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Syrien: Mit Türkei verbündete Milizen enteignen Kurden in Afrin

Syrien: Mit Türkei verbündete Milizen enteignen Kurden in Afrin


Die Einnahme Ostghoutas durch die syrische Regierung Mitte April hat tausende nun obdachlose Bewohner in einer Reihe Evakuierungen in den von der Opposition kontrollierten Norden vertrieben.

Von Ammar Hamou / Barrett Limoges, Middle East Eye

 

Manche der Vertriebenen sind in den leeren Häusern der in den letzten Monaten vor den nahenden Streitkräften der Türkei und der Freien Syrischen Armee (FSA) aus Afrin geflohenen kurdischen Bewohner einquartiert worden. In den letzten Tagen berichteten mehrere Zeugen aus Afrin sowie vertriebene kurdische Hausbesitzer, die von der Türkei unterstützten Milizionäre würden Privatwohnungen konfiszieren und an neue Bewohner vergeben. Ein kurdischer Kommandeur der FSA in Afrin, der nicht genannt werden wollte, bestätigte die jüngsten Berichte über die Beschlagnahmung von Wohnungen und deren Weitergabe an arabischen Familien. ‚Als kurdischer Teil [der FSA] wehren wir uns mit aller Macht dagegen‘, so der Kommandeur Syria Direct gegenüber. ‚Doch sind wir in der Minderheit.‘

 

Die Türkei begann im Januar mit ihrer mit rund 25.000 FSA-Aufständischen abgestimmten Operation Olivenzweig. Das erklärte Ziel bestand in der ‚Ausschaltung von Terroristen‘ in Afrin. Zuvor wurde Afrin überwiegend von der Demokratischen Einheitspartei Kurdistans (PYD) und ihrem militärischen Flügel, den zu den von den USA unterstützten Demokratischen Kräften Syriens (SDF) gehörenden Volksverteidigungseinheiten (YPG), kontrolliert. (…) Infolge der türkischen Militärkampagne sind mehr als 137.000 Bewohner Afrins aus ihren Städten und Dörfern vertrieben worden. Ganze Nachbarschaften sind unbewohnt und tausende Häuser sind ohne Schutz vor Plünderungen und illegalen Enteignungen, so Sara Kiyyali, eine Syrienexpertin bei Human Rights Watch. (…)

Berichte, denen zufolge Bewohnern die Rückkehr nach Afrin verwehrt worden sei und Wohnungen dort fortlaufend ausgeraubt und umverteilt würden, wecken Befürchtungen vor einer demographischen Umstrukturierung und bittere Erinnerungen an die schwierige Geschichte der Kurden in Syrien. Ein Jahr bevor die Baath-Partei 1963 an die Macht kam, raubte eine landesweite Volkszählung tausende Kurden ihrer Staatsbürgerschaft und klassifizierte sie als ‚Ausländer‘, die stets eine rote Karte bei sich tragen müssten. Als der Aufstand vor sieben Jahren begann, waren von diesem Status als Einwohner zweiter Klasse noch schätzungsweise 300.000 Kurden betroffen. Zu Vertreibungen kam es auch unter Hafez al-Assad, dem Vater des jetzigen Präsidenten. In den 1970er Jahren siedelte er tausende arabische Familien auf Land an, das Kurden geraubt worden war, und verbot im Rahmen seiner Arabisierungspolitik das Unterrichten der kurdischen Sprache. Ähnliche Maßnahmen zur Unterdrückung der kurdischen Sprache und Autonomie gab es auch nördlich der Grenze in der Türkei, von denen etliche bis heute fortgesetzt werden. (…)

 

Die Kommunalbehörde schätzt, dass ungefähr 50.000 Menschen aus anderen Teilen Syriens in Afrin Zuflucht gefunden haben, und geht davon aus, dass diese Zahl in den kommenden Wochen angesichts der neuerlichen Gewalt und der Verhandlungen über Evakuierungen aus dem nördlichen Homs und dem Lager in Yarmouk weiter zunehmen wird. Mit der Zahl der Vertriebenen wächst auch der Druck, die tausenden von Kurden verlassenen leeren Wohnungen in ganz Afrin neu zu belegen.

 

 

Übersetzt von MENA Watch - Foto: Blick auf den Süden Afrins (Foto: By Bertramz [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], from Wikimedia Commons)


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Samstag, 05 Mai 2018






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