Wussten Sie, dass es eine Palästinian Airlines gibt – mit 140 Beschäftigten in den Büchern?

Wussten Sie, dass es eine Palästinian Airlines gibt – mit 140 Beschäftigten in den Büchern?


Der palästinensische Menschenrechtsaktivist Bassam Eid bemerkte während seiner Recherchen zu den Ausgaben der palästinensischen Autonomiebehörde etwas Seltsames.

Wussten Sie, dass es eine Palästinian Airlines gibt – mit 140 Beschäftigten in den Büchern?

Bei meinen aktuellen Recherchen stellte ich fest, dass 140 Beschäftigte der Palestinian Airlnes immer noch monatliche Gehälter von der PA bekommen.
Kann mir jemand sagten, wohin die Palestinian Airlines fliegt?

Mir war nicht bewusst, dass es eine Palestinian Airlines gibt, aber andererseits wusste ich auch nicht, dass es eine palästinensische Raumfahrtagentur gibt. Beides klingt so plausibel wie das palästinensische Museum.

Aber ob ihr mir glaubt oder nicht, es gibt eine palästinensische Fluggesellschaft – und ich meine damit nicht Mahmud Abbas‘ $50 Millionen teuren Privatjet.

Die Airline kann ihre Wurzeln zur Interimsvereinbarung über die Westbank den Gazastreifen zurückverfolgen, die von Israel und den Palästinensern 1995 im norwegischen Oslo unterzeichnet wurde. Unter dem einfachen Namen „Oslo II-Abkommen“ einer gemeinsamen Vereinbarung der beiden Länder sollten Japan, Marokko, Ägypten, Saudi-Arabien, Spanien und Deutschland übereinkommen den Bau des Hauptflughafens im Gazastreifen zu finanzieren.

Der Flughafen sollte mit einem Terminal ausgerüstet werden, das 700.000 Passagiere im Jahr abfertigen kann, eine 3.000m lange Landebahn bekommen, einen Kontrollturm und Navigationsausrüstung. Die Pläne sahen vor, dass der Flughafen im Südende des Gazastreifens gebaut wird; die Anflüge und Abflüge sollten direkt von und nach Ägypten erfolgen und israelischen Luftraum komplett meiden.

Sobald ein kommerzieller Flughafen eingerichtet war, machte die PA mit einem Plan weiter für das umkämpfte Land eine nationale Fluggesellschaft zu gründen. Die Airline wurde 1995 mit finanzieller Unterstützung aus den Niederlanden und Saudi-Arabien offiziell angekündigt; die Gönner spendeten zwei Fokker 50 und eine Boeing 727 als Hilfe für den Beginn des Betriebs.

Die neu gebildete Palestinian Airlines sollte sich der Arab Air Carriers Organization anschließen, die Einführung in die Allianz 1999 erfolgen. Während die Airline 1997 offiziell den Betrieb aufnahm, wurden rasch Limits festgestellt, wohin sie fliegen konnte. Der Yassir Arafat International Airport im Gazastreifen war noch immer im Bau, weshalb die Airline den Dienst von den ägyptischen Städten Port Said und Arish nach Jiddah in Saudi-Arabien und Amman in Jordanien aufnahm.

Sobald die Heimat der Airline im Gazastreifen fertiggestellt war, wurden alle Operationen auf den neuen Flughafen verlegt. Palestinian Airlines  expandierte rasch und bot Dienste in weitere Länder an, darunter die Türkei, Bahrain, Qatar, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Airline erhielt auch eine Iljuschin Il-62, die bei ihren Expansionsplänen helfen sollte.

Während die Airline expandierte, war sie nicht völlig ohne israelische Einschränkungen. Unter der Oslo II-Vereinbarung hatte Israel das Recht den Flugplan des Flughafens einzuschränken, was regelmäßig dafür sorgte, dass der Flughafen nachts geschlossen war. Auch die Sicherheit des Flughafens wurde von der israelischen Regierung verwaltet, denn diese befürchtete, dass die Palästinenser wegen der wirtschaftlichen Instabilität des Gazastreifens bei der Sicherheit nachlässig würden.

Leider hat sich das Oslo II-Abkommen im Lauf der Zeit abgeschwächt und die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern führte in den frühen 2000-ern zum Ausbruch der zweiten Intifada. Palestinian Airlines war gezwungen den Betrieb einzustellen, während Israel und Palästina ihren Konflikt eskalierten.

Weil sie befürchteten, dass die Palästinenser den Yassir Arafat-Flughafen für den Schmuggel von Waffen in den Gazastreifen nutzen würden, machte Israel ihn zu einem Primärziel, zerstörte 2001 sowohl das Radar als auch den Kontrollturm, bevor die Landebahn 2002 von Bulldozern aufgerissen wurde. Neben seinen Schmuggel-Befürchtungen behauptete Israel auch, dass der Abriss eine Reaktion auf einen palästinensischen Überfall war, bei dem vier israelische Soldaten getötet wurden.

Ohne Heimatflughafen in Palästina floh die Staatsairline zurück über die Grenze und begann erneut Operationen am Internationalen Flughafen El-Arisch in Ägypten. Palästinenser nach Arisch zu schaffen, war allerdings ein Kampf, da die ägyptischen Sicherheitskräfte bis zu einem Tag brauchen konnten, um die Reisenden bei Ein- wie Ausreise abzufertigen. Im Versuch die Dinge zu erleichtern, besetzte die Airline weiter die Ticketschalter am Yassir Arafat-Flughafen mit Personal; man hoffte innerhalb des Gazastreifens Tickets an Passagiere zu verkaufen und ihr Flugerlebnis zu vereinfachen.

Mit diesen Einschränkungen und der Operation der Fluglinie fast 50km von Zuhause auf der anderen Seite einer internationalen Grenze trocknete die Kundschaft für Palestinian Airlines aus. Die Airline entfernte die Boeing 727 und die Iljuschin Il-62 aus ihrer Flotte, bevor sie 2005 den Betrieb ganz einstellte. Die PA hielt an den zwei Fokker 50 fest und verleaste sie an andere Fluggesellschaften während sie auf eine Chance wartete den Betrieb wieder aufzunehmen.

Diese Chance sollte schließlich 2012 kommen, als die Airline ankündigte, sie würde mit ihren Fokker 50 und einem Routennetz den Dienst wieder aufnehmen, das wieder die Basis in Arisch hatte und Flüge nach Kairo, Amman und Jiddah anbot. Aber wie ihre früheren Erfahrungen in Arisch war Palästina zu stark benachteiligt, als dass es von seiner Airline Gebrauch machen konnte.

Die Airline sollte weniger als zwei Jahre durchhalten, bevor sie den Betrieb wieder einstellte. Die PA kehrte zum Verleasen ihrer Fokker 50 zurück, derzeit ist Niger Airlines die Heimat der beiden Flugzeuge. Obwohl sie derzeit keine Flüge anbietet, ist die Airline immer noch aktives Mitglied von ICAO, IATA und der Arab Air Carriers Organization.

Während Palästina hofft wieder eine fliegende Airline zu haben, ist die Aussicht nach Hause in den Gazastreifen zu kommen immer düsterer. Der Flughafen erhielt in den letzten Jahren weitere Schäden, wobei Terminal und Vorfeldbereich 2014 von der israelischen Luftwaffe heftig bombardiert wurden. Weil die Erholungsversuche in Ägypten sich als zu teuer für die Airline erwiesen haben, ist Palestinian Airlines derzeit eine nationale Fluggesellschaft ohne Zuhause, ohne Betrieb und ohne klare Zukunft.

Aber mit 140 Beschäftigten. Klingt plausibel.

zu erst erschinen auf Heplev


Autor: Heplev
Bild Quelle:


Samstag, 18 Juli 2020

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