Iran verweigert Stopp der Urananreicherung und testet Washingtons ErnsthaftigkeitIran verweigert Stopp der Urananreicherung und testet Washingtons Ernsthaftigkeit
Während die USA von Teheran „substanziellen Fortschritt“ verlangen, macht die iranische Führung klar: An der Urananreicherung wird nicht gerüttelt. Die jüngsten Gespräche in Oman dienten vor allem einem Ziel: auszuloten, ob Washington wirklich verhandeln will.
Die Islamische Republik Iran hat nach den ersten direkten Kontakten mit der neuen amerikanischen Regierung ein klares Signal gesendet. Die Gespräche in der omanischen Hauptstadt Maskat seien in erster Linie ein Test gewesen, um die Ernsthaftigkeit der Vereinigten Staaten zu prüfen. Gleichzeitig stellte Teheran unmissverständlich klar, dass ein vollständiger Stopp der Urananreicherung nicht zur Diskussion steht.
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, erklärte, das Treffen sei kurz gewesen und habe vor allem dazu gedient, die Absichten Washingtons auszuloten. Man habe jedoch nach den Gesprächen den Eindruck gewonnen, dass es ausreichend Übereinstimmung gebe, um den diplomatischen Prozess fortzusetzen. Diese Worte klingen vorsichtig optimistisch, doch hinter ihnen verbirgt sich ein tiefes Misstrauen, das die Beziehungen zwischen beiden Staaten seit Jahrzehnten prägt.
Aus iranischer Sicht sind die Gespräche kein Zeichen eines Einlenkens, sondern lediglich ein taktischer Schritt. Teheran will herausfinden, ob die USA bereit sind, tatsächlich Kompromisse einzugehen, oder ob erneut nur Druck und Drohungen folgen. Genau an diesem Punkt zeigt sich der Kern des Konflikts: Während Washington eine deutliche Begrenzung des iranischen Atomprogramms fordert, betrachtet die iranische Führung dieses Programm als souveränes Recht und als unverzichtbares Element nationaler Sicherheit.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hat diese Haltung erneut bekräftigt. Ein kompletter Verzicht auf Urananreicherung sei für Iran absolut inakzeptabel. Gespräche könnten sich lediglich darauf konzentrieren, wie die Anreicherung fortgesetzt werden könne, während gleichzeitig Garantien gegeben würden, dass sie ausschließlich friedlichen Zwecken diene. Mit dieser Formulierung schließt Teheran bereits im Vorfeld zentrale Forderungen der USA kategorisch aus.
Auch andere Themen sollen nach iranischer Darstellung nicht Teil der Verhandlungen sein. Das Raketenprogramm sowie die Aktivitäten iranischer Verbündeter im Nahen Osten stünden nicht auf der Agenda. Verhandelt werde ausschließlich über das Atomthema, und dabei werde es bleiben. Für Israel und viele westliche Staaten ist genau diese Trennung jedoch das eigentliche Problem. Sie sehen in den iranischen Raketen und den regionalen Milizen eine ebenso große Gefahr wie im Atomprogramm selbst.
Die amerikanische Seite verfolgt einen deutlich härteren Kurs. Die Regierung von Präsident Donald Trump ließ durch Vertraute verlauten, dass sie von der iranischen Delegation bei der nächsten Gesprächsrunde „bedeutende Substanz“ erwarte. Ein weiteres Treffen sei bereits für die kommende Woche geplant. Trump selbst erklärte öffentlich, Iran wolle einen Deal, müsse aber verstehen, dass bei einem Scheitern der Gespräche sehr ernste Konsequenzen drohten.
Diese Drohkulisse ist für Teheran nichts Neues. Bereits in früheren Jahren setzte Washington auf Sanktionen und maximalen Druck, ohne damit die grundlegende Haltung der iranischen Führung zu ändern. Aus iranischer Sicht haben gerade diese Erfahrungen gezeigt, dass Zugeständnisse an die USA selten zu dauerhaften Ergebnissen führen. Das tiefe Misstrauen gegenüber amerikanischen Versprechen bleibt daher das zentrale Hindernis jeder Einigung.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in Iran durchaus unterschiedliche Töne zu hören sind. Einige Funktionäre deuteten an, Teheran könne bereit sein, einen Teil des hochangereicherten Urans zu verdünnen, falls im Gegenzug sämtliche Sanktionen aufgehoben würden. Doch diese Stimmen bleiben vorsichtig und unverbindlich. Die offizielle Linie, verkörpert durch Araghchi und letztlich durch den obersten Führer Ali Khamenei, ist deutlich restriktiver.
Die Gespräche in Oman fanden in einem heiklen regionalen Umfeld statt. Parallel bereitet sich der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu auf einen Besuch in Washington vor. Der iranische Außenamtssprecher warnte die USA bereits davor, sich von israelischem Druck leiten zu lassen. Washington müsse unabhängig handeln und die Interessen der gesamten Region berücksichtigen, nicht nur die Sicherheitsbedenken Israels.
Hinter dieser Warnung steckt die iranische Sorge, dass jede Annäherung an die USA von israelischer Seite torpediert werden könnte. Für Israel bleibt ein Iran mit weitreichenden militärischen Fähigkeiten und einem fortschreitenden Atomprogramm eine existenzielle Bedrohung. Diese gegensätzlichen Wahrnehmungen machen einen echten Durchbruch in den Verhandlungen äußerst schwierig.
Gleichzeitig versucht Teheran, diplomatisch aktiv zu bleiben. Der Berater des obersten Führers, Ali Larijani, reist in dieser Woche nach Oman und anschließend nach Katar, um weitere regionale Abstimmungen vorzunehmen. Iran möchte damit zeigen, dass es nicht isoliert ist und weiterhin über ein Netz politischer Partner verfügt.
Ob die jüngsten Kontakte tatsächlich zu ernsthaften Verhandlungen führen, bleibt offen. Die bisherigen Aussagen beider Seiten deuten eher auf ein vorsichtiges Abtasten als auf echte Kompromissbereitschaft hin. Für die iranische Führung steht fest, dass sie ihr Atomprogramm nicht aufgeben wird. Für die USA wiederum ist genau dieses Programm der zentrale Druckpunkt.
So dreht sich die Diplomatie erneut im Kreis. Iran spricht von Dialog und Verständigung, verweigert jedoch jede grundlegende Konzession. Washington fordert Ergebnisse und droht mit harten Konsequenzen. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich ein Prozess, der schon oft begonnen und ebenso oft gescheitert ist.
Für Israel und seine Verbündeten bleibt die Lage hochgefährlich. Jede Verzögerung im Atomstreit verschafft Teheran Zeit. Jede Annäherung ohne klare Bedingungen wird in Jerusalem als strategischer Fehler gewertet. Genau deshalb sind die aktuellen Gespräche weit mehr als nur ein diplomatisches Ritual. Sie könnten über die Sicherheitsarchitektur des gesamten Nahen Ostens entscheiden.
Am Ende bleibt vorerst nur eine Gewissheit: Die iranische Führung sieht in der Urananreicherung ein unveräußerliches Recht und ein zentrales Element ihrer nationalen Strategie. Solange diese Grundhaltung unverändert bleibt, wird auch die Kluft zu den Vereinigten Staaten kaum zu überbrücken sein. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Test der Ernsthaftigkeit tatsächlich zu mehr führt als zu neuen gegenseitigen Vorwürfen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Mehr News Agency, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=176677866
Dienstag, 10 Februar 2026