




Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Gordon Roemhild - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=94389258
Sonntag, 12 April 2026

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