Iran: Auspeitschung für Alkoholkonsum

Iran: Auspeitschung für Alkoholkonsum


Am Dienstag wurde im Iran ein junger Mann öffentlich ausgepeitscht, weil er vor mehr als einem Jahrzehnt als 14- oder 15Jähriger Alkohol zu sich genommen hat.

Iran: Auspeitschung für Alkoholkonsum

Bericht von Amnesty International

 

Amnesty International zufolge spiegele dies die Inhumanität eines Rechtssystems wider, das Grausamkeit legalisiere. ‚Die Umstände dieses Falls sind zutiefst schockierend und ein weiterer grauenerregender Beleg für die perversen Prioritäten der iranischen Behörden. Unabhängig vom Alter sollte niemand ausgepeitscht werden. (…)

 

Die öffentliche Auspeitschung fand am 10. Juli auf dem Niazmand-Platz in der in der Provinz Razavi Khorasan gelegenen Stadt Kashmar statt. Dort erhielt der lediglich als M. R. bekannte Mann 80 Hiebe auf den Rücken. In den iranischen Medien wurde ein Bild veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie der an einen Baum gebundene junge Mann von einem maskierten Mann geschlagen wird. Dem Staatsanwalt in Kashmar zufolge soll M. R. auf einer Hochzeit, bei der es zu einem Streit kam, der mit dem Tod eines 17-Jährigen endete, Alkohol zu sich genommen haben. An dem Mord sei M. R. nicht beteiligt gewesen und die Strafe habe lediglich dem Alkoholkonsum gegolten, so der Staatsanwalt. Das ‚Vergehen‘ soll im iranischen Jahr 1385 (März 2006 bis März 2007) begangen worden sein. M. R. wurde im iranischen Jahr 1370 (März 1991 bis März 1992) geboren, war also zum Zeitpunkt des Vorfalls entweder vierzehn oder fünfzehn. Das Urteil erging vor zehn Jahren, im Jahr 1386 (März 2007 bis März 2008). Warum es nach mehr als einem Jahrzehnt vollstreckt wurde, konnte Amnesty International nicht in Erfahrung bringen.

 

Die Justizbehörden im Iran haben dieses Jahr eine ganze Reihe grausamer Strafen vollstreckt. Unter anderem wurde einem Mann wegen Diebstahls eine Hand amputiert. (…) Der Artikel 265 des iranischen Islamischen Strafgesetzbuches sieht für den Alkoholkonsum durch einen Muslimen eine Strafe von 80 Hieben vor. Im Iran werden mehr als 100 Straftaten, darunter Diebstahl, tätliche Angriffe, Sachbeschädigung, Verleumdung und Betrug, mit Hieben bestraft. Hinzu kommen Handlungen, die gar nicht unter Strafe stehen sollten: Ehebruch, intime Beziehungen zwischen unverheirateten Männern und Frauen, ‚Vergehen gegen die öffentliche Sittlichkeit‘ und gleichgeschlechtlicher Sex. Im Januar 2016 drängte der Ausschuss für die Rechte des Kindes, das UNO-Gremium, das die Einhaltung der Kinderrechtskonvention überwacht, den Iran, ‚sofort alle Vorschriften abzuschaffen, die die grausame, unmenschliche und entwürdigende Behandlung von Kindern vorsieht oder billigt‘.

 

 

Übersetzt von MENA Watch - Foto: Screenshot YouTube-Video (MENA Watch)


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Sonntag, 15 Juli 2018