Kinder aus Marokko, Jemen und dem Westjordanland gehen in Israel gemeinsam zur Schule

Kinder aus Marokko, Jemen und dem Westjordanland gehen in Israel gemeinsam zur Schule


lDer heute 51 Jahre alte Oded Rose bekam im Alter von 16 Jahren die einzigartige Gelegenheit am kanadischen Pearson College unterrichtet zu werden. Das zweijährige Programm bietet Stipendien und eine exzellente Schulausbildung für Schüler weltweit mit dem Ziel, das prestigeträchtitige Internationale Baccalaureate Diploma zu erhalten – ein international anerkannter Schulabschluss, der von der in Genf ansässigen privatwirtschaftlichen International Baccalaureate (IB)-Stiftung vergeben wird.

Das Pearson College ist Teil der eher wenig bekannten Bewegung „United World Colleges“, ein Netzwerk aus 15 verschiedenen Schulen, das 1962 von einem deutschen Lehrer gegründet wurde mit dem Ziel, Schüler aus aller Welt zu vernetzen und Frieden und Vertrauen zu implementieren und erneute Tragödien wie z.B. den zweiten Weltkrieg zu verhindern.

Oded Rose war zum damaligen Zeitpunkt der einzige Israeli am Pearson College, neben Schülern aus Ägypten, aus Europa, Amerika und Asien und palästinensischen Schülern. Nach seiner Rückkehr und der Absolvierung des Militärdienstes hatte er bereits die Idee, solch eine Schule, die für Frieden und interkulturelle Verständigung steht, in Israel zu gründen. Er arbeitete zwar zunächst 30 Jahre in der israelischen Hi-Tech Industrie, gründete schließlich jedoch vor anderthalb Jahren im Einvernehmen mit dem israelischen Außenministerium und dem Ministerium für Bildung die EMIS, die Eastern Mediterranean International School.

Angesiedelt in Kfar Hayarok, einem landwirtschaftlich geprägtem Jugenddorf zwischen Tel Aviv und Ramat HaSharon, beherbergt das Elitegymnasium momentan 140 Schüler. Diese setzen sich aktuell aus 20% jüdischen Israelis und Arabern zusammen, aus 20% Palästinensern aus arabischen und muslimischen Ländern, sowie weiteren 60% aus verschiedenen Ländern wie Deutschland, Kambodscha, Neuseeland oder Ecuador. Allerdings studieren an der EMIS auch Schüler aus Ländern, die zu Israel historisch eine schwierige Beziehung hatten und haben, wie beispielsweise Afghanistan, Venezuela oder dem Jemen.

Frieden und Nachhaltigkeit
Das Leitmotto der EMIS ist Frieden und Nachhaltigkeit. Es findet sich überall auf dem Gelände wieder - auf Hebräisch, Arabisch und Englisch. Frieden und Nachhaltigkeit durch Bildung? Dies sei einer der Hauptgründe gewesen, sich hier zu bewerben, so eine der Schülerinnen. Das Eliteinternat kombiniert präzise wissenschaftliche Arbeit mit kleinen Klassengrößen, Sport, Zugang zur Bibliothek der Universität von Tel Aviv sowie außerhalb des Stundenplans vorhergesehene Veranstaltungen. Und dies zeigt Wirkung: Einige der Abgänger studieren inzwischen an weltweit renommierten Universitäten wie dem MIT oder der Yale-Universität.

„Inzwischen haben wir mehr als 250 Bewerbungen und dies sogar ohne groß Werbung für uns zu machen“, sagt Maya Kogan, die Direktorin der Auswahlkommission. Lediglich 70 Schüler wurden im vergangenen Jahr genommen. Oded Rose meint, dass für die meisten Schüler nicht in erster Linie entscheidend ist, dass die Schule in Israel liegt, sondern, eine einzigartige Schulausbildung zu erschwinglichen Preisen zu bekommen. Dies mag angesichts des Schulgelds von über 27.000 Euro pro Jahr zunächst merkwürdig klingen, allerdings finanzieren sich ca. 25 Prozent der Schüler gänzlich über Stipendien, weitere 50 Prozent bekommen den Großteil finanziert. Fast alle Schüler erhalten zumindest teilweise finanzielle Unterstützung. Die meisten Schüler bekommen ihre Stipendien vom israelischen Ministerium für Bildung und von privaten Sponsoren gestellt. Da es nicht viele Schulen gibt, die das Internationale Baccalaureate Diploma und gleichzeitig Stipendien anbieten, ist dies für viele eine großartige Option.

Zum Markenzeichen der Schule gehört die Möglichkeit, im Nahen Osten mit Israelis und Palästinensern zusammenleben zu können und dabei gleichzeitig wissenschaftliche und soziale Erfahrungen zu sammeln.

Kein Stempel im Pass
Einige der Schüler waren leider nicht zu Interviews bereit, da sie sich unsicher sind, wie ihre Familie und Freunde daheim reagieren. Andere sind dafür umso redseliger und freuen sich unfassbar teilzunehmen, wie z.B. Muhammed aus dem Jemen. Eigentlich dürfte er gar nicht hier sein, denn Israel und seine Heimat führen keine diplomatischen Beziehungen. Daher ist er über ein Drittland gekommen, um ein Visum zu erhalten. Wenn er nach Hause reist, achten die israelischen Behörden darauf, seinen Pass nicht zu stempeln, damit keine Probleme entstehen.

Lichtblick in der Dunkelheit
Die EMIS, so Rose, ist kein Projekt um Israel zu promoten. Er betont, dass die Idee liege darin, Leute aus verschiedenen Ländern zusammenzubringen und vorgefassten Meinungen entgegenzuwirken. Insbesondere Israelis und Araber haben wenige Möglichkeiten, sich außerhalb des Konflikts zu treffen und einen Dialog zu führen. Wenn sie sich in solch einer Konstellation treffen, sind sie viel mehr Personen als Einwohner verfeindeter Länder. Wichtig war für ihn außerdem, keine bilaterale Institution zu gründen. Nicht Araber und Juden bzw. Israelis und Palästinenser, sondern eine multilaterale Plattform für Austausch: die Schule ist international, es dreht sich nicht nur um den Konflikt.

Momentan hofft Oded Rose darauf, weiterhin Geld auftreiben zu können, um mehr Schulen dieser Art zu gründen. Allerdings stößt dies auch auf kritische Stimmen. EMIS würde auf Kosten der Steuerzahler einigen Auserwählten etwas ermöglichen, wovon die meisten israelischen Schüler nur träumen könnten: kleine Klassen, erstklassiger Unterricht und schneller Aufstieg in die globale Upper Class. Wer später Abgängern solcher Schulen einen Arbeitsplatz anbietet, wird die „normalen“ israelischen Schulabgänger abweisen. Gegner wiederum betonen, dass die Konkurrenz bezüglich der Privatschulen zu spüren sein wird und sich als Konsequenz die Standards des israelischen Schulsystems generell verbessern werden.

Froh, ehrgeizig und engagiert
Der Schülerschaft sei extrem unterschiedlich, sagt Gebri, ein Christ aus Albanien. Aber in gewissen Dingen seien alle gleich: ihre herkömmlichen Schulen zu Hause schienen ihnen zu klein für ihre Vorstellungen und Ziele. Egal, ob hier jemand Politiker, Mathematiker oder Wissenschaftler werden will, sie seien alle interessiert an Politik und aktuellen globalen Themen, an höheren Idealen.

Auf die Frage, wie ihre Tage und Wochenenden aussehen, gibt Miriam, die einen gemischt jüdisch-arabischen Hintergrund hat, lachend eine Antwort: Die Wochenenden seien voll mit Hausaufgaben, alleine nächste Woche habe sie drei Tests. Doch nicht nur das. Neben ihrer akademischen Ausbildung engagieren sich die Schüler in kommunalen Projekten wie beispielsweise bei der Betreuung von afrikanischen Flüchtlingen in Tel Aviv.

Gebri aus Albanien relativert jedoch etwas und schließt mit den Worten: „Neben unserem vollen Stundenplan und all den Projekten bleiben wir trotzdem Menschen, haben Meinungsverschiedenheiten und ab und zu Dramen - wir sind eben Teenager.“
 

 

Times of Israel, 20.2.2016 - Foto: EMIS / Newsletter der Botschaft des Staates Israel in Berlin


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Dienstag, 23 Februar 2016






Eine ähnliche Einrichtung hatte ich im Kopf, als ich 2003 auf Einladung des kommissarischen Direktors von Pigier Zaio nach Marokko fuhr. Was sich dann aber daraus entwickelte, konnte ich nicht mehr beeinflussen. Mir fehlte von Seiten Deutschlands auch die finanzielle Unterstützung. Außerdem hatte der Direktor dieser Schule anscheinend anderes im Sinn. Für ihn wurde ich zu einer Art Attraktion, die bei den Präsentationen für die Schule Schüler für die Schule gewinnen sollte. Und er selbst beschäftigte sich in dieser Zeit selbst mehr mit Heiratsplänen, als mit mir gemeinsam den Ausbau der Schule in Angriff zu nehmen. Schade, dass Herr Naanough diese Chance so verspielt hat. Und ich hatte selbst genug von den mitunter hysterischen Schreien von Schülern, wenn Israel zu einem unserer Gesprächsthemen wurde. Mein unvergessener und innig geliebter Uma Kant hat die damalige Situation besser einschätzen können und wollte mich zurück halten. Ich hätte ihm mehr vertrauen sollen. Dann wäre vielleicht heute mehr aus unseren gemeinsamen Vorstellungen und Träumen geworden. Dieser Schule in Israel wünsche ich von Herzen Erfolge für die Friedensarbeit mit der neuen Generation. Es ist sehr wünschenswert, wenn solche Projekte weltweit an Bedeutung gewinnen und fortgesetzt werden. Bitte dabei auch Afghanistan nicht vergessen. Die Menschen dort leiden noch mehr als in Ländern wie in nordafrikanischen Staaten oder dem Nahen Osten unter den Auswirkungen des Kalten Krieges vor 1989. Mich verbindet mit der israelischen Botschaft ein Besuch Ihrer Festveranstaltung zum 40. Jahrestag der Gründung Israels in Berlin. Mein Mann, Uma Kant, hatte damals eine Einladung erhalten und wir nahmen diese gemeinsam wahr. Mit herzlichen Grüßen Christa Kant