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Warum Israelis ihr 9/11 nie vergessen haben

Warum Israelis ihr 9/11 nie vergessen haben


Viele Amerikaner sind in Sachen Terrorismus in eine Mentalität vom 10. September 2001 zurückgesunken. In den Gemütern der Israelis hingegen ist der Horror der zweiten Intifada immer noch sehr stark vorhanden.

Von Jonathan S. Tobin, JNS.org

Am 18. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 gedachten Regierungsvertreter und Institutionen überall in Amerika der Schrecken dieses Tages. Aber nach all den Jahren gibt es ein Gefühl, dass – anders als für diejenigen, die Familienmitglieder oder enge Freunde verloren – die Feiern zunehmend eine Sache sind, bei der die Dinge durchgezogen werden, als dass nationale Trauer gezeigt wird.

Sehr ähnlich der Art der Erinnerung an den japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 – eine vergleichbare Tragödie, die das Leben der Nation veränderte – die Routine und dann letztlich zu einer Fußnote wurde, während die Jahrzehnte vergingen, wird der 9/11 ein Augenblick, der in der Vergangenheit eingefroren ist statt einer Erinnerung an die gefährliche Welt, in der wir immer noch leben.

Dass dies stimmt, ist wahrscheinlich genauso ein Produkt der menschlichen Natur wie das Versagen unserer Führungskräfte in der Welt nach dem 9/11. Aber es lohnt sich aufzuzeigen, dass dieser Prozess in Israel nicht wiederholt wurde, als die Zeit seit dem Ende der zweiten Intifada verging, die ihren Opfern ähnlich weit verbreiteten Schrecken brachte. Wie ein in der New York Times veröffentlichtes, vorausahnendes Op-Ed von Matti Friedman feststellte, hängt die Erinnerung an das Schlachten über der israelischen Gesellschaft und ist immer noch ein entscheidender Faktor in ihrer Politik.

Es gibt tiefgreifende Unterschiede zwischen dem 9/11 und der Intifada. Der 9/11 war ein Tag, der sich zum Glück auf amerikanischem Boden nie wiederholte (ein Punkt, der Präsident George W. Bush in der Öffentlichkeit anscheinend nicht gedankt wurde, obwohl die meisten von uns annahmen, dass wieder etwas passieren würde). Im Gegensatz dazu war das, was den Israelis zustieß, mehrere Jahre Terror-Abnutzungskrieg mit hunderten Anschlägen, einschließlich Selbstmord-Bombern, die im ganzen Land zuschlugen statt sich auf nur ein paar Orte zu konzentrieren.

Die Amerikaner identifizierten sich mit den Opfern des 9/11 und hatten Angst, sie könnten die nächsten sein. Aber das war nicht vergleichbar mit der Tortur, die alle Israelis tagtäglich durchlitten, da sie nie wussten, ob der nächste Bus, den sie nahmen oder das Restaurant oder Nachtclub, den sie betraten, das Ziel eines Bombers sein würde.

Die überwältigende Mehrheit der Israelis war nicht nur von der Erfahrung traumatisiert, sondern auch gezwungen zu akzeptieren, dass dieser Glaube an Politik, die in territorialem Kompromiss und Vertrauen in palästinensische Absichten wurzelte, unangebracht war. Das Bewusstsein, dass die Angriffe durch einen Versuch in Form der Oslo-Vereinbarungen Frieden zu schließen möglich gemacht wurden, wenn nicht gar unausweichlich waren, an den die meisten Israelis einst geglaubt hatten, ist damit um so schmerzlicher.

Einige der Linken glauben, Israelis seien zu Unrecht von dieser Zeit besessen und würden es verfehlen anzuerkennen, dass die Bedrohung durch den Terror in vieler Hinsicht nachgelassen hat. Aber die meisten im Land begreifen richtigerweise, dass selbst mit dem Bau der Sicherheitsbarriere in der Westbank und Jerusalem, mit Checkpoints, die die Fähigkeit der Terroristen zu agieren beobachten sowie den Batterien „Eiserne Kuppel“, die auf Terrorraketen schießen, ihre Sicherheit nichts ist, dass sie für selbstverständlich nehmen können, solange Hamas und die PA, die die Flut an Terroranschlägen verübten, an der Macht bleiben.

Das ist der Grund, dass Premierminister Benjamin Netanyahu, trotz all des Gepäcks, das zehn aufeinander folgende Jahre im Amt mit sich bringen, weiterhin die Loyalität so vieler Wähler behält. Während seine Gegner sich über seinen Anspruch „Mr. Security“ zu sein lustig machen, begreift die Öffentlichkeit, dass er die einzigartige Fähigkeit hat den Terrorismus in Grenzen zu halten, während er beim Einsatz von Gewalt umsichtig ist. Während viele Amerikaner ihn verunglimpfen, er habe nicht den „Mut“ Risiken für Frieden einzugehen, den die Palästinenser nicht einmal zu wollen scheinen, begreifen die Israelis, dass sein Job in erster Linie darin besteht für ihre Sicherheit zu sorgen – nicht Kritiker im Ausland zu beeindrucken.

Im Gegensatz dazu spielt die Erinnerung an den 9/11 bei der Festlegung der US-Außen- oder -Sicherheitspolitik kaum eine Rolle.

Das hat zum Teil mit der Ermüdung infolge der Art zu tun, wie die Kriege im Irak und Afghanistan sich in die Länge zogen, ebenso wie die Tatsache, dass viele, wenn nicht die meisten von uns – eine Kategorie, die offenbar den Präsidenten der Vereinigten Staaten einschließt – zu glauben scheinen, dass der Einsatz amerikanischer militärischer Gewalt gegen die Täter vom 9/11 und deren Verbündete wie die Taliban zusätzlich zu anderen Bedrohungen des internationalen Friedens wie Saddam Hussein ein Fehler war.

Es scheinen mehr Amerikaner überzeugt zu sein, dass die Bekämpfung islamistischer Terroristen Unsinn ist, als es solche gibt, die zu Wachsamkeit raten oder Befürchtungen wegen der Wiederbelegung von Gruppen wie ISIS und der Gefahr äußern, die von Regimen wie dem Iran ausgeht. In den Augen mancher bestand die große Sünde des 9/11 darin, dass es zu extremen Vorurteilen gegen unschuldige Muslime führen könnte, selbst wenn die Vorstellung von Gegenreaktionen wegen des 9/11 mehr Mythos als Tatsache ist.

Wie anders kann man das Fehlen allgemeiner Empörung über den Gedanken erklären, Frieden mit den Taliban zu schließen – den Verbündeten und Gastgebern von Osama bin Laden – außer mit einer 10. September-Mentalität, die sich wünscht die Vereinigten Staaten um jeden Preis aus dem Nahen Osten herauszuziehen?

Präsident Donald Trump stellte US-Streitkräfte ab um ISIS zu bekämpfen und zu besiegen – eine Nachfolgegruppe der Al-Qaida, deren Aufstieg durch Präsident Barak Obamas Abzug aus dem Irak ermöglicht wurde. Aber er scheint jetzt mehr daran interessiert zu sein sich in Afghanistan und Syrien aus dem Staub zu machen, als diesen Kampf fortzusetzen. Er könnte jetzt auch überlegen Bemühungen zurückzufahren den weltführenden staatlichen Terrorförderer unter Quarantäne zu stellen: den Iran. Demokraten kritisieren Trump für die Art, wie er diese Politik betreibt, obwohl sie kein Problem mit deren Inhalten haben.

Das bedeutet: Was die Festlegung der US-Politik betrifft, wird die Erinnerung an den 9/11 rapide nicht mehr bedeutender sein als Pearl Harbor.

Während die Amerikaner beschlossen haben die Bedeutung der fortgesetzten Bedrohung ihrer Sicherheit durch Terror zu ignorieren, haben die Israelis diesen Luxus nicht. Diejenigen, die sich fragen, wie die israelischen Wahlen ausgehen oder wieso Netanyahu weiter so beliebt ist, sollten sich zur Erklärung ansehen, wie das Land über seine Version eines 9/11 denkt.

 

Übersetzt von Heplev


Autor: Heplev
Bild Quelle: Archiv


Donnerstag, 19 September 2019









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