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Türkei - Iran - Saudi-Arabien: Machtkampf im Orient

Türkei - Iran - Saudi-Arabien:

Machtkampf im Orient




von Christian Zimmermann. Political Post

Machtkampf im Nahen Osten zwischen Türkei, Iran und Saudi-Arabien kommt in eine neue Phase

Iraks Vizepräsident Tarek al-Haschemi trifft Erdogan und den saudischen Außenminister, u.a.

Der gewählte irakische Vizeministerpräsident Tarek al-Haschemi wird vom irakischen Ministerpräsident und gleichzeitigen Innenminister el-Maleki aus Machtgründen per Haftbefehl verfolgt. Der Machtkampf im Irak nimmt immer skurrilere Formen an. Die letzten irakischen Wahlen hatten ein Patt erbracht und zu einer 40ig köpfigen Ministerrunde geführt. Doch nach Abzug der USA ergriff el-Maleki die Macht, die er mit seiner Ämterhäufung ohnehin schon einseitig zu seinen Gunsten verschoben hatte. Der entscheidende Faktor seiner Machtergreifung ist jedoch die Hinwendung zum Iran . El-Maleki hat lange Jahre im Iran im Exil gelebt und sich dort einen Namen gemacht. Nun hat er entschieden, die Mullahs zu seinen Partner zu machen und die politische Opposition im eigenen Land zu verfolgen. Die sekularen, sunnitischen und kurdischen Vertreter sind irritiert und versuchen seit Wochen Bündnispartner zu finden, um die Diktatur des iranfreundlichen Maleki zu verhindern. Der Präsident der Regionalregierung Massud Barzani hat dem geflohen Vizepräsident al-Haschemi Sicherheit geboten und dem Machtstreben el-Malekis zunächst widerstanden.

Doch nun wird der Kampf um Syrien zu einer neuen Belastung auch im Irak. Iranische Militärhilfe für Syrien wird durch Überflugrechte für iranische Frachtflugzeuge vom Ministerpräsident el-Maleki erlaubt und gefördert. Die irakischen Sunniten scheinen sich an die Seite der Aufständischen in Syrien zu stellen. Die PKK hat sich zu Assad bekannt und will im Unterstützungskampf für das syrische Regime sich autonome kurdische Gebiete sichern. Dies wird der Türkei keinesfalls recht sein. Die Türkei steht an der Seite der syrischen Aufständischen und konkurriert mit dem iranischen Regime und den saudischen Herrschern um die Vormachtstellung in der Region. Ein Pulverfass, in das die Nato durch einen möglichen Bündnisfall hineingezogen werden kann. Die ausgehandelte Waffenruhe ist brüchig, weil zu viele Interessen mitspielen. Assads Regime ist nicht reformierbar. Das Baathregime hat im Iran und Irak starke Partner und wird nicht nachgeben. Und die Türkei spielt Regionale Großmacht. Iran will Zeit gewinnen und eröffnet eine neue Verhandlungsrunde in der Atomfrage. Hinhalten und austricksen waren aber schon immer die Methoden iranischer Diplomatie. Zeit gewinnt somit auch Syrien, sich neu auf zu rüsten und gegenüber den Aufständischen zu positionieren. Nun ist die Türkei am Zug und Saudi Arabien steht dahinter und wird die Aktivitäten decken. Doch was genau passieren wird, weiß offensichtlich keiner der Analysten. Erdogan will sein eigenes Land islamisieren und ein Modell schaffen sowie die Konflikte mit den Kurden und Minderheiten beenden. Eine sunnitische Regierung in Syrien mit Beteiligung der Muslimbrüder käme Erdogan sehr gelegen und eröffnete der Türkei noch bessere Absatzmärkte. Wasser- und Stromversorgung der gesamten Region liegen Dank der umfangreichen Stauseeprogramme in türkischen und amerikanischen Händen. Die Türkei hat eine große Armee und kann ohne großes Risiko handeln. Der Iran hat kein wirkliches Alternativprogramm zu bieten und wäre nach dem Sturz Assads noch mehr isoliert und die Elite im Irak müsste sich auch noch mal neu orientieren, wenn sie nicht noch mal unter Fremdherrschaft geraten will. Denn der Iran wird nach dem Verlust des Partners in Damaskus versuchen dies mit einer Allianz mit Irak zu kompensieren. Leidtragende werden die Kurden, Yesiden und aramäischen Christen sowie die sekularen Demokraten sein und zuletzt die noch im Irak lebenden 3600 iranischen Exilanten in Camp Liberty.

Die dann sunnitsch regierten Staaten werden aber auch ein neues Verhältnis zu Israel brauchen und umgekehrt. Indem sie die Existenz des Staates Israel anerkennen, werden sie Iran restlos isolieren und die Macht der Mullahs eindämmen. Die Palästinenser werden einen kooperativen Nachbarstaat aufbauen müssen, der die Partnerschaft mit allen, besonders auch Israel braucht. Zumindest die Hamas hat schon begonnen, sich vom Iranischen Regime zu trennen und einen neuen Weg zu suchen.

 

Der Autor ist u.a. Geschäftsführer des Koordinierungsrat deutscher Nichtregierungsorganisationen gegen Antisemitismus und aktiv in Menschenrechtsorganisationen tätig. Zweitveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.


Autor: haolam.de
Bild Quelle:


Donnerstag, 17 Mai 2012