Im 21. Jahrhundert bedeutet Antizionismus Antisemitismus

Im 21. Jahrhundert bedeutet Antizionismus Antisemitismus


Vor 1948 waren Diskussionen über einen jüdischen Staat üblich. Heute bedeutet es, wie bei einer Synagoge in Chicago, die ihre Feindseligkeit gegenüber dem Zionismus verkündet, sich auf die Seite derer zu stellen, die Israelis massakrieren.

Im 21. Jahrhundert bedeutet Antizionismus Antisemitismus

Von Jonathan S. Tobin, Israel HaYom

Wie viele Terroranschläge müssen innerhalb Israels stattfinden, bevor man anfängt von einer weiteren Intifada zu reden? Der Vorfall von Donnerstag, bei dem ein palästinensischer Schütze in der Innenstadt von Tel Aviv drei Menschen tötete und mehrere andere verletzte, ließ die Israelis sich fragen, ob die vierte solche Gräueltat in den letzten Wochen nur der Beginn einer neuen Sicherheitskrise ist. Aber wie diese Mordserie genannt wird, ist weniger wichtig als die Frage, ob die Welt so reagiert, wie sie immer auf Gewalt gegen Israel reagiert hat: mit mehr Mitgefühl für die Killer als für ihre Opfer.

Doch selbst in Zeiten wie diesen haben einige amerikanische Juden weder Mitgefühl mit den Menschen Israels, noch unterstützen sie ihr Recht auf Selbstbestimmung oder Selbstverteidigung. Die dem Entschluss der Synagoge in Chicago gegebene Öffentlichkeit. ihr Gotteshaus offiziell als der Sache des Antizionismus gewidmet zu erklären, könnte sie zum Ausreißer gegenüber den mehr als 80% des amerikanischen Judentums machen, von denen Umfragen sagen, sie denken „sich um Israel zu sorgen“ sei unerlässlich dafür jüdisch zu sein. Aber die der Tzedek Chicago, so heißt die Synagoge, gegebene Aufmerksamkeit ist nur der jüngste Vorfall, mit dem die Feindschaft von Juden der extremen Linken gegenüber Israels Existenz veranschaulicht wird.

Ihre Mitglieder und diejenigen, die ihre Ansichten teilen, behaupten, die Existenz Israels sei eine Ungerechtigkeit. Sie bekennen sich zu einer Form des Judentums, das nicht nur einige der religiösen Überzeugungen und Praktiken verwirft, die den meisten Juden seit langem heilig sind – wie im Fall der Mehrheit der amerikanischen Juden, die sich mit den liberalen Konfessionen identifizieren. Sowohl das Reform- als auch konservative Judentum bekennt sich offiziell zum Zionismus. Aber Teile der Rekonstruktionismus-Bewegung und andere Ableger des nicht orthodoxen Judentums gehen weiter und machen aus der Diaspora einen Fetisch. Ihrem Judentum fehlt seine Besonderheit und seine Wurzeln im Land Israel und jüdischem Volkstum und das besteht einzig aus universalistischen Überzeugungen, die bizarrerweise zu glauben scheinen, dass alle Völker Grundrechte haben, nur die Juden nicht.

Während die „Pittsburgher Plattform“ der Reformisten von 1885 offiziell antizionistisch ist, entwickelte sich die Bewegung im 20. Jahrhundert weiter und die zwei größten Leiter des amerikanischen Zionismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Reform-Rabbiner – Abba Hillel Silver und Stephen Wise (an den man sich leider besser wegen seines Schweigens und seiner Opposition zur Rettung europäischer Juden während des Holocaust erinnert).

Antizionismus hatte bis 1948 beträchtliche Unterstützung, weil viele Juden fürchteten, die Gründung eines jüdischen Staates würde ihr Recht auf gleichberechtigte Staatsbürgerschaft untergraben. Aber der Holocaust bewies die Notwendigkeit eines jüdischen Staates und statt jüdische Rechte zu untergraben ließ die Gründung Israels alle Juden aufrechter stehen, während außerdem die meisten Amerikaner zu mehr Respekt für ihre jüdischen Nachbarn angeregt wurden.

Unterstützung für den Zionismus wurde bei jungen amerikanischen Juden zur Norm; sie sich während der Krisen von 1948, 1967 und 1973 schützend zur Verteidigung um den jüdischen Staat scharten. Das Problem war aber, dass das Stammes- und konfessionelle Wesen den universalistischen und nicht konfessionellen Idealen vieler Amerikaner zu widersprechen schien. Das traf besonders auf amerikanische Juden zu, deren politischer Liberalismus es wahrscheinlicher machte, dass sie eine dunkle Sicht auf ein Land haben, das auf der Vorstellung gegründet wurde ein bestimmtes Volk zu verteidigen, statt eines, das seinen Auftrag in breiteren Begriffen betrachtete.

In diesem Licht betrachtet überrascht das kleine, aber überhaupt nicht unbedeutende Comeback des Antizionismus in der letzten Generation nicht.

Obwohl antizionistische Gruppen wie Jewish Voice for Peace und IfNotNow kein großes Gefolge haben, hat ihr Fuß in der Tür angefangen sich in den Rest der Gemeinschaft auszudehnen. Unterstützung in der linken Basis der Demokratischen Partei für toxische Ideen wie Intersektionalität, mit der Analogien zwischen dem palästinensischen Krieg gegen Israel und dem Kampf um Bürgerrechte in den USA gezogen werden, nimmt zu. Die Fähigkeit der Ideologien für die Indoktrination mit der kritischen Rassentheorie in Schulen und Unternehmen zu werben, bietet ebenfalls eine Plattform für Antizionisten. Das Konzept kennzeichnet Juden und ihren Staat unlogisch als Nutznießer von „weißem Privileg“ und damit per Definition als Unterdrücker.

In der Praxis schafft das eine Rechtfertigung für Antizionismus und diejenigen, die daran glauben den jüdischen Staat für diskriminierende BDS-Boykotte herauszugreifen. Es bietet auch eine Begründung dafür, zu bestreiten, dass Juden dieselben Rechte haben, bei denen niemand daran denken würde sie irgendeinem anderen Volk zu verweigern, womit Verhalten durchgeht, das von Antisemitismus nicht zu unterscheiden ist.

Das ist wichtig, weil Juden, die Antizionismus unterstützen, denen intellektuelle Deckung und Legitimität bieten, die nicht damit zufrieden sind nur von einer Welt ohne Israel zu reden, sondern Gewalt zu verüben, die darauf abzielt dieses pervertierte Ziel voranzutreiben. Und das ist der Grund, warum der Kontrast zwischen den jüngsten Ereignissen in Israel und dem Signalisieren von Tugend in Chicago heraussticht.

In der Vergangenheit haben die internationale Presse und angeblich befreundete westliche Regierungen, selbst wenn sie Terrorakte gegen Israel verurteilten, immer darin geendet auf die eine oder andere Weise die Opfer verantwortlich zu machen. Aber diejenigen, die behaupten, wie manche es jetzt tun, dass das Handeln der Mörder eine verständliche, wenn auch bedauerliche Reaktion auf die „Besatzung“ oder einen anderen Punkt auf der Wäscheliste angeblicher israelischer Sünden sei, missverstehen wieder einmal das Wesen des Konflikts.

Wie die Palästinenser das letzte Jahrhundert hindurch deutlich gemacht haben, haben sie kein Problem mit dem, was Israel tut, sondern mit der bloßen Tatsache seiner Existenz. Weil sie erlebt haben, wie sie im Verlauf der letzten Generation zahlreiche Zweistaaten-Angebote abgelehnt haben, ist die Unterstützung für seinen solchen Plan unter Israelis dahingeschwunden.

Die Vorstellung, dass mehr als 7 Millionen israelische Juden den souveränen Staat aufgeben, der ihre nationale Existenz beschützt, ist Wahnsinn. Und das nicht nur, weil der Einmarsch in die Ukraine illustriert, was passiert, wenn feindliche Nachbarn sich stark genug fühlen den Versuch zu unternehmen ein Land zu zerstören. Es ist auch eine Lektion, die schon nur flüchtige Kenntnis jüdischer Geschichte vermittelt. 20 Jahrhunderte lang war jüdische Machtlosigkeit und das Fehlen von Souveränität über ihr antikes Heimatland ein Rezept für Erniedrigung, Unterdrückung und Abschlachten, das im Holocaust gipfelte.

Im Nachhinein betrachtet erscheinen Diskussionen unter Juden über den Wert eines jüdischen Staates vor dem Holocaust töricht. Weil aber viele glauben, dass ein jüdischer Staat ein Tagtraum sei, während der Aufbau von Rechten für religiöse Minderheiten in Ländern, in denen Antisemitismus vorherrschte, Priorität hatte, machen diese Argumente mehr Sinn. Aber das Massaker an 6 Millionen Männern, Frauen und Kindern war der endgültige Beweis, dass jüdische Machtlosigkeit nicht länger toleriert werden konnte und dass das Recht der Juden auf ihr angestammtes Heimatland wieder geltend gemacht werden musste.

Dennoch starben Antisemitismus und Intoleranz gegenüber jüdischer Macht mit dem Nazi-Regime nicht aus; sie bleiben untrennbar mit der palästinensischen nationalen Identität und der islamistischen Ideologie verbunden. Sie haben auch in der intersektionalen Linken eine Heimat gefunden. Wie sie immer und immer wieder bewiesen haben, besteht das Ziel der Palästinenser nicht darin Israel die Gebiete abzunehmen, die es 1967 in einem Verteidigungskrieg gewann. Sie werden die Legitimität eines jüdischen Staates nicht anerkennen, egal, wo seine Grenzen gezogen sind.

Diese Juden, die sich jetzt Antizionisten nennen, treten nicht, wie manche behaupten, für eine gerechtere Welt ein oder für Wiedergutmachung arabischer Beschwerden. Eine Welt ohne Israel kann nicht mit irgendwelchen Mitteln erreicht werden, sondern nur durch Krieg gegen seine Bürger und damit, ihnen Freiheit und Rechte mit Gewalt wegzunehmen. Ob sie es nun zugeben oder nicht, diese Antizionisten stellen sich auf die Seite derer, die den einzigen jüdischen Staat auf dem Planeten mit denselben gewalttätigen Mitteln und hasserfüllten Ideen eliminieren wollen, die immer der Werkzeugsatz der Antisemiten gewesen sind. Die Mitglieder der Tzedek Chicago mögen behaupten ihre Synagoge stehe für Gerechtigkeit, aber weit davon entfernt eine idealistische Strömung des Judentums oder Anhänger von Menschenrechten zu sein, ist der Krieg der Linken gegen Israel ein Ausdruck von Judenhass.

Während Israelis ihre Toten betrauern und sich weiterhin verteidigen, sollte der Rest des amerikanischen Judentums auf diese antizionistische Synagoge und alle, die ihre Ansichten teilen, in Verachtung, nicht in Neugier oder Toleranz bestehen.

 

Übersetzt von Heplev


Autor: Heplev
Bild Quelle:


Dienstag, 26 April 2022

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