Nach Maduro-Festnahme wächst die Nervosität in TeheranNach Maduro-Festnahme wächst die Nervosität in Teheran
Die Festnahme von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro durch die USA ist mehr als ein regionaler Umbruch. In Teheran wird sie als Warnung verstanden – und als Erinnerung daran, dass Machtprojektion unter Donald Trump keine leere Drohung ist.
Ob beabsichtigt oder nicht: Die amerikanische Operation gegen Venezuelas Präsident Nicolás Maduro wirkt weit über Lateinamerika hinaus. In Teheran dürfte man die Bilder aus Caracas mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt haben. Nicht aus Solidarität mit Maduro, sondern aus nüchterner Selbsterhaltung. Denn Venezuela ist seit Jahren ein enger Partner der Islamischen Republik Iran – politisch, wirtschaftlich und sicherheitsstrategisch.
Der Zeitpunkt verstärkt die Signalwirkung. Die Festnahme Maduros fiel auf den Jahrestag der gezielten Tötung von Qassem Soleimani, dem früheren Kommandeur der Quds-Brigaden der Islamic Revolutionary Guard Corps, durch die USA. Für Teheran ist Soleimani bis heute Symbol und Trauma zugleich. Dass Präsident Donald Trump selbst die Operationen – Soleimani, Abu Bakr al-Baghdadi, iranische Nuklearanlagen und nun Maduro – öffentlich in eine Reihe stellt, ist kein Zufall. Es ist politische Kommunikation in militärischer Sprache.
Der iranische Staat steht ohnehin unter massivem inneren Druck. Seit Tagen erschüttern Proteste das Land. Die Währung verliert dramatisch an Wert, Wasserknappheit trifft ganze Regionen, und das Regime wirkt angeschlagen – auch wegen des kürzlich beendeten 12-Tage-Krieges mit den USA und Israel. In dieser Situation kündigt Trump offen an, die USA würden eingreifen, sollten iranische Sicherheitskräfte Demonstranten töten. „Locked and loaded“, schrieb er. In Teheran weiß man, was das unter Trump bedeuten kann.
Nur zwei Tage zuvor hatte Trump Israels Premier Benjamin Netanyahu getroffen und erneut betont, dass fortgesetzte iranische Aktivitäten im Nuklear- und Raketenbereich nicht toleriert würden. Die Botschaft ist klar: Abschreckung wird nicht delegiert, sondern umgesetzt.
Für den Iran ist Maduro kein beliebiger Partner. Venezuela diente Teheran als logistischer und finanzieller Knotenpunkt. Berichte über iranische Drohnenproduktion, Trainingslager der Hisbollah und umfangreiche Sanktionsumgehung sind seit Jahren bekannt. Der Handel zwischen beiden Staaten belief sich zuletzt auf mehrere Milliarden Dollar. Mit Maduros Sturz steht dieses Netzwerk infrage.
Israels politische Führung hat das offen ausgesprochen. Vertreter aus Regierung und Opposition betonten, das Geschehen in Venezuela müsse in Teheran als Warnsignal gelesen werden. Auch der israelische Diasporaminister sprach von einem Schlag gegen die globale Achse autoritärer und terroristischer Regime – und von einer klaren Botschaft an Irans obersten Führer Ali Khamenei.
Auffällig ist, wie schnell und scharf Teheran reagierte. Das Außenministerium verurteilte die US-Operation als Verletzung der Souveränität Venezuelas und rief die Vereinten Nationen an. Khamenei selbst meldete sich nach Tagen des Schweigens auf X zu Wort, sprach von amerikanischer Täuschung, „weichem Krieg“ und der Notwendigkeit, dem Feind standzuhalten. Solche Wortmeldungen sind weniger Ausdruck von Stärke als von Sorge. Sie richten sich nach innen.
Auch wenn Washington offiziell keine Verbindung zwischen Caracas und Teheran herstellt: In der Realität internationaler Machtpolitik zählen Wahrnehmungen. Die Botschaft lautet, dass selbst weit entfernte, scheinbar fest verankerte Regime nicht unangreifbar sind, wenn sie Teil feindlicher Netzwerke sind.
Für Israel ist diese Entwicklung von strategischer Bedeutung. Sie zeigt, dass Abschreckung gegenüber dem Iran nicht nur in Worten existiert, sondern in Taten sichtbar wird. Der Sturz Maduros ist kein direkter Angriff auf Teheran – aber er untergräbt das Gefühl von Unantastbarkeit, auf dem autoritäre Systeme angewiesen sind.
Ob gewollt oder nicht: Der Schatten von Caracas reicht bis nach Teheran. Und dort wird man sehr genau überlegen, wie weit man noch gehen kann.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert
Sonntag, 04 Januar 2026