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Iranische Gefängnisse: Berichte über Zwangsinjektionen und verdeckte Tötungen häufen sich

Iranische Gefängnisse: Berichte über Zwangsinjektionen und verdeckte Tötungen häufen sich


Während die Welt auf mögliche Verhandlungen blickt, spielt sich hinter den Mauern iranischer Haftanstalten ein systematisches Verbrechen ab. Berichte über Zwangsinjektionen, verschwundene Verletzte und Hinrichtungen in Krankenhäusern zeichnen das Bild eines Regimes, das jede Grenze überschritten hat.

Iranische Gefängnisse: Berichte über Zwangsinjektionen und verdeckte Tötungen häufen sich

Was in diesen Tagen aus Iran berichtet wird, übersteigt selbst das Maß der gewohnten Brutalität des Regimes. Neue Zeugenaussagen, Berichte von Menschenrechtsorganisationen und Recherchen unabhängiger Medien legen nahe, dass in iranischen Gefängnissen eine stille Vernichtungskampagne gegen Demonstranten im Gange ist. Nicht auf offener Straße, nicht vor Kameras, sondern im Verborgenen. In Zellen, Verhörzimmern und sogar in Krankenhäusern.

Die iranische Opposition spricht inzwischen offen von einem zweiten Massaker. Das erste fand vor den Augen der Welt statt, als Sicherheitskräfte in den vergangenen Wochen und Monaten mit scharfer Munition auf Demonstranten feuerten. Das zweite läuft laut Aktivisten nun hinter verschlossenen Türen. Dort, wo keine Kameras filmen, keine Familien Zutritt haben und kein unabhängiger Arzt Untersuchungen durchführen darf.

Im Zentrum der Vorwürfe stehen Zwangsinjektionen an Gefangenen. Zahlreiche ehemalige Inhaftierte berichten übereinstimmend, dass verletzte Demonstranten während ihrer Haft Spritzen mit unbekannten Substanzen erhielten. Was genau verabreicht wird, bleibt unklar. Doch immer häufiger folgen auf diese Injektionen schwere gesundheitliche Komplikationen bis hin zum Tod.

Shiva Mahbubi, ehemalige politische Gefangene und Sprecherin einer Organisation für die Freilassung politischer Häftlinge, fasst die Lage erschütternd zusammen. Ein Massaker habe bereits auf den Straßen stattgefunden. Nun drohe ein weiteres, leises Massaker in den Gefängnissen. Sie und andere Aktivisten sammeln seit Wochen Aussagen von Betroffenen und Familienangehörigen. Das Bild, das sich daraus ergibt, ist eindeutig: Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein Muster.

Demonstranten, die bei Protesten verletzt wurden, werden oft gar nicht erst in Krankenhäuser gebracht. Stattdessen landen sie direkt in Haft. Dort verweigert man ihnen medizinische Versorgung oder behandelt sie mit fragwürdigen Methoden. Mehrere Familien berichten, dass Angehörige nach der Entlassung plötzlich schwere Symptome entwickelten und kurz darauf starben. In vielen Fällen habe es zuvor Spritzen gegeben, deren Inhalt niemand erklären konnte.

Ein besonders schockierender Fall betrifft ein 16-jähriges Mädchen, das nach einer Festnahme in ein Koma fiel. Ärzte fanden Hinweise auf eine Vergiftung. Doch eine unabhängige Untersuchung wurde verhindert. Erst nach Zahlung einer hohen Kaution durfte die Familie das Mädchen aus der Haft holen. Sie liegt noch immer auf der Intensivstation.

In einer anderen Stadt starb eine junge Frau nur einen Tag nach ihrer Freilassung. Wieder gab es Berichte über eine Injektion während der Haft. Ärzte verweigerten aus Angst vor Repressalien jede genaue Auskunft. Angehörige sprechen von Mord.

Doch die Grausamkeit endet nicht in den Gefängnissen. Auch in Krankenhäusern spielt sich offenbar ein entsetzliches Szenario ab. Mehrere Zeugen berichten, dass Sicherheitskräfte verletzte Demonstranten direkt aus Behandlungszimmern entführten. Andere sprechen von gezielten Schüssen auf Verwundete, die bereits auf Tragen lagen. Ein Sanitäter schilderte, wie Patienten, die noch lebten, in Leichensäcke gesteckt und abtransportiert wurden.

Ein besonders erschütternder Bericht stammt aus der Stadt Karadsch. Dort sollen Sicherheitskräfte nach Tagen blutiger Proteste Krankenhäuser abgeriegelt haben. Verwundete Demonstranten seien herausgeholt und später tot aufgefunden worden. Ein Taxifahrer berichtete, er habe gesehen, wie Leichen und Verletzte gemeinsam auf Lastwagen geladen wurden, ohne jede Unterscheidung.

Solche Berichte erinnern fatal an frühere Verbrechen des iranischen Regimes. Schon während der Protestbewegung im Jahr 2022 gab es Hinweise auf ungeklärte Todesfälle nach medizinischen Behandlungen in Haft. Damals warnten Mediziner, dass der Missbrauch von Beruhigungsmitteln oder psychotropen Substanzen schwere Folgen haben könne. Heute scheint diese Praxis in noch größerem Umfang angewendet zu werden.

Das System dahinter ist perfide. Wer bei Protesten verwundet wird, stellt für das Regime ein Problem dar. Lebende Zeugen könnten aussagen, was geschehen ist. Tote hingegen schweigen. Indem Verletzte aus Krankenhäusern geholt oder in Haft zu Tode behandelt werden, beseitigt das Regime systematisch seine eigenen Spuren.

Gleichzeitig versucht Teheran, nach außen den Anschein von Normalität zu wahren. Während iranische Diplomaten über mögliche Gespräche mit den USA sprechen und Verhandlungen andeuten, läuft im Inneren des Landes ein Apparat der Unterdrückung auf Hochtouren. Die Botschaft ist klar: Jede Form von Widerstand soll gebrochen werden, notfalls durch physische Vernichtung.

Die internationale Gemeinschaft reagiert bisher viel zu zögerlich. Zwar werden Menschenrechtsverletzungen verurteilt, doch konkrete Maßnahmen bleiben aus. Genau darauf setzt das Regime. Solange das Töten im Verborgenen stattfindet, glaubt man in Teheran, ungestört weitermachen zu können.

Menschenrechtsaktivisten fordern deshalb dringend unabhängige Untersuchungen, Zugang internationaler Organisationen zu Gefängnissen und Krankenhäusern sowie sofortige Offenlegung der Namen und Aufenthaltsorte aller Inhaftierten. Doch das Regime verweigert jede Transparenz.

Die Lage in Iran ist längst nicht mehr nur ein politischer Konflikt. Sie hat sich zu einer humanitären Katastrophe entwickelt, die mit jedem Tag schlimmer wird. Hinter Gefängnismauern verschwinden Menschen, werden gebrochen, vergiftet oder erschossen. Familien bleiben zurück ohne Antworten, ohne Gerechtigkeit, ohne Hoffnung.

Was derzeit geschieht, ist nicht einfach Unterdrückung. Es ist ein systematischer Feldzug gegen das eigene Volk. Ein Regime, das Angst vor seiner Bevölkerung hat, greift zu immer brutaleren Methoden. Und solange die Welt schweigt, wird das Töten weitergehen.




Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Ehsan Iran - روزی روزگاری اوین - عکسها از وبلاگ خرداد 88 from Flickr, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11716864
Montag, 02 Februar 2026

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