Blaukäppchen - ein Soldat erzählt von den Kindern am Gazastreifen

Blaukäppchen - ein Soldat erzählt von den Kindern am Gazastreifen


Er dient an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen: Yahya Mahamid, ein arabisch-muslimischer Soldat, schreibt seine Beobachtungen auf, wie es ist, auf die Randalierer zu starren, die die Hamas ermutigt hat die Grenze zu durchbrechen. Diese Krawalle finden seit März 2018 statt.

Von Yahya Mahamid, Lay of the Land

Ich sitze mit dem Rücken zur Metall-Barriere, nehme mir eine Sekunde Zeit um meinen Helm zu richten, als ich plötzlich einen lauten Knall gegen die Barriere höre.

Es hat begonnen. Die wöchentlichen Freitags-Krawalle an der Gaza-Grenze.

Ich richte meine Kevlarweste, atme tief ein und stehe auf, um einen Blick auf die andere Seite zu werfen – während ich die ganze Zeit versuche so viel von meinem Körper wie möglich in Deckung zu halten.

Ich bin geschockt von dem, was ich sehe: Mütter, die Hand in Hand mit ihren Kindern unterwegs sind. Ja, das sind Kinder, nicht älter als 10 bis 13 Jahre, die zu den wöchentlichen Protesten kommen, als wäre das eine normale Freitagsaktivität.

Unsere Befehle sind klar. Respekt für Menschenleben und die Reinheit unserer Waffen. Das ist nicht neu – immerhin ist das der IDF-Ethikkodex, den wir befolgen und so haben wir immer agiert.

Ich nehme mein Scharfschützen-Zielfernrohr und beginne die Menge nach irgendetwas abzusuchen, das verdächtig nach Bomben und Schusswaffen aussieht. Als ich durch mein Fernrohr sehe, beginne ich den vertrauten Geruch von verbrannten Reifen wahrzunehmen. Ich weiß, dass bald Tränengas folgen wird, also setze ich meine Gasmaske auf und betrachte den Wahnsinn, der sich vor meinen Augen versammelt.

Die Erwachsenen, ich nehme an die Mütter und Väter, sitzen auf dem grasgrünen Hügel und genießen kalte Getränke und Imbisse, während ihre Kinder in Richtung Sicherheitszaun rennen, Steine und alles Mögliche, das sie in die Hände bekommen können, auf uns Soldaten werfen.

Grauen im Gazastreifen: Welche Eltern ermutigen ihre eigenen Kinder sich in Gefahr zu begeben?

Ein Felsbrocken trifft die Barriere.

Ich gehe in Deckung, nachdem ein weiterer Felsbrocken die Barriere trifft. Ich hätte schwören können, dass diese Felsbrocken fast so schnell fliegen wie meine Kugel. Ich reichte meine Schutzbrille und werfe einen kurzen Blick hinüber; wir können es uns nicht leisten, dass die Sicherheitsbarriere beschädigt wird. Das könnte katastrophale Folgen haben.

Die Gewalt eskaliert.

Ich stehe wieder auf, um einen Blick auf die Menge zu werfen, die ein Hasstumor auf Steroiden anwächst und plötzlich höre ich eine Explosion. Ich sehen wieder durch mein Zielfernrohr, während ich durch die schwarze und graue Masse sehe.

Ich sehe ihn.

Er sitzt, gekleidet mit einem blauen Kapuzenpullover, sieht direkt zu mir. Ich betrachte ihn durch mein Zielfernrohr, um einen genaueren Blick zu haben und er sitzt einfach da, sieht mich direkt an, als starre er in meine Seele. Er ist nicht älter als zehn Jahre.

Ich werde seinen Gesichtsausruck nie vergessen, als hätte er eine Million Fragen im Kopf, so wie er nicht auf das Geschrei, Tränengas, verbrannte Reifen und die elektrisierte, von Hass erfüllte Atmosphäre reagiert.

Er sitzt einfach da, schaut mich an, als wolle er mich fragen: „Wann wird dieser Wahnsinn aufhören?“

Ich sehe ihn an, winke und gebe ihm ein OK-Zeichen, in der Hoffnung meinen ersten Freund im Gazastreifen zu finden.

Vielleicht kann aus diesem Hässlichen etwas Positives entstehen.

Er steht auf und schenkt mir ein unschuldiges Lächeln und winkt. Ich lächle zurück. Eine weitere Bombe folgt sofort danach – diesmal über uns und wir bekommen die Anweisung uns in Deckung zu begeben.

Ich sehe ihn nicht wieder, aber ich hoffe, die Lage wird sich für uns beide eines Tages bessern.

Ich nennen ihn Blaukäppchen.

Über den Autor: Yahya Mahamid ist ein ehemaliger Lehrender für Stand With Us. Dieser nach eigenen Angaben „muslimisch-arabische Zionist“ dient derzeit in der IDF.

Freitags-Wahnsinn: Typischer Freitag mit Jugendlichen, die von der Hamas dazu gedrängt werden so nahe wie möglich an den Grenzzaun zu gelangen.

 

Übersetzt von Heplev

 


Autor: Heplev
Bild Quelle:


Sonntag, 28 April 2019









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