Khamenei räumt wirtschaftlichen Kollaps ein - Irans Regime gerät unter DruckKhamenei räumt wirtschaftlichen Kollaps ein - Irans Regime gerät unter Druck
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten gesteht der oberste Führer selbst ein, was Millionen Iraner täglich spüren. Die Wirtschaft ist instabil, die Währung kollabiert, der soziale Kitt bröckelt. Doch während Ali Khamenei Verständnis simuliert, greift das Regime erneut zu Drohungen, Repression und Schuldzuweisungen.
Irans oberster Führer Ali Khamenei hat öffentlich eingeräumt, dass die wirtschaftliche Lage des Landes außer Kontrolle geraten ist. In einer Stellungnahme erklärte er, die Proteste der sogenannten Bazaari, der städtischen Mittelschicht und Händler, seien inhaltlich berechtigt. Der Verfall der Landeswährung, die Instabilität des Finanzsystems und die Unmöglichkeit, unter diesen Bedingungen Geschäfte zu betreiben, seien reale Probleme. Ein bemerkenswertes Eingeständnis in einem System, das wirtschaftliche Missstände bislang fast ausschließlich dem Ausland zuschrieb.
Doch dieses Eingeständnis ist kein Zeichen von Reformbereitschaft, sondern ein taktisches Manöver. Khamenei bemühte sich zugleich, die Proteste zu delegitimieren, indem er zwischen angeblich legitimen Demonstranten und sogenannten Randalierern unterscheidet. Hinter Letzteren, so der Revolutionsführer, stünden feindliche Kräfte, die gegen den Islam, gegen Iran und gegen das System agitieren würden. Protest sei erlaubt, Gewalt nicht. Wer protestiere, verdiene ein Gespräch. Wer das Regime infrage stelle, müsse „an seinen Platz verwiesen werden“.
Ein Regime unter wirtschaftlichem Stress
Die aktuelle Protestwelle wurde durch den massiven Wertverlust des iranischen Rial ausgelöst. Händler schlossen ihre Geschäfte, Streiks legten zentrale Basare lahm, darunter auch den Großen Basar in Teheran. Die Inflation explodiert, Ersparnisse lösen sich auf, Importe werden unbezahlbar. Anders als frühere Proteste wird diese Bewegung nicht primär von Studenten oder Aktivisten getragen, sondern von einer traditionell regimeverbundenen Gruppe. Genau das macht sie für Teheran gefährlich.
Menschenrechtsorganisationen berichten von Toten durch scharfe Munition, Massenverhaftungen und dem Einsatz von Tränengas. Gleichzeitig versucht das Regime, Kontrolle durch Worte zu suggerieren. Verständnis zeigen, ohne Macht abzugeben. Ein bekanntes Muster.
Schuldzuweisung nach außen
Parallel zu Khameneis Einlassung veröffentlichte das iranische Außenministerium eine aggressive Erklärung gegen die Vereinigten Staaten. Äußerungen amerikanischer Politiker zu den Protesten seien Einmischung, Anstiftung zur Gewalt und Teil einer angeblichen Verschwörung. Wie so oft wird auch Israel in diesem Zusammenhang als angeblicher Drahtzieher benannt. Der jüdische Staat dient dem Regime weiterhin als universeller Sündenbock, um von eigenem Versagen abzulenken.
Dabei ist die Realität eindeutig. Irans wirtschaftliche Krise ist hausgemacht. Jahrzehnte der Korruption, der ideologischen Abschottung, der Finanzierung von Terrororganisationen und militärischen Abenteuern haben das Land ausgeblutet. Milliarden flossen in die Unterstützung der Hisbollah, der Hamas, der Huthi und in Rüstungsprogramme, während die eigene Bevölkerung verarmt.
Angst vor einem neuen 2022
Die aktuelle Lage weckt Erinnerungen an die Proteste nach dem Tod von Mahsa Amini. Auch damals reagierte das Regime mit Gewalt, Internetsperren und drakonischen Strafen. Doch der Druck ist heute größer. Die wirtschaftliche Basis des Systems erodiert. Wenn selbst die Bazaari, lange eine Stütze der Islamischen Republik, auf die Straße gehen, ist das ein Alarmsignal.
Khameneis Worte markieren keinen Kurswechsel, sondern einen Moment der Schwäche. Das Regime weiß, dass es die wirtschaftliche Realität nicht länger leugnen kann. Gleichzeitig zeigt es, dass es nicht bereit ist, die politische Konsequenz daraus zu ziehen.
Für Israel ist diese Entwicklung von strategischer Bedeutung. Ein innenpolitisch geschwächtes Iran Regime bleibt gefährlich, gerade weil es nach außen eskalieren könnte, um von innerem Zerfall abzulenken. Doch erstmals seit Langem zeigt sich offen, dass die Stabilität der Islamischen Republik auf tönernen Füßen steht.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Khamenei.ir, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=181156204
Samstag, 03 Januar 2026