Wie Israel feindselige Medien entgegnen kann

Wie Israel feindselige Medien entgegnen kann




von Dr. Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Medien spielen eine wichtige Rolle bei der Delegitimierung und Dämonisierung Israels. Ihr Anteil an diesem Prozess kann wissenschaftlich nicht festgestellt werden. Doch mehr als 40% der Bürger der Europäischen Union im Alter ab 16 Jahren glauben, dass Israel ein Nazistaat ist oder denken alternativ, Israel würde einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führen. Es besteht kein Zweifel daran, dass dieses dämonische Image Israels zum Teil durch viele Medien verursacht worden ist.

Offenbar gibt es neben den Medien viele weitere Faktoren, die zur Ausbreitung dieses abgründigen Glaubens geführt haben. Die Araber und die Führungen einiger muslimischer Länder, Politiker, Gewerkschaften, NGOs, verschiedene Kirchenführer, Akademiker, die Palästinenser-Lobby und viele andere spielen eine wichtige Rolle in dem Dämonisierungsprozess. Zu denen, die zum Israelhass beitragen, gehören die Vereinten Nationen und einige der ihr angegliederten Organe wie der UNO-Menschenrechtsrat.

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte haben antiisraelische Medien aus einer einzigartigen Situation das Maximum herausgeholt. Zur Pressefreiheit gehört die Freiheit zu betrügen, zu lügen, (oft extrem) aufzuhetzen und die Freiheit, wesentliche Fakten nach Belieben zu ignorieren. Medien haben die Macht andere unbarmherzig und manchmal brutal zu kritisieren; und doch gibt es wenige Möglichkeiten sie zur Rechenschaft zu ziehen. Es gibt kaum Kontrolle. Die Arbeit ihrer Mitarbeiter unterliegt nur den Regeln zur Selbstregulierung eben dieser Medien. Außer in Extremfällen sind Journalisten niemandem außerhalb ihres Berufszweigs rechenschaftspflichtig.

Reporter können frei wählen, welche Fakten sie in ihren Artikeln erwähnen und welche sie auslassen. Das wird sogar dann gemacht, wenn solches Herangehen zu wichtigen Verzerrungen der Wahrnehmung ihrer Leser führen. Ihre Mittel zu schiefer Darstellung der Information sind, wenn sie denn wollen, fast unbegrenzt. Zusätzlich kritisieren die Medien einander selten, selbst wenn solche Kritik viel größere Verantwortlichkeit unter Journalisten schaffen würde.

Der Kampf gegen die Delegitimierung Israels durch die großen Medien wird hauptsächlich von ein paar wenigen proisraelischen Medienbeobachtungsorganisationen geführt. Medienbeobachtung kann als kritische Untersuchung eines oder mehrerer Medien auf regelmäßiger oder wiederkehrender Grundlage definiert werden. Sie ist in der Regel das Ergebnis der Überzeugung, dass bestimmte Medien einseitig gegen eine Sache eingestellt sind, die die Beobachtergruppe oder ein Einzelner unterstützt. Zu den Medienbeobachtungsaktivitäten gehören die Sammlung, Analyse und Veröffentlichung von Daten.1

Medienbeobachter erfüllen eine wichtige Rolle bei der Offenlegung der Einseitigkeit antiisraelischer Medien. Doch selbst die Bekanntesten unter ihnen wie CAMERA2 und HonestReporting3 erreichen, vergleicht man sie mit dem Publikum der Medien selbst, nur eine begrenzte Zahl Adressaten.

Was den Kampf gegen feindselige Medien angeht, schreibt die Wirklichkeit der freien Meinungsäußerungen innerhalb von Demokratien vor, dass dieser Kampf auf eine differenzierte Weise geführt werden muss. Medienbeobachter können Fehler und Einseitigkeit publik machen und sie können versuchen solche Einseitigkeit mit den Redakteuren der Medien zu diskutieren.

Manche Medienbeobachter entwickeln innovative Lösungen. Im Januar 2014 hängte CAMERA ein drei Stockwerke hohes Werbeplakat an ein Gebäude gegenüber dem Hauptsitz der New York Times auf. Der erste Text lautete: „Würde eine große Zeitung den Nachrichten gegen Israel eine Schieflage geben?“ Der nächste Text fuhr fort: „Fakten falsch darstellen, Schlüsselinformationen auslassen, Schlagzeilen und Fotos verdrehen.“ Darunter stand: „Stoppt die Einseitigkeit. CAMERA.“4 Seitdem hat CAMERA in New York zusätzliche Werbetafeln aufgestellt.

Es gibt eine Grenze für das, was diese Graswurzel-Organisationen tun können. Sie können Medien bloßstellen, aber sie können sie nur unregelmäßig für ihre Einseitigkeit abstrafen. Beispielsweise kann eine Firma sich entscheiden, nachdem sie Beschwerden von Medienbeobachtern erhält, nicht länger Werbung in einem bestimmten Medium zu schalten, das für seine Einseitigkeit bekannt ist. Die Medienbeobachterorganisation braucht das oft nicht direkt in die Hand zu nehmen. Wenn eine ausreichende Zahl ihrer Freiwilligen den Werbenden aus eigener Initiative kontaktiert und sagte, sie würden seine Produkte nicht weiter kaufen, wenn dieser weiter in diesem einseitigen Medium wirbt, dann könnte das Management damit reagieren, dass es die Werbung zurückzieht und sagt, dass man wirbt, um Kunden zu gewinnen und nicht diese zu verlieren.

Es gibt weitere Möglichkeiten Medien entlarven, die erkundet werden sollten. Zum Beispiel könnten Medienbeobachter Journalisten kontaktieren, die verschiedene Medien verlassen haben und sie bitten die internen Machenschaften hinter der Einseitigkeit dieser Medien aufzudecken. Im August 2014 enthüllte Matti Friedman, ein ehemaliger AP-Journalist, öffentlich die verzerrten Methoden des Israel-Büros dieser internationalen Nachrichtenagentur.5 Friedman schrieb später einen weiteren Artikel im The Atlantic mit dem Titel: „What the Media Gets Wrong about Israel“ (Wo sich die Medien bei Israel irren). Dieser Artikel enthüllte, wie AP bewusst Storys berichtete, die Israel in ein negatives Licht stellen und die Entscheidung traf, nicht über sich falsch verhaltende Palästinenser zu berichten.6

Es gibt ein paar andere Journalisten, die bereits dasselbe getan haben. Zum Beispiel veröffentlichte Hans Mol, ein pensionierter Journalist der niederländischen Tageszeitung NRC-Handelsblad, ein Buch über die antiisraelischen Standpunkte der Zeitung. Er schreibt: „In seiner Berichterstattung über Marokkaner, über Muslime und den Islam, über Israel und den Nahost-Konflikt hat das Blatt sich zunehmend auf eine Seite gestellt: zugunsten der Hamas und gegen Israel, zugunsten der Multikulturalisten gegen die Islamkritiker; für das Verdecken und gegen Offenlegung.“7 Journalisten im Ruhestand sind besonders gute Ziele, die man zum Zweck der Offenlegung von Medieneinseitigkeit ansprechen kann, denn sie haben nichts zu verlieren.

Jedes Jahr verleiht HonestReporting seine Dishonest Reporting Awards (Auszeichnung für die unehrlichste Berichterstattung) an diejenigen Medien, die es für besonders betrügerisch hält. Die Hauptempfänger sind Medien, individuelle Reporter spielen eine nachrangige Rolle. 2014 gehörten zu den „Ausgezeichneten“ die New York Times, CNN, Ha’aretz, der Guardian und der Sydney Morning Herald sowie das medizinische Journal The Lancet.8 Eine zusätzliche Option bestünde darin eine jährliche Liste der unredlichsten Reporter aufzustellen, die deren Einseitigkeit ausführlich beschreibt. Es ist weit einfacher die Karriere eines einzelnen Betrügers zu zerstören, als eine Institution wie ein Magazin zu beeinflussen. Würde eine solche Liste geschaffen, könnte die ausführliche, schädigende Aufdeckung einiger weniger Journalisten eine Warnung für andere werden, so dass sie ehrlicher werden.

Es ist aber viel mehr nötig. Die israelische Regierung muss eingreifen und eine Medienstrategie entwickeln. Das sollte innerhalb des Rahmens einer Propagandabekämpfungs-Agentur geschehen, die noch zu schaffen wäre. Die Gründung einer solchen Agentur ist eine absolute Notwendigkeit für die Bekämpfung des enormen Propagandaangriffs auf Israel.9

Erfolgen muss das nicht durch Beschränkung der freien Meinungsäußerung, sondern auf der Grundlage von Bestrafung der Veröffentlichung von Lügen. Israelische Regierungsbeamte können anfangen einseitige Medien bloßzustellen. Sie könnten zum Beispiel am Beginn von Pressekonferenzen die jüngsten bewiesenen Verzerrungen bei einem der anwesenden Medien erwähnen. Israel kann es ablehnen Presseausweise für einseitige Reporter auszustellen, mit dem Hinweis, dass Presseausweise nicht für Nichtreporter – soll heißen häufig Lügende und antiisraelische Aufhetzer – gedacht sind.

All das könnte aber nur ein sehr primitiver Anfang einer Antipropaganda-Agentur sein. Die israelische Armee und die israelischen Geheimdienste sind heute viel fortschrittlicher, als sie das zu Beginn ihrer Aktivitäten waren. Ein ähnlicher Prozess würde bei einer Antipropaganda-Agentur der Regierung ablaufen, sobald diese eingerichtet ist. Ihr Modus Operandi würde sich im Lauf der Zeit stark verbessern.

 

1 Manfred Gerstenfeld/Ben Green: Watching the Pro-Israeli Media Watchers. Jewish Political Studies Review 16, 3-4 (Herbst 2004), S. 33-58.
2 http://www.cameral.org/
3 http://honestreporting.com/
4 Andrea Levin: CAMERA Billboard Campaign Calls out New York Times Bias against Israel. 27. Januar 2014 (www.camera.org).
5 Matti Friedman: An Insider’s Guide to the Most Important Story on Earth. Tablet, 26. August 2016.
6 Matti Friedman: What the Media Gets Wrong About Israel. The Atlantic, 30. November 2014.
7 Hans Mol: Hoe de nuance verdween uit een kwaliteitskrant; NRC Handelsblad neemt stelling tegen Israel. Amsterdam (Bert Bakker) 2011, S. 10. [Niederländisch]
8 The 2014 Dishonest Reporting Awards: Why the Gaza War Correspondents Won. HoenstReporting, 23. Dezember 2014.
9 Manfred Gerstenfeld: How to efficiently fight anti-Israel propaganda? The Jerusalem Postk, 25. November 2015.

 

Erstveröffentlicht bei Heplev

 

Dr. Manfred Gerstenfeld bei haOlam.de (Auswahl):


Autor: joerg
Bild Quelle:


Donnerstag, 12 März 2015









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