Pahlavi ruft zum Angriff auf die Machtzentren auf, Irans Proteste treten in eine neue PhasePahlavi ruft zum Angriff auf die Machtzentren auf, Irans Proteste treten in eine neue Phase
Der Sohn des letzten Schahs spricht offen aus, was viele Demonstranten längst tun. Reza Pahlavi fordert gezielte Aktionen gegen Institutionen des Regimes und gegen iranische Auslandsvertretungen. Die Proteste in Iran verlieren jede Illusion von Reform und werden zum offenen Kampf um die Macht.
Die Proteste in Iran haben eine Schwelle überschritten. Was als soziale Revolte begann, wird zunehmend zu einem offenen politischen Aufstand gegen das System der Islamischen Republik. Der im Exil lebende Kronprinz Reza Pahlavi hat diesen Wendepunkt nun ausdrücklich benannt. In einer öffentlichen Botschaft erklärte er, Iran stehe am Beginn einer neuen Phase des Widerstands und rief die Bevölkerung dazu auf, gezielt Einrichtungen des Regimes ins Visier zu nehmen.
Pahlavi sprach von landesweiten Demonstrationen, die das Fundament der Herrschaft von Ali Khamenei erschüttert hätten. Institutionen, die Propaganda verbreiten oder das System stützen, seien legitime Ziele des zivilen Widerstands. Gleichzeitig stellte er Sicherheitskräfte und Staatsbedienstete vor eine klare Entscheidung: entweder an der Seite des Volkes stehen oder sich dauerhaft mit einem mörderischen Regime identifizieren.
Vom Protest zur offenen Konfrontation
Die Wortwahl ist bewusst scharf. Pahlavi spricht nicht mehr von Reformen, nicht von Dialog, nicht von graduellen Veränderungen. Er beschreibt einen Machtkampf. Der Aufruf an die iranische Diaspora, Botschaften der Islamischen Republik zu besetzen und dort die historische iranische Flagge zu hissen, ist symbolisch und strategisch zugleich. Es geht darum, dem Regime auch international jede Selbstverständlichkeit zu nehmen.
Diese Rhetorik fällt nicht in ein Vakuum. In Iran selbst greifen Demonstranten gezielt staatliche Symbole an. Basij Stützpunkte, Regierungsgebäude, Fahrzeuge der Sicherheitskräfte und selbst Moscheen als Machtinstrumente des Systems wurden beschädigt oder zerstört. In Teheran allein sollen innerhalb weniger Tage Dutzende religiöse Einrichtungen in Brand gesetzt worden sein. Das ist kein spontaner Aufruhr mehr, sondern ein Angriff auf die ideologische Infrastruktur des Staates.
Ein Regime unter Druck und ohne Antwort
Offiziell erklärt die Führung in Teheran, die Lage sei unter Kontrolle. Außenminister und Parlamentssprecher sprechen von ausländischer Einmischung, von Israel und den Vereinigten Staaten als Drahtziehern. Gleichzeitig räumt das Parlament ein, Iran befinde sich in einem Mehrfrontenkampf, wirtschaftlich, militärisch, psychologisch und sicherheitspolitisch. Diese Gleichzeitigkeit von Beschwichtigung und Alarm verrät die Nervosität des Systems.
Die anhaltende Internetsperre, die massive Gewalt gegen Demonstranten und Berichte über gezielte Kopfschüsse zeigen, dass das Regime nicht mehr auf Eindämmung setzt, sondern auf Abschreckung durch Terror. Genau darauf reagiert Pahlavis Botschaft. Er versucht, den Moment zu nutzen, in dem Angst und Hoffnung gleichzeitig existieren.
Hunger, Wut und der Verlust der Unantastbarkeit
Die aktuellen Proteste unterscheiden sich fundamental von früheren Wellen. Es geht nicht um Wahlbetrug, nicht um einzelne Gesetze, nicht um kulturelle Symbole wie den Hijab. Es geht um eine kollabierende Wirtschaft, um Armut, um den Verlust jeder Perspektive. Millionen Iraner erleben, dass ihr Staat Milliarden in Stellvertreterkriege investiert hat, während die eigene Bevölkerung verarmt.
Hinzu kommt ein psychologischer Bruch. Die Islamische Republik galt jahrzehntelang als unerschütterlich. Nach militärischen Rückschlägen, internationalen Isolationserfolgen Israels und dem sichtbaren Zerfall regionaler Allianzen wirkt das Regime plötzlich verwundbar. Diese Wahrnehmung treibt die Menschen auf die Straße.
Die offene Frage der Machtübernahme
Trotz aller Dynamik bleibt eine zentrale Unsicherheit. Wer übernimmt, wenn das System fällt. Anders als 1979 gibt es keine einheitliche Führungsfigur im Land. Pahlavi genießt Sympathie, aber er führt keine Organisation vor Ort. Die entscheidende Variable bleibt der Sicherheitsapparat. Ohne Abspaltungen bei Militär oder Revolutionsgarden ist ein Umsturz kaum möglich.
Gerade deshalb ist Pahlavis Appell so deutlich. Er versucht, Loyalitäten zu brechen, Scham zu erzeugen und moralischen Druck aufzubauen. Ob das ausreicht, ist offen. Sicher ist nur eines: Die Proteste haben ihren Charakter verändert. Sie zielen nicht mehr auf Korrektur, sondern auf Ablösung.
Iran steht an einem Punkt, an dem jede Eskalation irreversible Folgen haben kann. Für das Regime, für die Region und für Israel, das diese Entwicklungen mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America - Reza Pahlavi, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71742770
Montag, 12 Januar 2026