Blutnächte im Iran: Tausende Tote und ein Regime, das auf die eigene Bevölkerung schießtBlutnächte im Iran: Tausende Tote und ein Regime, das auf die eigene Bevölkerung schießt
Was als Protest begann, ist zu einem historischen Blutvergießen geworden. Innerhalb weniger Nächte sollen im Iran Tausende Menschen getötet worden sein. Das Regime spricht von Lügen. Die Straßen sprechen eine andere Sprache.
Der Iran erlebt einen der dunkelsten Momente seiner jüngeren Geschichte. Nach Berichten des oppositionellen Senders Iran International sollen mehr als 12.000 Menschen während der aktuellen Proteste getötet worden sein, der Großteil davon innerhalb nur zweier Nächte. Auch wenn diese Zahl bislang nicht unabhängig bestätigt werden kann, deckt sie sich in ihrer Dimension mit zahlreichen Augenzeugenberichten, medizinischen Leaks und internen Informationen aus staatlichen Stellen. Selbst vorsichtiger angesetzte Erhebungen zeichnen ein Bild systematischer Gewalt gegen die eigene Bevölkerung.
Bestätigte Zahlen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Activists News Agency sprechen bislang von mindestens 646 Toten seit Beginn der Proteste Ende Dezember. Mehr als 500 von ihnen sollen aktive Demonstrierende gewesen sein, darunter auch Kinder. Hinzu kommen Sicherheitskräfte, zivile Unbeteiligte und eine hohe Dunkelziffer, die angesichts der nahezu vollständigen Informationssperre kaum zu erfassen ist. Über 10.700 Menschen wurden festgenommen, viele von ihnen verschwanden spurlos. Zwangsgeständnisse tauchen bereits in staatlichen Medien auf.
Besonders erschütternd sind die Berichte aus den Nächten von Donnerstag auf Freitag. In mehreren Städten sollen Sicherheitskräfte gezielt in Menschenmengen geschossen haben. Augenzeugen berichten von Scharfschützen, von Motorradeinheiten, die durch enge Gassen fuhren und das Feuer eröffneten. Ein veröffentlichtes Video zeigt einen uniformierten Mann, der von einem fahrenden Motorrad aus auf Demonstrierende schießt. Keine Warnung. Kein Rückzug. Nur Gewalt.
Am Montag verlagerte sich der Protest an einen Ort von symbolischer Wucht. Tausende Menschen versammelten sich auf dem Behesht-e Zahra Friedhof in Teheran, dem größten des Landes. Dort, wo die Opfer begraben werden, riefen sie offen zum Sturz des obersten Führers auf. Sprechchöre kündigten ein Jahr des Blutes an. Familien standen an frischen Gräbern und verwandelten Trauer in Anklage. Dass das Regime solche Szenen nicht mehr vollständig unterdrücken kann, ist ein Zeichen seiner Erosion.
Die Führung in Teheran reagiert mit bekannten Mustern. Internationale Berichte seien erfunden, heißt es. Die Gewalt gehe von Terroristen, ausländischen Agenten und Randalierern aus. Staatlich organisierte Loyalitätskundgebungen sollen Normalität simulieren. Doch diese Rhetorik verfängt immer weniger. Zu viele Bilder, zu viele Namen, zu viele Leichen widersprechen ihr.
Im Zentrum dieser Gewalt steht erneut Ali Khamenei. Seit Jahrzehnten definiert er Macht durch Kontrolle und Angst. Doch die aktuelle Protestwelle unterscheidet sich von früheren. Sie ist breiter, entschlossener, weniger bereit zum Rückzug. Sie speist sich nicht aus einer einzelnen sozialen Gruppe, sondern aus einer Gesellschaft, die ihre Zukunft verloren glaubt.
International wächst der Druck. Deutschland, Frankreich und Großbritannien verurteilten das Vorgehen des Regimes scharf und forderten ein Ende der Gewalt sowie die Wiederherstellung der Kommunikationsfreiheit. Der Zugang zum Internet bleibt dennoch massiv eingeschränkt. Diplomatische Vertretungen reduzieren ihr Personal, einige Staaten raten zur sofortigen Ausreise. Auch die Europäische Union zieht Konsequenzen und beschränkt den Zugang iranischer Diplomaten.
Die Vereinigten Staaten prüfen nach eigenen Angaben verschiedene Optionen, betonen jedoch weiterhin eine diplomatische Präferenz. Gleichzeitig ist klar, dass sich der Handlungsspielraum des Regimes verengt. Jeder weitere Tote schwächt nicht nur die innere Stabilität, sondern auch die internationale Geduld.
Für Israel ist die Entwicklung von höchster Bedeutung. Ein Regime, das bereit ist, massenhaft auf die eigene Bevölkerung zu schießen, ist auch nach außen unberechenbar. Die Geschichte zeigt, dass innere Schwäche in Teheran oft durch aggressive Rhetorik oder Handlungen gegenüber Israel kompensiert wird. Umso genauer verfolgt Jerusalem die Lage. Nicht aus Einmischung, sondern aus existenzieller Notwendigkeit.
Der Iran steht an einem Punkt, an dem sich entscheidet, ob Gewalt die Gesellschaft erneut in Angst zwingt oder ob das Ausmaß des Blutvergießens das System selbst unterspült. Die Proteste halten trotz Abschaltungen, trotz Verhaftungen, trotz Tod an. Das allein ist ein politisches Faktum.
Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis, dass sich hier nicht nur ein Machtkampf abspielt, sondern eine Tragödie. Menschen fordern Würde und bezahlen mit ihrem Leben. Ein Staat, der vorgibt, Moral zu verteidigen, versinkt in Blut. Die Zahlen mögen variieren. Die Realität nicht.
Autor: Redaktion
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Dienstag, 13 Januar 2026