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Irans Macht ruht auf Gewalt: Warum das Regime nach Chamenei nur noch auf die Revolutionsgarden setzt

Irans Macht ruht auf Gewalt: Warum das Regime nach Chamenei nur noch auf die Revolutionsgarden setzt


Während Irans oberster Führer im Untergrund Schutz sucht, entscheidet sich die Zukunft des Landes nicht auf der Straße, sondern in den Händen einer bewaffneten Elite. Die Revolutionsgarden sind längst mehr als ein Militär.

Irans Macht ruht auf Gewalt: Warum das Regime nach Chamenei nur noch auf die Revolutionsgarden setzt

Als Irans Revolutionsgarden in diesen Tagen die höchste Alarmstufe ausriefen, wusste in Teheran jeder, was das bedeutet. Nicht das reguläre Militär soll den Staat schützen. Nicht die Regierung. Nicht Institutionen. Sondern jene Organisation, die seit Jahrzehnten als Rückgrat der islamischen Republik fungiert und zugleich ihr größter Fluch ist.

Die jüngsten Massenproteste haben Ali Chamenei mehr erschüttert als jede Drohung aus Washington oder Jerusalem. Als in Irans Städten Menschen gegen das Regime aufstanden, wurde klar, wie brüchig seine Macht geworden ist. In diesem Moment zeigte sich, worauf das System tatsächlich basiert: nackte Gewalt.

Die Revolutionsgarden, in Iran als Pasdaran bekannt, schlugen die Proteste mit extremer Brutalität nieder. Berichte über Erschießungen, Folter, verschwundene Demonstranten und den Einsatz ausländischer schiitischer Milizen zeichnen ein düsteres Bild. Das Regime überlebte nicht durch Zustimmung, sondern durch Angst.

Ein Staat im Staat

Die Revolutionsgarden wurden 1979 gegründet, unmittelbar nach dem Sturz des Schahs. Ihr Auftrag war nie der Schutz des Landes, sondern der Schutz der Revolution. Bis heute sind sie direkt dem obersten Führer unterstellt. Sie unterliegen keiner parlamentarischen Kontrolle, keiner zivilen Aufsicht und keinem rechtsstaatlichen Mechanismus.

Über die Jahre wuchsen sie zu einer parallelen Machtstruktur heran. Mit eigenen Landstreitkräften, einer Luft und Raketenkomponente, Seestreitkräften, einem eigenen Nachrichtendienst sowie der berüchtigten Basidsch Miliz zur inneren Repression.

Doch ihre wahre Macht liegt längst nicht mehr nur in Waffen.

Die Revolutionsgarden kontrollieren weite Teile der iranischen Wirtschaft. Baukonzerne, Energieprojekte, Häfen, Flughäfen, Telekommunikation, Ölhandel und Schattenexporte unter Umgehung internationaler Sanktionen. Millionen Iraner sind direkt oder indirekt wirtschaftlich von ihnen abhängig.

Loyalität wird bezahlt. Schweigen ebenfalls.

Warum Chamenei keine Alternative hat

Der reguläre iranische Staat ist schwach. Die Regierung gilt als austauschbar, die Armee als politisch unzuverlässig. Nur die Revolutionsgarden garantieren dem Regime absolute Gefolgschaft.

Diese Abhängigkeit ist inzwischen total. Nach dem Ende des kurzen Iran Israel Krieges im Sommer 2025 wurde sie noch deutlicher. Trotz militärischer Verluste und offengelegter Schwächen blieben die Revolutionsgarden der einzige Akteur, der handlungsfähig war. Sie schossen Raketen, koordinierten Vergeltung und hielten das System zusammen.

Für Chamenei war das ein Schlüsselmoment. Fehler waren zweitrangig. Entscheidend war Loyalität.

Heute ist diese Beziehung symbiotisch. Der Führer schützt die Privilegien der Garden. Die Garden schützen seine Macht. Fällt einer, fällt der andere.

Die Angst vor dem Tag danach

Doch hinter der Fassade beginnt etwas zu bröckeln.

Innerhalb der Revolutionsgarden gibt es keine offene Opposition, aber sehr wohl Kalkül. Viele ihrer Kommandeure denken längst in Szenarien. Nicht über Reformen, sondern über Überleben.

Was passiert, wenn der Druck aus der Bevölkerung weiter steigt. Wenn Sanktionen die Wirtschaft endgültig lähmen. Wenn die USA militärisch eingreifen. Oder wenn Chamenei stirbt.

In sicherheitspolitischen Kreisen gilt ein Gedanke längst als realistisch: Sollte das Regime in eine existenzielle Krise geraten, könnten Teile der Revolutionsgarden zu dem Schluss kommen, dass der Führer geopfert werden muss, um das System zu retten.

Nicht aus Humanität. Sondern aus Machtlogik.

Ein religiöser Führer ist ersetzbar. Das wirtschaftliche und militärische Imperium nicht.

Gewalt nach innen, Drohung nach außen

Nach außen setzt das Regime weiterhin auf Abschreckung. Raketenprogramme, Drohungen gegen den Persischen Golf, Warnungen vor der Schließung der Straße von Hormus. Gleichzeitig laufen diplomatische Kanäle über Katar und Oman, um Zeit zu gewinnen.

Nach innen jedoch herrscht Ausnahmezustand.

Die Revolutionsgarden sind nicht nur Sicherheitsorgan, sondern Richter, Vollstrecker und Wirtschaftsakteur zugleich. Wer sich ihnen widersetzt, verliert alles.

Viele Iraner wissen das. Genau deshalb ist der Zorn so gefährlich. Experten warnen, dass ein möglicher Zusammenbruch des Systems nicht friedlich verlaufen würde. Zu viele Wunden, zu viel Blut, zu viel Hass haben sich angestaut.

Ein Regime ohne Zukunft, aber mit Waffen

Iran wird heute nicht mehr durch Ideologie zusammengehalten, sondern durch Strukturen der Angst. Der Glaube an die Revolution ist verschwunden. Geblieben ist ein Machtapparat, der gelernt hat, ein ganzes Land gegen seinen Willen zu kontrollieren.

Die Revolutionsgarden sind dabei nicht nur Werkzeug des Regimes. Sie sind das Regime.

Und genau das macht die Lage so explosiv. Denn wenn diese Organisation eines Tages entscheidet, dass der oberste Führer zur Last geworden ist, wird nicht das Volk entscheiden, wie Iran danach aussieht.

Sondern jene Männer, die über Waffen, Geld und Furcht verfügen.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Tasnim News Agency, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=179397290


Mittwoch, 28 Januar 2026

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