Wie ein israelischer Soldat die Drohne erfand

Wie ein israelischer Soldat die Drohne erfand


Kurz nach dem Sechs-Tage-Krieg im Jahr 1967 hatte Ägypten eine hohe Barriere an der Grenze zu Israel errichtet.

Von Ulrich W. Sahm

Den Israelis war es demnach unmöglich zu wissen, was militärisch hinter der Schutzmauer vor sich ging. Zunächst schlug ein IDF-Offizier vor, eine Plattform auf Panzern zu bauen. Dies funktionierte auch für eine Zeit, bis ägyptische Scharfschützen die Hochstände aufs Korn nahmen. Nach dieser verheerenden Niederlage erinnerte sich der Soldat Shabtai Brill an einen Kurzfilm, den er zuvor in Tel Aviv gesehen hatte. Es handelte sich um einen kurzen Bericht über einen jüdischen Jungen in den USA, der ein Spielzeugflugzeug als Geschenk für seine Bar Mitzvah erhielt, das per Fernbedienung gesteuert werden konnte. Ihm kam der Gedanke, dass man eine Kamera daran befestigen könnte, um es möglicherweise über den Suezkanal fliegen zu lassen und dort den Feind auszuspähen. Mit dieser Idee wurde die erste Drohne erfunden.

Bei einem Erstflug im Juli 1967 wurden ägyptische Positionen ausgespäht

Innerhalb weniger Monate erhielt Brill von seinen Vorgesetzten die Genehmigung drei Spielzeugflugzeuge, sechs Fernbedienungen und fünf Motoren sowie Ersatzreifen und Propeller zu kaufen. Da Spielzeugflugzeuge in Israel zu diesem Zeitpunkt noch nicht verfügbar waren, ging ein Mitglied der israelischen Verteidigungsdelegation in New York zu einem Spielzeugladen in Manhattan und kaufte die Ausrüstung. Er schickte es anschließend mit dem Gepäck von Diplomaten der Botschaft nach Israel zurück, um unerwünschte Fragen zu vermeiden. Die Spielzeuge wurden mit deutschen 35 Millimeter Kameras ausgestattet, welche alle 10 Sek. automatisch Bilder machten. Der Erstflug fand am 7. Juli 1969 statt. Das Ziel war es, ägyptische Militärstützpunkte in der Nähe von Ismailia auszuspionieren.

Erfindung hätte möglicherweise den Überraschungs-Krieg 1973 verhindern können

Einige Wochen später wurde Brill in eine andere Position versetzt und sein Projekt wurde eingestellt, obwohl der Soldat den militärischen Geheimdienst anflehte, es am Leben zu erhalten. Er warnte vor den verheerenden Folgen, welche sich nur wenige Jahre später als wahr erweisen sollten. Am 6. Oktober 1973 startete das ägyptische Militär einen Überraschungsangriff an dem jüdischen Feiertag Jom Kippur und marschierte praktisch ohne Widerstand durch die Sinai-Halbinsel. Mehr als 2.000 israelische Soldaten wurden bei dem Manöver getötet. „Hätten wir weiterhin Fotos von dem gemacht, was nur drei Meilen jenseits des Kanals geschah, so hätten wir gesehen, wie die ägyptischen Panzer, Brücken und Ausrüstungen zusammengezogen wurden und wir hätten verstanden, dass sie sich auf den Krieg vorbereiten“, sagte Brill. Der militärische Geheimdienst erkannte seinen Fehler, staubte Brills alte Pläne ab und wandte sich an lokale Verteidigungsunternehmen, um mit der Entwicklung eines leichten unbemannten Luftfahrzeugs (UAV) zu beginnen. Es sollte noch Jahre dauern, bis der israelische Entwurf einsatzbereit war, aber dank des Spielzeugflugzeugs von 1969 wurde die Drohne bald unabdingbar für das israelische Militär. Heute gibt es in der IDF praktisch keine Operation, die nicht den Einsatz von mehreren Drohnen beinhaltet.

 

Erstveröffentlicht bei Fokus Jerusalem - Zweitveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors / Foto: Ein ferngesteuertes Flugzeug wird im Juli 1967 über den Suezkanal gesendet


Autor: Ulrich W. Sahm
Bild Quelle: Shabtai Brill


Mittwoch, 03 Juli 2019









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