Interne Ärzteberichte sprechen von über 16.500 Toten nach Niederschlagung der ProtesteInterne Ärzteberichte sprechen von über 16.500 Toten nach Niederschlagung der Proteste
Während Teheran von einigen Tausend Opfern spricht, zeichnen interne Erhebungen iranischer Ärztinnen und Ärzte ein Bild massiver staatlicher Gewalt. Gezielte Schüsse auf Köpfe und Augen, blockierte medizinische Hilfe und Tausende Tote offenbaren ein Ausmaß der Repression, das selbst erfahrene Mediziner sprachlos macht.
Was sich derzeit im Iran abspielt, ist keine gewöhnliche Niederschlagung von Protesten, sondern eine systematische Machtdemonstration eines Regimes, das seine eigene Bevölkerung als Feind betrachtet. Nach internen Erhebungen eines Netzwerks iranischer Ärztinnen und Ärzte sollen mehr als 16.500 Menschen bei der gewaltsamen Unterdrückung der landesweiten Proteste getötet worden sein. Diese Zahl übersteigt sämtliche offiziellen Angaben des Regimes um ein Vielfaches und deutet auf ein Ausmaß staatlicher Gewalt hin, das selbst im repressiven Kontext der Islamischen Republik herausragt.
Die Daten stammen laut einem britischen Medienbericht aus acht großen Augenkliniken sowie 16 Notaufnahmen im ganzen Land. Ärztinnen und Ärzte, die unter hohem persönlichem Risiko arbeiten, nutzten verbotene Satellitenverbindungen, um Informationen zusammenzutragen. Viele der Opfer waren demnach jünger als 30 Jahre, unter ihnen Kinder und schwangere Frauen. Allein in einem zweitägigen Zeitraum sollen tausende Menschen ums Leben gekommen sein, nachdem das Regime den Internetzugang fast vollständig abgeschaltet hatte.
Besonders erschütternd sind Berichte über gezielte Schüsse auf Köpfe, Nacken und Oberkörper. Augenärzte dokumentierten eine ungewöhnlich hohe Zahl schwerer Augenverletzungen. Schrotmunition sei gezielt eingesetzt worden, um Demonstrierende zu blenden. In Teheran behandelte eine einzige Klinik innerhalb weniger Tage tausende Augenverletzungen. Schätzungen zufolge könnten mehrere tausend Menschen dauerhaft erblindet sein.
Noch gravierender sind Hinweise darauf, dass Sicherheitskräfte medizinische Hilfe aktiv behinderten. In einzelnen Fällen sollen lebensrettende Bluttransfusionen verweigert worden sein. Es gibt Berichte, wonach verletzte Demonstrierende direkt aus Operationssälen abgeführt und verhaftet wurden. Viele Menschen wagten aus Angst vor Festnahme gar nicht erst den Gang ins Krankenhaus, was die tatsächliche Zahl der Todesopfer weiter in die Höhe treiben dürfte.
Das Regime selbst räumt inzwischen ein, dass mindestens 5.000 Menschen getötet wurden, darunter auch Angehörige der Sicherheitskräfte. Gleichzeitig versucht Teheran, die Verantwortung auf angebliche bewaffnete Aufständische, ausländische Akteure und Israel abzuwälzen. Besonders in kurdischen Regionen im Nordwesten des Landes kam es zu extremen Gewaltausbrüchen. Die Schuldzuweisungen folgen einem bekannten Muster, das von der eigenen Verantwortung ablenken soll.
Menschenrechtsorganisationen wie HRANA kommen bislang auf niedrigere, aber ebenfalls erschreckende Zahlen. Tausende Todesfälle sind bestätigt, weitere befinden sich in Überprüfung. Mehr als 24.000 Menschen sollen verhaftet worden sein. Die Differenz zwischen offiziellen Angaben, Menschenrechtsdaten und ärztlichen Erhebungen verdeutlicht vor allem eines: Transparenz existiert im Iran nicht mehr.
International bleibt die Reaktion bislang verhalten. Zwar äußerte sich US Präsident Donald Trump zuletzt offen über einen möglichen Führungswechsel in Teheran, doch konkrete Schritte blieben aus. Für viele Iranerinnen und Iraner ist genau das ein bitteres Signal. Die Proteste sind nicht verschwunden, sie sind erstickt worden. Stille bedeutet im Iran nicht Stabilität, sondern Angst.
Aus israelischer Sicht fügt sich dieses Bild nahtlos in die bekannte Realität des Regimes ein. Ein Staat, der bereit ist, tausende eigene Bürgerinnen und Bürger zu töten, blendet und foltert, wird weder durch Appelle noch durch Beschwichtigungen gezähmt. Die systematische Gewalt gegen die eigene Bevölkerung ist kein inneriranisches Problem, sondern Ausdruck einer Ideologie, die auch nach außen destabilisiert.
Die medizinischen Berichte zeigen nicht nur das menschliche Leid, sondern entlarven die Rhetorik des Regimes. Wer gezielt auf Augen schießt, will nicht Ordnung herstellen, sondern abschrecken, brechen und verstummen lassen. Wer Ärztinnen und Ärzte behindert, erklärt selbst das Überleben zum politischen Vergehen.
Der Iran wirkt nach außen ruhig, doch diese Ruhe ist erkauft mit Blut. Die Zahlen der Ärzte legen nahe, dass die Gewalt der letzten Wochen die schlimmsten Repressionswellen seit Jahrzehnten übertrifft. Für die Menschen im Land bleibt die Frage, wie lange die Welt dieses Schweigen noch akzeptiert.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X
Sonntag, 18 Januar 2026