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Neues Deutschland: Zwischen Lockerbie und Düsseldorf

Neues Deutschland:

Zwischen Lockerbie und Düsseldorf




von Gerrit Liskow

Zu den faszinierendsten Begleiterscheinungen der unheilsamen wirtschaftlichen Gesundung der VEB Deutschland AG gehört deren moralische „Wiedergutwerdung“ (Eike Geisel). Deren Gipfel ist die moralische Gralshüterschaft des kleinbürgerlichen, sich „links“ wähnenden Alternativ-Milieus, das in Stadteilzentren und Bioläden genau die fröhlichen Urstände feiert, die ihm zu wünschen wären.

Die Irren und ihr Irrsinn verdienen einander aber nur bis zu einem Punkt und die organisierte „Palästina“-Solidarität liegt jenseits davon, wenn sie wie die Wacht am Rhein aufpasst, dass die Juden sich nicht schon wieder „schuldig“ machen, durch den „Völkermord an den Palästinensern“.

Die Stellvertreterfunktion, die angeblich unterdrückte Völker für das leidenschaftlich deutsche, unheilbar gesunde Seelenleben der „Links“-alternativen Establishments haben, hat nur fallweise mit der Wirklichkeit außerhalb jener „anderen Politik“ etwas zu tun, die Joschka Fischer auf den Punkt brachte, indem er von den „Opfern der Opfer“ schwadronierte und das deutsche Kollektiv wie in einem rhetorischen Stahlgewitter amalgamierte: im Schulterschluss von rot-braun bis schwarz-grün.

Zuletzt verkörperte sich dieses Amalgam im größten und am besten organisierten, vom Deutschen Bundestag unter Führung der „Links“-Partei ohne eine einzige Gegenstimme moralisch gutgeheißenen Pogrom-Versuch der Gegenwart: der antisemitischen, Pardon: „Israel kritischen“ „Gaza Flottille“. Sie stand in der Kontinuität des RAF Terrors in allen seinen drei Entfaltungsstufen, wo es beiden um die Sache der sogenannten „Palästinenser“ geht. RAF Terror, wie er sich zuletzt im gescheiterten Mordanschlag auf Tietmeyer im September 1988 prototypisch manifestierte.

Birgit Hogefeld wurde ja nun als eine der letzten ihrer Art in den Feierabend, äh: in eine fünfjährige Bewährungsstrafe geschickt und es ist ihr zu wünschen, dass sie ihr Literaturstudium von der Fernuni Hagen einmal bei den Hamburger „Lesetagen ohne Atomstrom“, dafür aber mit Ulrich Wickert, auszuschlachten versteht; das ist der selbe Ex-Tagesthemenmoderator, der sich auf einer gutmenschelnden Großflächenkampagne als Jude zu inszenieren versucht. Aus Gründen, die vielleicht ihm selbst bekannt sind, vermutlich aber vor allem damit zu tun haben, dass er sich moralisch irgendwie unangreifbar machen möchte; wenn’s sein muss, auch auf Kosten Dritter, und es muss anscheinend sein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Wickert

Hogefeld und ihr inzwischen in zweiter Generation im germanisch-depressiven „Politik“-Betrieb etabliertes UnterstützerInnenmilieu (hallo liebe „Grüne“) gehören zu den Säulen der Gesellschaft dieses wiedergutgewordenen Germanys und denken Sie jetzt bitte nicht an ein Gemälde von Otto Dix, liebe Leserinnen und Leser. Nichts verläuft tiefer im Urgrund der deutschen Kontinuitäten von Willem Zwo über Adolf Eins als der Antisemitismus jener konformistischen Revolte gegen hegelianische „Umstände“, die sich mal „die Plutokratien des Westens“, mal „der Imperialismus des Nordens“ schimpfen und die das Spektakel der „links-alternativen“, sich diffus progressiv wähnenden deutschen „Politik“ und ihrer „Bürgerbewegung“ beredt verschweigt.

Die arme Frau Hogefeld, die ja nun auch nichts dafür kann, dass sie mir ausgerechnet in diesem Zusammenhang immer wieder einfällt, war jedoch nicht schon immer so unschuldig wie heute. Sie gehörte nach Ansicht der Justiz im September 1988 zu jenem Kommando Khaled Aker, das sich am 21. September 1988 für den gescheiterten Mordanschlag auf Hans Tietmeyer, einen Beamten aus der Bundesfinanzbehörde, bezichtigte - in einem dieser rabulistischen Schaumgebilde, die damals im UnterstützerInnenmilieu wie Reliquien behandelt wurden, heute allerdings nur noch in Rechtschreibung nach Duden zu haben sind, was wohl dem Zeitgeist geschuldet sein muss:

http://www.rafinfo.de/archiv/raf/raf-20-9-88.php

Das Kommando Khaled Aker ist nach einem „palästinensischen“ Terroristen benannt, der bei einem Angriff der aus dem Süd-Libanon operierenden PFLP-GC auf eine IDF-Basis im Norden Israels am 25. November 1987 ums Leben kam. Man sollte es als das Berufsrisiko eines jeden „bewaffneten Kampfes“ verstehen, dass man dabei auch sterben kann.

Nicht so das deutsche Kleinbürgertum, das sich heute zwischen Bioladen und „Palästina-Solidarität“, Bundestag und „Israel-Kritik“, „Links“-Partei und RAF-Nostalgie zusammenrottet und sich damals wie heute von jeder schnöden Anfechtung durch die Wirklichkeit auf den natürlich nur metaphorischen Schlips getreten fühlt: 1988 gründete die RAF, die Keimzelle jener „Bürgerbewegung“, die sich heute das deutsche Establishment nennt, das Kommando Khaled Aker um sich an den Juden für Auschwitz zu rächen.

Das ist der gesellschaftliche Urgrund, aus dem das emotionale Gesamtkunstwerk des heute wiedergutgewordenen Germanys entsteht. Es gab keinerlei personelle Verbindungen zwischen Khaled Aker und der RAF. Das ganze basierte ausschließlich auf Projektionen, in denen sich die „links“-alternative Szene der 1980er instinktsicher mit der PFLP-GC identifizierte: Beide fühlten sich freiwillig-unfreiwillig von „Juden“ unterdrückt und verfolgt.

Die einen aufgrund der Schuld aus dem Holocaust, wegen der man angeblich „bestimmte Dinge“ noch nicht wieder „so“ sagen durfte, wie man sie sich insgeheim gerne dachte; und nach dem dritten Schnaps dann trotzdem von sich gab. Die anderen aus opportunistischer Opposition gegen den „Juden unter den Staaten“ in jenem bewaffneten Kampf für mehr gesellschaftliche Regression, der eben seine ganz eigenen Risiken mit sich brachte, siehe das Ableben von Khaled Aker.

Die Schnittmenge daraus, aus wahnhaft „anti-imperialistischer“ nationaler Befreiungsideologie à la RAF und antisemitischer Sprengstoff-„Politik“ à la PFLP-GC bildet sich in einem Text der deutschen Indie-Rock Band „Tyske Ludder“ (zu deutsch: Deutsche Nutte) ab. Er lautet wie folgt: 

„Khaled Aker: der kampf, für den es keine grenzen gibt, gegen den staat der gefängnis ist.
die taktik, das mittel der guerillakampf / stirb buback stirb / stirb schleyer stirb / stirb ponto stirb /
allah u akhbar, allah sei groß, allah sei mächtig, allah sei groß / der märtyrertod läßt scheinen ihn mächtig / das große volk wird gedeihen so prächtig / gelobt sei allah“

Der Rest davon ist ebenfalls faszinierend, wenngleich nicht annähernd so kongenial getextet wie die ersten beiden Verse. Man muss sich selbst allerdings schon ein wenig in einen „taz“-Leser hineinversetzen um diese Zeilen wirklich zu goutieren. Ich glaube, dass die aus jedem handelsüblichen RAF-Pamphlet bekannte konsequente Kleinschreibung dabei hilft.

http://sturmgeweiht.de/texte/?lang=de&act=text&band=295&titel=12921

Und hier noch eine Perle aus dem bereits oben zitierten Oeuvre „Khaled Aker“:

„ein heller blitz ein faustschlag die ruhe ist vorbei / zerfetzter körper es beginnt die schlächterei / zerschmettertes wesen es ist die tyrannei / ein blutiges leben geprägt durch schächterei / gelobt sei allah“.

Ei ei ei. Und Schlächterei reimt sich fast wie von selbst auf Schächterei! Nun ist es so, dass man darüber lachen muss, denn sowas ernst zu nehmen, wäre ja blöd. Aber tatsächlich muss man wahrscheinlich nicht nur „taz“-Leser, sondern auch „Künstler“ sein um sich so instinktsicher in die Schnittmenge aus beiderlei antisemitischem Wahnwelten hineinzuversetzen: die ideologische Keimzelle der RAF und ihre geistige Allianz mit der PFLP-GC.

Aus Sicht des damaligen UnterstützerInnenmilieus, mithin des heutigen Establishments, blieb es leider bei einer platonischen Beziehung zwischen der „Linken“ und der „Palästinasolidarität“; es kam nun mal beim deutschen Kleinbürgertum immer das Fressen zuerst und dann die Moral; dagegen hat nicht einmal das Bio-Siegel von Renate Künast viel ausrichten können. Der PFLP-GC andererseits lag jede mimosenhafte Zimperlichkeit der deutsch-„betroffenen“ Brüder in der BRD völlig fern und Zeit zu verlieren mit Betroffenheitsdiskussionen hatte sie sowieso nicht.

Sie gründete eine Filiale und baute Anfang der 80er Jahre zügig eine funktionierende terroristische Infrastruktur auf. Es kam, wie es kommen musste, denn den Diensten blieben die Aktivitäten des deutschen Ablegers der PFLP-GC, der inzwischen auf 34 Mitglieder angewachsen war, nicht verborgen: Bei einer Razzia am 26. Oktober 1988 in Düsseldorf wurden viele Organisierte festgenommen, die meisten von ihnen wurden Tags darauf wieder freigelassen. Hafez Dalkamoni und ein weiterer „Palästinenser“ blieben in Haft. Nicht nur bei der „taz“ weinten sie bitterlich, weil man ihnen das Spielzeug wegnehmen wollte, und schimpften auf den Unterdrücker-Staat.

Inwieweit es zwischen der PFLP-GC und RAF, Japanischer Roter Armee und „Provisorischer“ IRA zu konkreten Absprachen hinsichtlich anstehender „Aktionen“ kam, ist nicht allgemein bekannt; immerhin gab es aus irisch-republikanischer Sicht bis zum Karfreitags-Abkommen auf der Grünen Insel ebenfalls „Besetzte Gebiete“, die nur durch bewaffneten Kampf zu befreien wären – sprich: durch Terroranschläge.

http://212.150.54.123/Articles/pflp-gc1.htm

Was die PFLP-GC allerdings schaffte, waren Planung, Vorbereitung und Durchführung des Attentates auf Pan Am Flug 103, zumindest nach Aussage eines ihrer ehemaligen Funktionäre, der im Zeugenschutz lebt – na raten Sie mal wo? Richtig, Herr Mesbahi lebt in Germany, und von da aus hat er eine Version der Ereignisse präsentiert, die eigentlich recht glaubhaft klingt; jedenfalls glaubhafter, als alles, was man vorher über „Den Libyer“ al-Megrahi erfahren konnte, der 2012 gestorben ist und vermutlich nicht der Alleintäter des Anschlags war, als der er mehr oder weniger zweckdienlich Verurteilt wurde.

Das Panorama, das nun Herr Mesbahi entwirft, ist recht schlicht. Seine Vorgeschichte geht so: Nachdem im Juli 1988 Iran Air Flug 655 von der USS Vincennes abgeschossen wurde, verlangte das Regime in Teheran, damals noch angeführt von Khomeini, nach Satisfaktion. Flugs trafen sich die Schergen des Terrorstaats mit seinen Erfüllungsgehilfen aus Syrien und Libyen (Gaddafi hatte wegen der Bombardierung von Tripolis und Benghazi 1986, bei der seine Töchter ums Leben kamen, mit den Amerikanern auch noch ein Hühnchen zu rupfen) und machten die Sache klar.

http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/terrorism-in-the-uk/10688067/Lockerbie-bombing-was-work-of-Iran-not-Libya-says-former-spy.html

Tatsächlich fanden die Behörden bei ihrer Razzia in Düsseldorf einen mit einem Barometer zum Sprengsatz umfunktionierten Kassettenrekorder der Marke Toshiba (liebe Kinder: es gab damals noch keine iPhones und iPods, schrecklich, nicht wahr, aber wir haben es irgendwie überlebt).

Das beim Anschlag von Lockerbie verwendete Gerät war damit angeblich weitgehend identisch. Außerdem fanden die deutschen Behörden weitere Sprengsätze und Notizen, die auf Anschläge auf insgesamt vier Flugzeuge, darunter Maschinen der Iberia, deuteten; es ist ja nicht so, dass nicht vor dem 9. September 2001 schon Verrückte auf die Idee gekommen wären, mehrere Flugzeuge auf einmal in die Luft zu jagen.

Immerhin hatte die Ursprungsorganisation der PFLP-GC, nämlich „die“ PFLP (ohne GC) bereits am 6. September 1970 vier Flugzeuge entführt, 400 Menschen in ihre Gewalt gebracht und am Ende einer dreiwöchigen Entführungs-Odyssee drei Maschinen gesprengt. Beim WDR kann man auch vierzig Jahre danach noch nicht darüber schreiben, ohne dass man das feuchte Höschen über den heißen Kaffeeatem riecht; und sowas heißt dann auch noch „Stichtag“.

http://www1.wdr.de/themen/archiv/stichtag/stichtag4702.html

Das also ist das emotionale Schmiermittel, das die „Zärtlichkeit zwischen Völkern“ so eingängig macht und dessen Schnittmenge zur vielbeschworenen „Verantwortung vor der Geschichte“ herstellt: Wenn man wegen Auschwitz für die Vernichtung Israels ist; in Ermangelung echter Juden jagt man ersatzweise eben Flugzeuge in die Luft.

Der zivile Arm der „Israel“-Kritik redet sich derweil ein, man hätte es bei dem neuen starken Mullah in Teheran mit einem „gemäßigten“ zu tun, obwohl bis zu Mann und Maus jeder weiß, das der für das Attentat auf die AMIA verantwortlich sein soll.

 

Foto: PAN AM Flug 103 (Foto: By Bruce89 (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons)

 

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Autor: fischerde
Bild Quelle:


Donnerstag, 13 Mrz 2014






Wieder mal ein echter Liskow: Man nehme Fakten aus der RAF-Vergangenheit, mische es mit diversen aktuellen Vorgängen und dämlichen Aussagen diverser Bundespolitiker und anderer Polit-Maulhelden sowie Terrorirsten, blende dabei selektiv jenes aus, was Vernunftbegabte tun (auch in diesem Land mit der vorgeblichen "Wacht am Rhein" - auch so ein Gespenst aus der Verhangenheit), und rühre den ganzen Schmarrn zynisch zusammen. Resultat: Es entsteht ein Zerrbild, das man dann leider beim besten Bemühen nciht mehr ernst nehmen kann, und über diesen "Leisten" wird dann alles gebrochen respektive gerichtet. Das ist ja nicht einmal Satire, Kollege Hendrik kanns entschieden besser.