Teheran spricht vom Schicksalskrieg während amerikanische Flotte näher rücktTeheran spricht vom Schicksalskrieg während amerikanische Flotte näher rückt
Die Worte werden schärfer, der Ton aggressiver, die Drohungen offener. Während US-Kriegsschiffe Kurs auf den Nahen Osten nehmen, bereitet sich das iranische Regime rhetorisch auf einen großen Konflikt vor.
Je näher amerikanische Kriegsschiffe der Region kommen, desto deutlicher verändert sich die Sprache der iranischen Führung. In Teheran ist nicht mehr von Warnungen die Rede, sondern von Krieg. Von einem unausweichlichen Endkampf. Von Waffen, die angeblich niemand sonst besitzt.
Die Ankunft des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln im Nahen Osten, begleitet von Zerstörern und Kampfflugzeugen, hat im Machtzentrum der Islamischen Republik eine Reaktion ausgelöst, die weit über diplomische Empörung hinausgeht. Offizielle Vertreter des Regimes sprechen zunehmend offen über einen militärischen Großkonflikt, insbesondere mit Israel.
US-Präsident Donald Trump hatte die Lage selbst öffentlich kommentiert. Eine massive Flotte bewege sich in Richtung Iran, sagte er, betonte zugleich jedoch, dass er einen Krieg vermeiden wolle. Man beobachte Teheran sehr genau. Vielleicht müsse man diese Streitmacht gar nicht einsetzen.
In Teheran wird diese Ambivalenz offenbar anders gelesen.
Kriegsrhetorik statt Zurückhaltung
Mehrere hochrangige Vertreter des iranischen Sicherheitsapparates äußerten sich in den vergangenen Tagen auffallend selbstbewusst. Yahya Rahim Safavi, ehemaliger Kommandeur der Revolutionsgarden und enger Berater des obersten Führers Ali Chamenei, sprach von einer bevorstehenden schicksalhaften Auseinandersetzung mit Israel. Der nächste Krieg werde diesen Konflikt ein für alle Mal beenden, erklärte er.
Andere Militärführer legten nach. Angriffe auf iranisches Territorium würden amerikanische Stützpunkte und Interessen zu legitimen Zielen machen. Man sei auf jedes Szenario vorbereitet, auch auf einen umfassenden Krieg.
Diese Aussagen fallen nicht zufällig. Sie kommen zu einem Zeitpunkt, an dem das Regime international unter Druck steht wie seit Jahren nicht mehr. Die brutale Niederschlagung landesweiter Proteste hat tausende Tote gefordert. Ganze Landesteile leben unter Angst, wirtschaftlicher Lähmung und digitaler Isolation.
Für viele Beobachter entsteht der Eindruck, dass ein äußerer Konflikt für Teile der Führung politisch nützlich sein könnte. Ein Krieg als Ablenkung. Als Mittel, um Massaker im Inneren aus dem Fokus zu drängen. Als Mobilisierungsmoment gegen einen äußeren Feind.
Diplomatie nach außen, Drohung nach innen
Parallel zur militärischen Rhetorik versucht Teheran diplomatisch einen anderen Ton zu wahren. Außenminister Abbas Araghchi beschuldigte die Vereinigten Staaten erneut, Unruhen im Land zu schüren. Ein umfassender Krieg, so schrieb er, wäre chaotisch, brutal und deutlich länger, als Israel und seine Partner es erwarten würden.
Auch diese Worte sind keine Einladung zum Dialog, sondern Teil einer kalkulierten Abschreckung.
Der Kontrast zur amerikanischen Kommunikation ist auffällig. Präsident Trump erklärte in Davos, Iran wolle reden. Er selbst sei bereit zu Gesprächen. Kurz darauf stellte er jedoch erneut klar, dass militärische Optionen jederzeit auf dem Tisch lägen.
Diese strategische Offenheit mag in Washington als Druckmittel gedacht sein. In Teheran scheint sie jedoch als Vorstufe zum Angriff interpretiert zu werden. Das Misstrauen ist tief. Nicht zuletzt, weil israelische Angriffe im vergangenen Jahr ebenfalls während diplomatischer Kontakte stattfanden.
Israel im Zentrum der iranischen Erzählung
In der iranischen Führung gilt Israel weiterhin als zentrales Feindbild. Die aggressive Rhetorik richtet sich nicht nur gegen die USA, sondern bewusst gegen Jerusalem. Die Botschaft ist eindeutig. Sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen, würde Israel nicht nur beteiligt, sondern Hauptziel sein.
Für Israel ist diese Entwicklung hochgefährlich. Denn sie fällt in eine Phase, in der sich die regionale Sicherheitsarchitektur ohnehin im Wandel befindet. Die USA signalisieren langfristig weniger direkte militärische Präsenz. Gleichzeitig bleibt Iran militärisch aktiv über Stellvertreterorganisationen.
Ein direkter Konflikt würde nicht isoliert bleiben. Hisbollah im Norden, Milizen in Syrien und im Irak, Huthi im Jemen. Der gesamte Ring iranischer Einflusszonen wäre betroffen.
Ein Regime unter innerem Druck
Die Schärfe der iranischen Töne lässt sich nicht ohne den Blick nach innen verstehen. Die Proteste Anfang Januar haben das Regime erschüttert. Tausende Menschen wurden getötet, zahllose weitere verschwanden. Die Wirtschaft steht vor dem Kollaps. Inflation, Währungsverfall und ein landesweiter Internetausfall haben ganze Existenzen zerstört.
Viele Iraner berichten, dass Geschäfte schließen, Waren nicht mehr verkauft werden, weil niemand weiß, was sie morgen noch wert sind. Der Staat reagiert mit Repression statt Reform. Konten werden eingefroren, Unternehmen beschlagnahmt, Künstler und Unternehmer eingeschüchtert.
Historisch greift das Regime in solchen Momenten immer wieder auf ein bekanntes Mittel zurück. Konfrontation nach außen, um Kontrolle nach innen zu sichern.
Die gefährlichste Phase
Noch ist kein Schuss gefallen. Doch die Situation ist hochexplosiv. Amerikanische Truppenbewegungen, iranische Drohungen, israelische Alarmbereitschaft. In solchen Momenten entsteht die größte Gefahr nicht aus einem geplanten Angriff, sondern aus Fehlwahrnehmung.
In Jerusalem wächst die Sorge, dass Teheran aus Angst vor einer bereits getroffenen amerikanischen Entscheidung selbst zur Eskalation greifen könnte. Ein präventiver Schlag, um Stärke zu demonstrieren. Ein fataler Irrtum mit weitreichenden Folgen.
Die Worte aus Teheran zeigen, dass das Regime sich mental bereits auf Konfrontation einstellt. Nicht als letztes Mittel, sondern als Option.
Der Nahe Osten steht damit erneut an einer Schwelle, an der Rhetorik zur Realität werden kann. Und in dieser Region hat Geschichte oft gezeigt, wie schnell Worte zu Raketen werden.
Autor: Redaktion
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Sonntag, 25 Januar 2026