Die fast perfekte Manipulation: Israel zukünftiger Verbrechen beschuldigen

Die fast perfekte Manipulation:

Israel zukünftiger Verbrechen beschuldigen


Der aus dem Amt scheidende französische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Gérard Araud, ist ein längjähriger Hetzer gegen Israel und gerissener Anwender antisemitischer Anschuldigungen.

Von Dr. Manfred Gerstenfeld

In einem Abschiedsinterview mit dem Atlantic sagte er, Israel werde die Palästinenser entweder komplett staatenlos oder zu israelischen Staatsbürgern machen müssen. Er fügte an: „Sie werden sie nicht zu israelischen Bürgern machen. Also werden sie es amtlich machen müssen, was heißt, dass wir die Lage kennen und die ist eine Apartheid. Es wird offiziell zum Apartheidstaat werden. Faktisch ist es das schon.“[1]

Dass das semantisch armselig ist, ist eine Randerscheinung. Arauds clevere Manipulation nutzt eine Anschuldigung über das, was in der Zukunft geschehen könnte. Das ist extrem schwierig zu widerlegen. Beschuldigt man jemanden, indem man sagt: „Du bist ein Vergewaltiger“, dann mag ein Beweis erforderlich sein. Sagt man jedoch: „Du wirst ein Vergewaltiger sein“, muss nichts bewiesen werden. Nur mit dem Tod des Beschuldigten wird voll klar werden, dass die hasserfüllte Anschuldigung falsch war. Indem er in seiner Anschuldigung betont, dass Israel in der Zukunft zum Apartheidstaat werden wird, konnte Araud nebenbei als Bemerkung einwerfen, dass Israel aktuell bereits ein solcher Staat sei.

Eine der wenigen Optionen, um Anschuldigungen über das Begehen von Verbrechen in der Zukunft gegenzusteuern, besteht darin die Person zu untersuchen, die die Manipulation betreibt. Ein französischer Botschafter sollte zu den letzten gehören, die Israel Apartheid vorwerfen. Nach Frankreichs Niederlage gegen die Deutschen 1940 und dem folgenden Waffenstillstand beendete das gewählte Parlament der französischen Dritten Republik deren Bestehen, indem sie Philippe Pétain zum Staatschef ernannten, der Allgewalt bekam. Die folgenden Regierungen machten aus Frankreich ein Land, das weit schlimmer als ein Apartheidstaat war. Vichy-Frankreich, noch autonom, verbannte Juden aus vielen Berufen, darunter im öffentlichen Dienst. Danach beschlagnahmte es jüdische Unternehmen. Es hielt zehntausende jüdischer Flüchtlinge in Konzentrationslagern. Das Vichy-Regime übergab viele zehntausende Juden den Deutschen, die sie dann in den Tod deportierten.

Es gab im Krieg massive Kollaboration zwischen den Franzosen und den Deutschen. Nach dem Krieg wollten französische Regierungen keine Verantwortung für das Tun Vichys übernehmen. Das war so, obwohl Pétain legal an die Macht gekommen war. Der sozialistische Präsident François Mitterand, 1981 bis 1995 im Amt, war ursprünglich ein Vichy-Mitarbeiter. Er wechselte die Seiten und schloss sich 1942 der Résistance an. Damit war Mitterand sich der Verbrechen Vichys durchaus bewusst. Er lehnte es trotzdem ab Frankreichs Verantwortung dafür anzuerkennen.

Erst 1995 unter Jacques Chirac, Mitterands Mitte-Rechts-Nachfolger als Präsident der Fünften Französischen Republik, änderte sich die Politik des Landes plötzlich. Am 16 Juli 1995 gestand Chirac Frankreichs Rolle bei der Ermordung der Juden ein, die es nicht beschützt und stattdessen ihren Henkern ausgeliefert hatte. Bei einer Gedenkfeier sagte er, dass Frankreich den Nazis Hilfe bei der Verhaftung von Juden als Schritt auf dem Weg zu ihrer Ermordung gab. Er fügte hinzu: „Wir haben ihnen gegenüber eine untilgbare Schuld.“[2]

Die jüngste Hetze Arauds gegen Israel kommt viele Jahre nach der ersten. Freddy Eytan, ein ehemaliger israelischer Botschafter, der derzeit beim Jerusalem Center for Public Affairs aktiv ist, erinnerte an früheres Fehlverhalten Arauds. Dieser war 2003 bereits als Botschafter in Israel bestellt, hatte aber seine Referenzen noch nicht vorgelegt, als er sagte: „Sharon ist ein Verbrecher und Israel ist paranoid.“ Das kostete ihn beinahe den Job.[3]

Yassir Arafat starb 2004 in einem französischen Krankenhaus. Frankreich erwies ihm militärische Ehren. Damals war bereits bekannt, dass Arafat – nachdem er Nobelpreisgewinner wurde – persönlich die Dokumente unterschrieb, wie viel Geld einzelne palästinensische Mörder von Israelis erhalten sollten. Diese Dokumente wurden gefunden, nachdem das Orienthaus, der ehemalige Sitz der PLO in Jerusalem, 2001 von Israel besetzt wurde.[4]

Araud war damals Botschafter in Israel. Er äußerte, dass es in Israel eine antifranzösische Neurose gebe.[5] Neurose ist eine Art Geistesgestörtheit, aber tatsächlich hatten diese Israelis, die das extreme Fehlverhalten einer französischen Regierung offenlegten, die einem Massenmörder an Israelis Ehren erwiesen, sehr viel gesunden Menschenverstand.

Nach heftiger Kritik an seinen Äußerungen im Atlantic erklärte Araud in Tweets, dass er sich auf die Westbank bezog, nicht auf Israel, das kein Apartheidstaat sei. Vergleicht man jedoch diese Tweets mit seinen Äußerungen in dem Interview, dann passen sie nicht zusammen. Seine Erklärung macht einfach keinen Sinn.

Arauds Äußerungen in dem Interview schließen sich verschiedenen anderen Paradigmen verbaler Dämonisierung an, die auf Anschuldigungen zu zukünftigem kriminellen Handeln gründen.[6] Eine davon lautet, dass Israel vor hat die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg zu zerstören.[7] Nadav Shragai, ein israelischer Journalist, der auf die Geschichte des palästinensisch-israelischen Konflikts mit Blick auf Jerusalem spezialisiert ist, sagt: „Diese Falschmeldung wird von führenden palästinensischen, arabischen und muslimischen Gruppen und Einzelpersonen verbreitet. Haddsch Amin al-Husseini, vor dem Krieg Großmufti von Jerusalem, war der erste, der in den 1920-er Jahren diese Verleumdung propagierte. Es war Teil der enormen antisemitischen Aktivitäten dieses Verbündeten Hitlers.“

Shragai fügte an: „Die Lüge ‚Al-Aqsa ist in Gefahr‘ ist 1967 massiv ausgebaut worden. Sie wird von offiziellen iranischen Quellen propagiert – Al-Qaida, Hama, Hisbollah usw. Ikrama Sabri, ehemaliger Mufti von Jerusalem, ernannt von der palästinensischen Autonomiebehörde, ist ein weiterer führender Verbreiter der Al-Aqsa-Verleumdung.“[8]

Eine weitere Anschuldigung zu zukünftigen Taten, die Israel begehen wird, wurde vom deutschen Literatur-Nobelpreisträger Günther Grass erhoben. Er behauptete in einem Hass-Gedicht – ohne irgendwelche Beweise vorzulegen – Israel wolle mit Atombomben Völkermord am iranischen Volk begehen. Dieser linke Dichter, in seiner Jugend Mitglied der Waffen-SS, muss gewusst haben, dass die Führer des Iran Israel mit Völkermord drohen. Trotzdem suggeriert er das Umgekehrte.

Grass‘ Gedicht wurde von großen europäischen Tageszeitungen veröffentlicht, darunter der deutschen Süddeutsche Zeitung,[9] der italienischen La Republicca,[10], dem britischen Guardian,[11], der spanischen El País,[12], der dänischen Politiken[13] und der norwegischen Aftenposten.[14] Derart ausgedehnte Veröffentlichung ist für ein Gedicht so außergewöhnlich, dass das nur mit den antiisraelischen Einstellungen der Herausgeber der Zeitungen erklärt werden kann.[15]

Vom rechten ehemaligen Premierminister François Fillon wurde ein weiterer haltloser Vorwurf erhoben. 2014 behauptete er, dass Israel eine Bedrohung des Weltfriedens sei. Er formulierte diese Lügengeschichte mit der Aussage, Israel stelle eine solche Bedrohung dar, weil es nicht half einen Palästinenserstaat zu schaffen.[16]

Alle oben angeführten Anschuldigungen sind weit schwieriger zu bekämpfen als Lügen über zeitgenössische Dinge. Das bedeutet aber nicht, dass man es nicht versuchen sollte.

[1] www.theatlantic.com/politics/archive/2019/04/conversation-outgoing-french-ambassador-gerard-araud/587458/

[2] Discours du President de la Republique, M. Jacques Chirac, lors des ceremonies commemorant la grande rafle des 16 et 17 juillet 1942 (Rafle du Vel’d’hiv). Paris, 16. Juli 1995, http://www.ambafrance-us.org/news/statmnts/1998/wchea/vel2.asp.

[3] http://jcpa-lecape.org/la-diplomatie-francaise-deraille-aveuglee-par-la-nostalgie-du-levant/

[4] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/15297

[5] http://www.worldjewishcongress.org/en/news/french-ambassador-to-israel-criticizes-quot-anti-french-neurosis-quot

[6] https://www.jpost.com/Israel-News/French-envoy-summoned-after-ambassador-to-US-calls-Israel-apartheid-state-588263

[7] Nadav Shragai: The “Al-Aksa is in Danger” Libel: The History of a Lie. Jerusalem (Jerusalem Center for Public Affairs) 2012.

[8] Manfred Gerstenfeld, Interview mit Nadav Shragai: Libel: Israel Intends to Destroy the Al-Aksa Mosque, Israel National News, 16. Oktober 2013.

[9] Günther Grass: Was gesagt werden muss. Sueddeutsche.de, 10. April 2012.

[10] Günter Grass: Quello che deve essere detto. La Repubblica, 4. April 2012; Ugo Volli: Poesia dedicata a Günter Grass; Andrea Tarquini: Una poesia contro Israele, l’ultima provocazione di Grass Le sue atomiche una minaccia; Adriano Prosperi: Se la storia viene capovolta in un brusio di responsabilità, Informazione Corretta, 4. April 2012.

[11] Günter Grass: What Must Be Said. The Guardian, 5. April 2012.

[12] Günter Grass: Lo que hay que decir. El Pais, 4. April 2012.

[13] Dokumentation: Læs Günter Grass’ digt. Politiken, 7. April 2012.

[14] Günter Grass: Det som må sies. Aftenposten, 8. April 2012.

[15] Manfred Gerstenfeld: Part-Time Anti-Semites. Israel National News, 23. April 2012.

[16] Vote sur la “Palestine Fillon: ‘Israël menace la paix mondiale.’” Le Monde Juif, 16. November 2014.

 

Heplev


Autor: Dr. Manfred Gerstenf
Bild Quelle:


Dienstag, 28 Mai 2019