x

haOlam.de benötigt Ihre Spende für den Betrieb!

  Wir bitten Sie, uns mit ihrer Spende zu unterstützen –
Spenden an das ADC Bildungswerk sind steuerlich absetzbar,
da der Verein als gemeinnützig anerkannt ist. Und: Jeder Cent fließt in die Arbeit von haOlamde

Spenden via PayPal


Wieso war der IS-Kalif in Idlib?

Wieso war der IS-Kalif in Idlib?


Der Tod Abu Bakr al-Baghdadis im Nordwesten Syriens wirft nicht nur angesichts des angekündigten US-Rückzugs einige Fragen auf.

Von Seth J. Frantzman, The Jerusalem Post

Warum war al-Baghdadi in Syrien und ausgerechnet in Idlib? Im September veröffentlichte er ein neues Tonband und im April hatte man ihn zum ersten Mal seit Jahren auf einem Video gesehen. Baghdadi erlangte im Jahr 2014 Berühmtheit, indem er sich in Mosul zum ‚Kalifen‘ des IS erklärte und seiner Gruppe den Völkermord und die Massenvergewaltigung von Minderheiten befahl. Danach war er nur schwer fassbar. (…)

Wenn er nach Idlib ging, warum ging er dorthin? War es eine Art Imitation Bin Ladens, so wie der Al-Qaida-Führer nach Pakistan ging, um sich vom 11. September auszuruhen? Der IS bezog viele Rekruten über die Türkei und einer seiner Zweige war auch in Idlib stärker vertreten. Es gibt eine Vielzahl anderer extremistischer Gruppen in Idlib, insbesondere Hayat Tahrir al-Sham, die einst Al-Qaida in Syrien war. Ging al-Baghdadi deshalb dorthin – weil diese Gruppen als Puffer um ihn herum fungierten? (…)

Könnte es sein, dass es eine türkische Entscheidung gab, bei der beschlossen wurde, Informationen mit Washington zu teilen, um den USA zu zeigen, dass das Land sich tatsächlich für den Kampf gegen den IS interessiert, um so die amerikanische Wut über die türkische Invasion in Syrien am 9. Oktober zu mildern? Warum sollte al-Baghdadi plötzlich mitten in dieser Krise auftauchen, als ISIS kurz davor zu stehen schien, erneuten Aufschwung zu nehmen, nachdem die USA angekündigt hatten, sich aus Teilen Syriens zurückzuziehen?

US-Außenminister Pompeo hatte bereits letzte Woche angedeutet, dass die USA ihre Mission in Syrien erfüllt hätten. Diese Mission war es, ISIS zu besiegen. Amerika sollte sich am 13. Oktober vollständig zurückziehen, mit Ausnahme der Basis von Tanf in der Nähe von Jordanien. Dann sagte Trump, dass die USA in Syrien verbleiben würden, um das Öl zu schützen. Am 26. Oktober kehrten US-Fahrzeuge nach Syrien zurück.

Wenn Trump tagelang von dem Angriff wusste – auch als er dem Befehlshaber der Syrischen Demokratischen Streitkräfte General Mazlum dafür gratulierte, dass er den Waffenstillstand zwischen den USA, Russland und der Türkei eingehalten hatte – was war der Kontext? Ein Anruf um den 21. Oktober? Wusste Trumps Anti-ISIS-Gesandter James Jeffrey, der am 22. Oktober mit dem Senat über Syrien sprach, von dem bevorstehenden Angriff? Oder tappte jeder im Dunkeln? Wie könnten US-Hubschrauber so nahe an der türkischen Grenze operieren und keine türkische Luftverteidigung auslösen, wenn die Türkei nicht auf dem Laufenden gewesen wäre? Sind die Hubschrauber von Incirlik aus, oder von einer anderen Basis gestartet?


Autor: MENA Watch
Bild Quelle: Flickr), Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei (Quelle: NordNordWest, CC BY-SA 3.0 de)


Mittwoch, 30 Oktober 2019






Da hat jemand al-Baghdadi geopfert, um sich geopolitisch den Rücken frei zu halten. So ähnlich wie bei Kashoggi. Eigene Leute zu neutralisieren oder dem Feind bewusst auszuliefern, ist im internationalen Schach durchaus üblich. Ein Bauernopfer. Mehr nicht. An der eigentlichen Interessenlage hat sich wohl nichts geändert.