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Irans Währung stürzt ab und das Regime verliert die Kontrolle über den Alltag

Irans Währung stürzt ab und das Regime verliert die Kontrolle über den Alltag


Der iranische Rial zerfällt in rasantem Tempo. Innerhalb weniger Monate hat er die Hälfte seines Wertes verloren. Für Millionen Menschen bedeutet das Angst, Armut und den schleichenden Zusammenbruch jeder wirtschaftlichen Sicherheit.

Irans Währung stürzt ab und das Regime verliert die Kontrolle über den Alltag

Innerhalb von nur sechs Monaten hat der Rial rund fünfzig Prozent seines Wertes verloren. Kurz vor dem zwölftägigen Krieg mit Israel im Juni 2025 lag der Wechselkurs noch bei etwa 800.000 Rial pro US-Dollar. Heute liegt er bei über 1,6 Millionen. Damit ist der Punkt erreicht, an dem eine Währung nicht mehr nur schwach ist, sondern ihre gesellschaftliche Funktion verliert.

In weiten Teilen des Landes wird der Rial kaum noch als Maßstab genutzt. Preise für Wohnungen, Autos, medizinische Leistungen oder größere Anschaffungen orientieren sich zunehmend am Dollar. Ersparnisse werden, sofern möglich, in Fremdwährungen oder Gold verschoben. Der Rial existiert noch auf dem Papier, doch im Denken vieler Iraner spielt er keine Rolle mehr. Genau darin liegt die eigentliche Gefahr.

Das Regime versucht seit Jahren, den Wertverfall als Folge von Spekulation, Gerüchten oder kurzfristiger Panik darzustellen. Doch diese Erklärung greift längst nicht mehr. Der Zusammenbruch ist strukturell. Er ist das Ergebnis chronischer Haushaltsdefizite, eines dysfunktionalen Bankensystems und einer dauerhaften Geldschöpfung zur Finanzierung staatlicher Ausgaben. Inflation ist kein Nebeneffekt, sondern Teil des Systems geworden.

Hinzu kommen externe Faktoren, die das Vertrauen weiter zerstören. Sanktionen, politische Isolation, permanente regionale Spannungen und die ständige Kriegsdrohung sorgen dafür, dass jede wirtschaftliche Planung zur Lotterie wird. In einem solchen Umfeld verwandeln sich Erwartungen selbst in Realität. Wer glaubt, dass der Rial weiter fällt, versucht ihn loszuwerden. Genau dadurch beschleunigt sich sein Absturz.

Die Reaktion der Regierung folgt dabei einem bekannten Muster. Statt grundlegender Reformen setzt sie auf Durchhalteparolen. Offizielle Stellen beschwören Stabilität, fordern die Bevölkerung auf, keine Dollar zu kaufen, und erklären, alles sei unter Kontrolle. Doch genau diese Aussagen wirken inzwischen wie Alarmsignale. In einer Gesellschaft, die jahrelang gebrochene Versprechen erlebt hat, erzeugt jede Beschwichtigung neue Panik.

Ein weiteres Mittel sind massive Eingriffe in den Devisenmarkt. Die Zentralbank flutet zeitweise den Markt mit Dollar oder verkauft Goldreserven, um den Kurs kurzfristig zu drücken. Diese Maßnahmen sind teuer, ineffizient und politisch hochproblematisch. Sie begünstigen gut vernetzte Akteure, fördern Korruption und verschieben das Problem lediglich in die Zukunft. Sobald die Intervention endet, folgt der nächste, meist noch stärkere Absturz.

Für die Bevölkerung sind die Folgen brutal. Besonders hart trifft es Menschen mit festen Einkommen. Etwa die Hälfte der iranischen Arbeitnehmer lebt von Löhnen, die mit der Inflation nicht Schritt halten. Jeder Anstieg des Dollarkurses bedeutet realen Kaufkraftverlust. Lebensmittel, Medikamente, Mieten und Transport werden teurer, während das Einkommen gleich bleibt. Millionen Menschen rutschen schrittweise in wirtschaftliche Unsicherheit, ohne Aussicht auf Besserung.

Wohlhabendere Schichten können sich hingegen schützen. Sie tauschen Vermögen in stabile Werte um oder transferieren Kapital ins Ausland. Offizielle Zahlen sprechen von rund 20 Milliarden Dollar Kapitalflucht allein im Jahr 2024. In den Monaten vor dem Krieg 2025 sollen weitere neun Milliarden abgeflossen sein. Angesichts der anhaltenden Krise erscheint ein Gesamtvolumen von bis zu 40 Milliarden Dollar für 2025 realistisch. Dieses Geld fehlt im Land, verschärft die Knappheit und treibt den Dollar weiter nach oben.

Damit entsteht ein Teufelskreis. Je mehr Kapital flieht, desto schwächer wird die Währung. Je schwächer die Währung, desto größer wird der Drang zu fliehen. Zurück bleiben jene, die weder Wissen noch Zugang noch Mittel haben, sich zu schützen. Die soziale Spaltung vertieft sich, während das Vertrauen in staatliche Institutionen weiter zerbricht.

Besonders alarmierend ist die zunehmende informelle Dollarisierung. Wenn Menschen beginnen, ihr wirtschaftliches Leben an einer Fremdwährung auszurichten, verliert der Staat ein zentrales Steuerungsinstrument. Der Rial wird dann nicht nur schwach, sondern überflüssig. Genau auf diesen Punkt steuert der Iran derzeit zu.

Eine Stabilisierung wäre theoretisch möglich, aber politisch kaum denkbar. Sie würde eine grundlegende Kursänderung erfordern. Außenpolitische Entspannung, fiskalische Disziplin, Reform des Bankensektors und vor allem den Wiederaufbau von Vertrauen. Doch genau daran fehlt es. Stattdessen wird die Zentralbank immer stärker zu einem Instrument der Schadensbegrenzung degradiert, das politische Fehler kaschieren soll.

Der Verfall des Rial ist deshalb mehr als ein ökonomisches Problem. Er ist ein Spiegel des inneren Zustands der Islamischen Republik. Eine Währung lebt vom Vertrauen der Menschen. Wenn dieses Vertrauen verloren geht, kann kein Dekret, keine Intervention und keine Propaganda es zurückholen.

Der freie Fall geht weiter. Und während das Regime versucht, Zeit zu kaufen, zahlen die Menschen im Iran jeden Tag den Preis dafür.




Autor: Redaktion
Bild Quelle: Photo by Amir Ghoorchiani: https://www.pexels.com/photo/person-holding-rial-bills-6037021/
Sonntag, 01 Februar 2026

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