Gefälschte Pässe, Koffer voller Dollar und sexuelle Gewalt: Das Geständnis aus dem Innersten des iranischen MachtapparatsGefälschte Pässe, Koffer voller Dollar und sexuelle Gewalt: Das Geständnis aus dem Innersten des iranischen Machtapparats
Während das Regime in Teheran Härte demonstriert, packt eine junge Frau aus, deren Vater Teil der Unterdrückungsmaschinerie ist. Ihre Worte zerreißen die offizielle Erzählung von Loyalität und Opferbereitschaft und legen offen, wie zerbrechlich die Machtelite wirklich ist.
Die Stimme der jungen Iranerin, die sich selbst Fatemeh nennt, zittert nicht aus Unsicherheit, sondern aus jahrelang unterdrückter Angst. In einem Interview mit dem Exilsender Manoto in London schildert sie eine Realität, die im Iran systematisch verborgen wird. Ihr Vater ist Offizier der Revolutionsgarden, jenes Machtinstruments, das Proteste niederschlägt, Gefängnisse füllt und den Machterhalt des Regimes sichert. Und doch zeigt ihre Aussage vor allem eines: Die Elite glaubt selbst nicht mehr an ihre eigene Zukunft.
Fatemeh berichtet von gefälschten Pässen für die gesamte Familie, ausgestellt unter falschen Namen, bereitgelegt für den Moment der Flucht. Von Koffern voller US Dollar, versteckt im Haus. Von Immobilien im Ausland. Während junge Iraner auf den Straßen geschlagen, inhaftiert und getötet werden, sichern sich ihre Peiniger längst die Ausgänge. Die Loyalität, die von unten eingefordert wird, existiert nach oben längst nicht mehr.
Angst im inneren Machtzirkel
Ihre Aussagen zeichnen das Bild eines Regimes, das von Paranoia geprägt ist. Die innere Schutzschicht um den obersten Führer Ali Khamenei ist nervös, angespannt, vorbereitet auf den Ernstfall. Die Möglichkeit eines militärischen Angriffs von außen verstärkt diese Angst, doch sie ist nicht ihr Ursprung. Die wahre Bedrohung kommt von innen, von einer Gesellschaft, die das Schweigen verloren hat.
Fatemeh war selbst Teil der Proteste. Sie ging auf die Straße, bis sie festgenommen wurde. Als ihre Identität bekannt wurde, kam ihr Vater persönlich, um sie freizubekommen. Doch die Gewalt endete nicht an der Gefängnistür. Zu Hause schlug er sie mit einem Schlagstock, um sie zu brechen. Um sicherzustellen, dass sie nie wieder demonstriert.
Gewalt, Demütigung und sexuelle Übergriffe
Besonders erschütternd sind ihre Schilderungen sexueller Gewalt. Freundinnen seien missbraucht worden, gedemütigt in Haft, benutzt als Mittel der Einschüchterung. Fatemeh spricht nicht aus sicherer Distanz, sondern aus unmittelbarer Nähe. Sie beschreibt einen Vater, der Teil dieses Systems ist und den sie offen hasst. Ihre Worte sind radikal ehrlich, roh, ohne jede politische Verpackung.
Sie erzählt von nächtlichen Gebeten, die ihnen aufgezwungen wurden, von einem religiösen Zwang, der nichts mit persönlichem Glauben zu tun hat. Sie trägt weiterhin den Hijab, sagt sie, doch nicht aus Überzeugung, sondern aus Angst. Der Islam, in den sie hineingeboren wurde, sei ihr nie angeboten, sondern aufgezwungen worden.
Die innere Zerrissenheit treibt sie an den Rand des Lebens. Zweimal versuchte sie, sich das Leben zu nehmen. Zweimal rettete ihre Mutter sie. Das sind keine Randnotizen. Sie zeigen, wie tief die seelischen Verwüstungen reichen, die dieses System selbst in den eigenen Familien hinterlässt.
Ein Regime ohne moralisches Fundament
Fatemehs Entscheidung, öffentlich zu sprechen, ist ein Akt äußerster Gefahr. Sie weiß, dass jedes Wort ihr Leben bedroht. Sie sagt offen, dass ihr Vater sie töten wollte. Dass sie bereits verhört wurde. Dass sie nur durch seine Stellung freikam. Und doch spricht sie weiter. Nicht aus Hoffnung auf Schutz, sondern aus Verzweiflung und Wut.
Ihre Botschaft richtet sich an die iranische Bevölkerung, aber auch an die Welt. Sie warnt davor, den Machthabern Glauben zu schenken. Diejenigen, die heute mit Knüppeln auf Demonstranten einschlagen, haben längst ihre Fluchtpläne in der Tasche. Sie fordert die Sicherheitskräfte auf, die Waffen niederzulegen und sich dem Volk anzuschließen.
Diese Aussagen treffen das Regime an einem empfindlichen Punkt. Sie entlarven den moralischen Bankrott einer Führung, die sich selbst bereichert und absichert, während sie der Bevölkerung Opfer abverlangt. Der Mythos der standhaften Elite zerfällt, wenn die eigenen Kinder beginnen zu sprechen.
Mehr als ein Einzelschicksal
Die Aussage dieser jungen Frau ist kein isolierter Vorfall. Sie ist ein Fenster in die innere Verfassung eines Systems, das nur noch durch Gewalt zusammengehalten wird. Dass solche Stimmen nun an die Öffentlichkeit dringen, zeigt, wie porös die Mauern geworden sind.
Ob es zu einem äußeren Eingreifen kommt oder nicht, ist letztlich zweitrangig. Das Regime in Teheran hat ein inneres Problem, das sich nicht mit Repression lösen lässt. Wenn selbst die Kinder der Täter Zeugnis ablegen, dann ist das kein Zeichen von Stärke, sondern von Verfall.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Khamenei.ir, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=181156152
Freitag, 16 Januar 2026