Neuer Währungstiefstand: Irans Wirtschaftskrise verschärft sich

Neuer Währungstiefstand: Irans Wirtschaftskrise verschärft sich


Die Inflation im Iran steigt aufgrund einer Trickserei der Regierung, sich von der Zentralbank Geld auszuleihen, das diese drucken muss, womit sich die umlaufende Geldmenge erhöht.

Neuer Währungstiefstand: Irans Wirtschaftskrise verschärft sich

Während die iranische Zentralbank eine Rekordkreditaufnahme durch staatliche Unternehmen und eine wachsende Geldmenge meldete, erreichte die Währung der Islamischen Republik am Sonntag einen weiteren historischen Tiefstand, als der Rial, der Ende August noch bei etwa 300.000 zum US-Dollar gehandelt wurde, auf 460.000 fiel,was einen Rückgang um mehr als fünfzig Prozent markierte.

Die seit 2018 verhängten Wirtschaftssanktionen haben die Einnahmen des Irans in harter Währung geschmälert, seine Devisenreserven aufgebraucht und zu wirtschaftlicher Unsicherheit geführt. Das Ausbleiben eines neuen Atomabkommens mit den Vereinigten Staaten hat seit September, als der letzte Versuch der Europäischen Union, ein Abkommen zu vermitteln, gescheitert war, ebenfalls zu einer Verschärfung der ohnehin angespannten Lage beigetragen. Zusätzlich zu diesen Faktoren haben die Proteste der Bevölkerung in den vergangenen fünf Monaten zu politischer Unsicherheit und einer verstärkten Kapitalflucht aus dem Land geführt.

Der Kursverfall des Rial führt zu einer höheren Inflation bei lebenswichtigen Gütern wie Lebensmitteln und damit zu einer Verarmung der Bevölkerung, die in den letzten drei Jahren unter einer jährlichen Teuerungsrate von 40 bis 50 Prozent zu leiden hatte. Dabei stiegen die Lebensmittelpreise sogar noch stärker, sodass die offiziellen Zahlen eine jährliche Inflation von 70 bis 100 Prozent für Grundnahrungsmittel wie Fleisch und Milchprodukte ausweisen. Der Verbrauch einiger Artikel ist in den letzten zwei Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen.

Gleichzeitig stiegen die Mieten und Immobilienpreise in gleichem Maße wie der Wert des US-Dollars, sodass ein durchschnittlicher Arbeitnehmer zwei bis drei Jobs annehmen muss, um sich eine Wohnung leisten zu können. Legt man den aktuellen Dollarkurs zugrunde, verdient ein Arbeiter gerade einmal zwischen 100 und 150 Dollar im Monat.

Tricksereien der Regierung
Einige Beobachter sind der Meinung, die steigenden Preise könnten zu noch breiteren und anhaltenderen Protesten gegen das Regime führen. Die derzeitige Regierung gilt als ineffizient und unfähig, auf die zahlreichen Herausforderungen zu regieren. Selbst viele Konservative und Loyalisten haben begonnen, Präsident Ebrahim Raisi und seine Minister zu kritisieren.

Am Sonntag von der iranischen Zentralbank (CBI) veröffentlichte Zahlen zeigen, dass die Kreditaufnahme staatlicher Unternehmen in den ersten acht Monaten des iranischen Kalenderjahrs (21. März bis 20. November) um 77,5 Prozent gestiegen ist. Dabei nehmen die größtenteils unrentablen und verlustgeplagten Betriebe Kredite bei staatlichen Banken auf, die sich wiederum um Kredite bei der Zentralbank bemühen. Dieses Prozedere resultierte in einer Erhöhung der Geldmenge um 59 Prozent seitens der Zentralbank, die ihrerseits auf das vermehrte Drucken von Geld zurückgreifen muss, um den steigenden Bedarf decken zu können, wodurch die Geldmenge schnell ansteigt, was zu weiterer Entwertung und Inflation führt.

Ein wichtiger Grund für die erhöhte Kreditaufnahme staatlicher Unternehmen ist, dass die Regierung Geld von diesen im Grunde bankrotten Unternehmen nimmt, um ihr eigenes Haushaltsdefizit auszugleichen, das die 50-Prozent-Marke überschritten hat. Während die Regierung Raisi damit prahlt, keine Kredite mehr bei der Zentralbank aufzunehmen, ist sie in Wirklichkeit dazu übergegangen, Geld von ihren Wirtschaftsbetrieben zu kassieren, die so die Rolle des Kreditnehmers bei der CBI übernommen haben und nun eine Art Vermittlerrolle im Kreislauf von staatlicher Kreditaufnahme und Gelddruck spielen.

Die Geldmenge erreichte im November 58.000 Billionen Rial, was einem Wert von 200 Milliarden Dollar entspricht, legt man den durchschnittlichen Wechselkurs der ersten acht Monate des iranischen Kalenderjahrs zugrunde. Das System steuert damit auf eine derart ernste Krise zu, dass sich ein zentristischer Politiker kürzlich zu der Aussage genötigt fühlte, »der Iran steht in Flammen«.


Dieser Artikel wurde zuerst hier veröffentlicht.

Autor: Mena-Watch
Bild Quelle: Symbolbild


Sonntag, 19 Februar 2023

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