Wie sich Natanel erfolgreich in Deutschland assimilierte

Wie sich Natanel erfolgreich in Deutschland assimilierte


Wenn man sich in Israel assimilieren will, muss man Netanyahu kritisieren, das ist hier allgemein üblich und gilt als Voraussetzung, um zu den Intellektuellen gezählt zu werden.

Wie sich Natanel erfolgreich in Deutschland assimilierte

Von Chaim Noll

Will man sich dagegen in Deutschland integrieren, muss man Angela Merkel schmeicheln. Denn das ist im heutigen Deutschland die Bedingung, um es zu irgendetwas zu bringen.

Nebenbei gesagt: Es war auch in Deutschland nicht immer so. Angela Merkel hat viel dafür getan, damit sich diese Gewohnheit – zunächst nach früheren Katastrophen in Misskredit geraten – unter ihrer Regentschaft erneut erfolgreich durchsetzte. Sie und ihr fein verästelter Apparat von Schmeichlern und Sykophanten haben politische Parteien, ehemals kritische Intellektuelle, Beamte, Medienschreiber, Studenten und Schulkinder soweit erfolgreich eingeschüchtert, dass kaum noch jemand im Land ein offenes Wort zu sagen, geschweige denn zu schreiben wagt.

Natanel Azulay ist einer von einigen tausend jüngeren Israelis, die noch in Berlin leben, trotz sich verschlechternder Bedingungen für Juden unter der bleiernen Kanzlerin. Er ist Schauspieler von Beruf und daran gewöhnt, Rollen zu verinnerlichen. Er scheint ein exzellenter Beobachter zu sein, wenn er so schnell verstanden hat, worauf es dieser Tage in Deutschland ankommt. Gestern veröffentlichte er in der Internetausgabe von Yediot Acheronot, einer führenden israelischen Tageszeitung, einen Gastbeitrag unter dem Titel „Wenn doch Israel von Angela Merkel regiert würde“. Deutschland, schrieb Natanel, wäre überaus erfolgreich in der Eindämmung des Corona-Virus und hätte „seinem Volk neue Hoffnung gegeben“. Doch das läge nicht an Deutschlands guter medizinischer Infrastruktur, nicht daran, dass dieses Land „reicher und stärker wäre“ als andere europäische Staaten, sondern einzig „an der Frau am Steuer, einer der tapfersten, bescheidensten und stärksten Frauen Europas, Angela Merkel.“

Netanel schrieb seinen Artikel gerade jetzt, da Angela Merkels Stern in Israel im Sinken ist. Und ein humoristisch gestimmter Redakteur nahm ihn ins Blatt. Die einst beliebte „Kanzlerit“ – so die Hebraisierung ihres Titels – hat seit ihrer dubiosen Flüchtlingspolitik 2015 in Israel erheblich an Prestige eingebüßt. In einem Land, das jede Illusion im Umgang mit militanten Muslimen teuer bezahlen muss, stieß Merkels Leichtsinn auf weitgehendes Unverständnis. Ein Nachbar fragte mich gerade heraus: „Maybe, she is a little bit stupid?“ Und dann steht immer noch Karl Lagerfelds Wort im Raum, betreffend ihren Verrat an den deutschen Juden.

Die Androhung einer weiteren, fünften Kanzlerschaft

Daher sind die Zuschriften in Yediot zu Netanels Lobeshymne durchweg negativ (abgesehen von einer Leserin, die ins Feld führt, Angela Merkel sei eine Frau – was jedoch kaum als ihr Verdienst geltend gemacht werden kann), sie fordern Netanel auf „öfter raus unter die Leute (in Deutschland) zu gehen“, da er offensichtlich einer „Selbsttäuschung“ unterliege. Israel, schreibt ein anderer, sei weltweit am erfolgreichsten in der Corona-Bekämpfung, während Angela Merkel nur erfolgreich darin sei, Immigranten einzulassen, die ihr Land zerstören. Andere werden persönlich: Netanel solle sich um seinen Job in Berlin kümmern, vielleicht tauge er dazu, doch als politischer Experte sei er unfähig. „The worst article I’ve ever had the misfortune of inflcting upon my eyes“, schließt ein weiterer, „Merkel has destroyed German culture by importing migrants. That’s something to be ashamed of, not proud of.“

Angela Merkel, die manisch an ihrer Macht festhält wie kaum eine Herrscherfigur in der Geschichte, lässt dieser Tage über Getreue die Androhung einer weiteren, fünften Kanzlerschaft lancieren und braucht dringend Fürsprache. Sie ist nicht wirklich beliebt, obwohl ihr die Corona-Krise vorerst in die Hände gespielt und ihre Hofschreiber zu neuen Lobpreisungen angestachelt hat. Doch die täglichen Gesänge in stern und Spiegel reichen nicht, sie wirken wohlfeil und langweilig. Ein junger Israeli als Lobredner hat vielleicht noch einen gewissen Verblüffungseffekt. Er gibt damit auch anderen Einwanderern ein gutes Beispiel, worauf es in Deutschland ankommt und was mit erfolgreicher Integration gemeint ist: Nicht das Land ist wichtig, seine Sprache und seine Menschen, sondern Angela Merkel, „die Frau am Steuer“.

Zum Schreiben hat Netanel eingestandenermaßen ein eher lockeres Verhältnis. „Words do not matter“, schrieb er 2016 in einem anderen Blog, Worte bedeuten nichts. Auch das konnte er von seiner Heldin lernen. Er hat sich wirklich gut in seiner neuen Umgebung eingelebt.


Autor: Chaim Noll
Bild Quelle: Alexander.kurz / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)


Freitag, 08 Mai 2020

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