Iran nutzt Epstein-Skandal für Desinformation gegen USA und IsraelIran nutzt Epstein-Skandal für Desinformation gegen USA und Israel
Mit englischsprachigen Botschaften versucht das Regime in Teheran, amerikanische Verschwörungsdebatten zu befeuern. Experten sehen darin einen gezielten Teil des Informationskriegs gegen die USA und Israel.
Iranische Regierungsvertreter und regimenahe Online-Netzwerke greifen zunehmend den Jeffrey-Epstein-Skandal auf, um in den Vereinigten Staaten Misstrauen gegen Regierung und Militär zu schüren. Sicherheitsexperten sehen darin eine gezielte Strategie, um die Unterstützung für amerikanisch-israelische Militäraktionen zu untergraben.
Im Zentrum der Kampagne steht eine Serie englischsprachiger Beiträge, die sich ausdrücklich an ein amerikanisches Publikum richten. Besonders deutlich wurde dies in einer Botschaft von Ali Laridschani, dem Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Iran. In einem englischen Beitrag erklärte er, angebliche Mitglieder des Epstein-Netzwerks würden einen neuen Anschlag ähnlich den Attacken vom 11. September planen und Iran dafür verantwortlich machen wollen. Gleichzeitig betonte er, Iran habe keinen Konflikt mit dem amerikanischen Volk.
In einem weiteren Beitrag griff Laridschani direkt den amerikanischen Verteidigungsminister Pete Hegseth an. Während iranische Führer angeblich „unter dem Volk“ lebten, befänden sich amerikanische Eliten auf „Epsteins Insel“. Die Formulierung knüpft bewusst an eine der bekanntesten Verschwörungserzählungen rund um den Missbrauchsskandal an.
Zielgruppe amerikanische Öffentlichkeit
Die Sprache und Plattform dieser Botschaften sind entscheidend. Sie erscheinen auf Englisch und richten sich damit nicht an die Bevölkerung im Iran. Gleichzeitig ist das Internet im Iran selbst stark eingeschränkt. Laut Beobachtern von NetBlocks dauern umfangreiche Internetblockaden bereits seit mehr als zwei Wochen an.
Diese Kombination deutet darauf hin, dass die Beiträge in erster Linie für ein internationales Publikum bestimmt sind. Besonders angesprochen werden soll die amerikanische Öffentlichkeit, die seit Jahren intensiv über die Epstein-Affäre diskutiert.
Der israelische Sicherheitsforscher David Siman-Tov sieht darin eine klassische Informationsoperation. Seiner Einschätzung nach versucht das iranische Regime gezielt, politische Spannungen innerhalb der Vereinigten Staaten zu verstärken. Wenn sich in der amerikanischen Öffentlichkeit ein Konflikt über die Militärpolitik entwickelt, könnte dies die Unterstützung für den Krieg gegen Iran schwächen.
Informationskrieg als strategische Waffe
Siman-Tov betont, dass solche Kampagnen für moderne Konflikte entscheidend sein können. Militärische Operationen allein würden nicht über den Ausgang eines Krieges entscheiden. Ebenso wichtig sei die Kontrolle über Narrative in sozialen Netzwerken.
Nach seiner Analyse unterscheidet sich die aktuelle Kampagne kaum von früheren Desinformationskampagnen, die während Wahlkämpfen oder internationalen Krisen beobachtet wurden. Offizielle iranische Accounts und mutmaßliche Fake-Profile verbreiten ähnliche Botschaften, die sich gegenseitig verstärken.
Der amerikanische Desinformationsforscher Bret Schafer sieht in der Nutzung des Epstein-Skandals eine besonders wirkungsvolle Strategie. Das Thema habe im Westen eine enorme Aufmerksamkeit. Viele Nutzer stoßen zunächst auf entsprechende Inhalte aus Neugier und gelangen anschließend zu politischer Propaganda.
Nach seiner Einschätzung folgt die Kampagne einem einfachen Muster: Die Verschwörungserzählung dient als Einstieg, während die eigentliche Botschaft darin besteht, Misstrauen gegen Israel und die Vereinigten Staaten zu fördern.
Symbolbilder und manipulierte Inhalte
Auch iranische Staatsmedien greifen das Thema auf. In sozialen Netzwerken verbreiteten regimenahe Accounts ein Bild einer Rakete mit einer Aufschrift, die angeblich den „Opfern von Epsteins Insel“ gewidmet sei. Beobachter gehen davon aus, dass das Bild manipuliert wurde.
Solche Bilder sollen emotionale Reaktionen hervorrufen und gleichzeitig ein moralisches Narrativ erzeugen. Israel wird dabei als Teil eines angeblich korrupten globalen Systems dargestellt.
Der Politikwissenschaftler Omer Yair von der Reichman-Universität erklärt, dass diese Darstellung Teil einer größeren Kommunikationsstrategie sei. Das iranische Regime versuche gezielt, Israel als moralisch kompromittierten Akteur zu präsentieren.
Dabei sei die Argumentation paradox. Während der Iran selbst international wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen kritisiert wird, nutzt das Regime Themen wie sexuelle Ausbeutung oder moralische Korruption, um politische Gegner anzugreifen.
Kampf um Deutungshoheit im Netz
Die iranische Kampagne fällt in eine Phase intensiver militärischer Spannungen zwischen Iran, Israel und den Vereinigten Staaten. In solchen Situationen gewinnen Informationsoperationen eine zentrale Bedeutung.
Ziel ist nicht unbedingt, Menschen vollständig von einer bestimmten Position zu überzeugen. Häufig genügt es bereits, Zweifel zu säen oder politische Debatten zu verschärfen.
Experten warnen deshalb, dass soziale Netzwerke zunehmend zu einem zentralen Schauplatz geopolitischer Konflikte werden. Desinformation, gezielte Provokationen und Verschwörungserzählungen dienen dabei als strategische Instrumente.
Für Beobachter zeigt die aktuelle Kampagne erneut, dass moderne Kriege nicht nur mit Raketen und Drohnen geführt werden, sondern auch mit Narrativen, die sich in Sekunden weltweit verbreiten.
Autor: Bernd Geiger
Bild Quelle: By Mostafameraji - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61339288
Dienstag, 17 März 2026