Iran signalisiert Kriegsbereitschaft gegenüber den USA und spricht zugleich von VerhandlungenIran signalisiert Kriegsbereitschaft gegenüber den USA und spricht zugleich von Verhandlungen
Teheran verschärft den Ton, ohne die Tür zur Diplomatie zu schließen. Bei einem Auftritt in Beirut erklärt Irans Außenminister offen die Bereitschaft zum Krieg, koppelt Gespräche mit Washington jedoch an klare Bedingungen.
Der Iran sieht sich sowohl auf einen militärischen Konflikt mit den Vereinigten Staaten vorbereitet als auch zu Gesprächen bereit. Diese doppelte Botschaft übermittelte Irans Außenminister Abbas Araghchi am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Beirut. Verhandlungen mit Washington seien möglich, so Araghchi, allerdings nur auf Grundlage gegenseitigen Respekts und klar definierter Interessen. Sollte die Absicht der USA hingegen auf Konfrontation hinauslaufen, sei der Iran bereit, in einen Krieg einzutreten.
Die Aussage fällt in eine Phase zunehmender Spannungen in der Region, in der diplomatische Signale bewusst mit Drohungen verknüpft werden. Araghchi machte deutlich, dass Teheran keinen einseitigen Dialog akzeptieren werde. Gespräche dürften aus iranischer Sicht weder unter Druck noch unter Vorbedingungen stattfinden.
Der Außenminister erklärte, Ziel seines Besuchs im Libanon sei es, über die aus iranischer Sicht bestehenden sicherheitspolitischen Herausforderungen zu sprechen, insbesondere über Israels Rolle in der Region. Zugleich gehe es um den Ausbau der bilateralen Beziehungen zwischen Teheran und Beirut. Araghchi reiste nicht allein, sondern in Begleitung einer wirtschaftlichen Delegation, was den politischen Gesprächen eine strategische Dimension verleiht.
Diplomatie unter Vorbehalt
Parallel zu seiner öffentlichen Erklärung bestätigte Araghchi gegenüber iranischen Medien, dass der Iran grundsätzlich an Gesprächen interessiert bleibe. Diese müssten jedoch die Interessen beider Seiten berücksichtigen. Damit signalisiert Teheran einerseits Offenheit, andererseits Unnachgiebigkeit. Die Botschaft richtet sich nicht nur an Washington, sondern auch an regionale Akteure, die den Kurs der USA aufmerksam verfolgen.
Der Auftritt in Beirut ist dabei kein Zufall. Der Libanon gilt als zentrales Scharnier iranischen Einflusses im östlichen Mittelmeerraum. Gleichzeitig ist das Verhältnis zwischen beiden Staaten zuletzt nicht spannungsfrei gewesen.
Im vergangenen Monat hatte der libanesische Außenminister Youssef Raji eine Einladung nach Teheran ausgeschlagen. Stattdessen schlug er vor, Gespräche in einem neutralen Drittland zu führen. Als Begründung nannte er die aktuellen Umstände, ohne diese näher auszuführen. Zugleich betonte Raji, dass dies keine Absage an den Dialog mit dem Iran darstelle.
Regionale Signale mit globaler Adresse
Die iranische Führung versucht mit dieser Kommunikation, Stärke und Gesprächsbereitschaft zugleich auszustrahlen. Während Teheran seine militärische Entschlossenheit betont, will es den Eindruck vermeiden, einen offenen Konflikt aktiv zu suchen. Die Erklärung Araghchis lässt bewusst Spielraum. Sie schließt weder Eskalation noch Diplomatie aus.
Für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten ist diese Haltung ein bekanntes Muster. Der Iran positioniert sich als Akteur, der rote Linien zieht und gleichzeitig den diplomatischen Kanal offen hält, sofern er auf Augenhöhe agieren kann. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob Washington auf diese Signale eingeht oder den Konfrontationskurs weiter verschärft.
Klar ist jedoch: Teheran spricht nicht aus einer defensiven Position heraus. Die Botschaft aus Beirut lautet, dass der Iran sich vorbereitet fühlt und zugleich selbst bestimmen will, unter welchen Bedingungen Gespräche stattfinden. Für die ohnehin fragile Sicherheitslage in der Region ist das ein weiteres Zeichen wachsender Unsicherheit.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Tasnim News Agency, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=181410908
Freitag, 09 Januar 2026