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David zieht in den Krieg

David zieht in den Krieg


Ein persönlicher Bericht zum 40. Jahrestag des Ersten Libanonkriegs 1982

David zieht in den Krieg

Von David E. Kaplan, Lay of the Land

Als Israel vor 40 Jahren, am 6. Juni 1982, die Operation Frieden für Galiäa (Schlom HaGalil), auch bekannt als Erster Libanonkrieg, gegen palästinensische Terroristen im Südlibanon begann, war der 27-jährige David David bei seinen Eltern in Holon; er hatte gerade seinen Abschluss in Ingenieurswissenschaften am renommierten Technion in Haifa gemacht. Als Reservist der Armee, der „lange vergessen hatte, wie es ist die Uniform zu tragen“, war Krieg „für mich so weit weg wie irgendwas“. Ja, wie jeder in Israel war er aus den Nachrichten nach dem Mordversuch am israelischen Botschafter in London durch eine der Terrororganisationen, die aus dem Libanon heraus arbeiteten, auf dem aktuellen Stand. Nur ein Jahr zuvor, am 10. Juli 1981, begann die im Libanon sitzende PLO den Norden Israels mit Katjuscha-Raketen und 130mm-Artillerie zu beschießen. Es folgten Perioden, in denen die Zivilisten im Norden in Bunkern leben mussten oder, wie viele es machten, in den Süden zogen, um dem Terror zu entkommen.

Es war einen unhaltbare Situation!

All das hatte der junge Diplom-Ingenieur allerdings nicht im Sinn. Statt sich bezüglich der Nachrichten auf dem Laufenden zu halten, fing er Wellen beim Surfen am Strand von Tel Aviv.

Es mitten im Sommer, was hieß, dass es Zeit für Spaß war.

Die Wirklichkeit traf – buchstäblich und im übertragenen Sinne – als er vom Strand zurückkam, kam seine aufgelöste Mutter mit Papieren in der Hand zu ihm:

„Du bis einberufen.“

Sowohl Davids Vater als auch seine Mutter hatten den „Farhud“ überlebt – das gewalttätige Pogrom, das im Irak am 1. und 2. Juni 1941 an der jüdischen Bevölkerung von Bagdad verübt wurde. Sie ließen alles zurück – ihr Leben und ihren Lebensunterhalt, sie entkamen in den neuen Staat Israel – einen Ort der Rettung von Juden. Aber wo immer es Juden gibt, ist es nie ganz sicher und ihr Sohn David war weg, in den Krieg.

Haarsträubende Erfahrung

„Es war lustig; wenn du einberufen wirst, wird erwartet, dass du dir die Haare schneiden lässt. Ich nicht; ich war argwöhnisch, was das Kürzen meiner Locken  angeht, bevor ich in den Krieg zog; vielleicht war es das Samson-Syndrom, als zog ich in Uniform in den Libanon, aber mit einer schwarzen, afro-hippie-artigen Frisur“, erzählt David, dessen Eltern auf ihren biblischen Nachnamen so stolz waren, dass er eine Wiederholung verdiente – daher David David!

Auf der Straße nach Beirut „versuchte ein CNN-Korrespondent mich zu interviewen. Er merkte an, er fände es seltsam, dass in der israelischen Armee einige keine Haare haben und du hast so viel. Ich erklärte, dass ich Reservesoldat war und direkt vom Strand käme. Hautsächlich sagte ich ihm, ‚ich bin hier, mit der ohne Haare.“

Krieg ist zwar hässlich, aber David ist stolz darauf, wie er und seine Kameraden sich verhielten. Er bringt Beispiele:

„Unser Essenslaster wurde auf dem Weg nach Beirut bombardiert und da waren wir, 30 von uns, ohne Essen und wir kamen an einen Supermarkt. Alles, was ich wollte, war Milch und etwas Schokolade. Wir rechneten kollektiv laut den Wechselkurs aus, weil wir nur israelisches Geld hatten. Der Ladeninhaber hatte Angst; all diese Soldaten mit Schusswaffen, die laut auf Hebräisch redeten; er erwartete das Schlimmste. Er war überwältigt, als der Buchhalter in unserer Gruppe mit dem ganzen Geld, das wir gesammelt hatten, zu ihm ging und auf Arabisch sagte: ‚Wir haben nichts in deiner Währung, aber das ist gleich viel in unserer, das kannst du wechseln.‘ Er konnte es nicht glauben. Brach in ein Lächeln aus, so erleichtert war er. Ich bezweifle, dass irgendwelche Soldaten früherer einmarschierender Armeen die Jahrtausende hindurch sich je so verhalten haben.“

Bei einer anderen Gelegenheit war David in seinem gepanzerten Fahrzeug und fuhr durch ein palästinensisches Flüchtlingslager. Das war während eines späteren Reservedienstes im Libanon und im Winter. „Uns war es wichtig, wenn wir Kinder sahen, dass wir anhielten und ihnen Essen anboten, wenn wir etwas hatten. Bei einer Gelegenheit kamen wir an einen Kindergarten und plötzlich fing es an heftig zu regnen. Alle Kinder wurden wegen des Wolkenbruchs hineingebracht, aber auch, weil sie uns Soldaten sahen und in dem Tumult blieb ein kleines Mädchen weinend allein draußen im Regen zurück. Obwohl es gefährlich war so exponiert in einem ungeschützten Gebiet anzuhalten, machten wir das und ich sagte: „Passt gut auf, ich bringe das Mädchen rein.“ Ich stieg aus, nahm die kleine Hand des zitternden und frierenden Mädchens und klopfte an die Tür des Kindergartens. Die Erzieherin öffnete etwas, sah erschrocken aus und dann überrascht, als sie mich sah – ein Soldat, der das Mädchen an der Hand hielt. Sie griff das Kind und schloss die Tür, als versuchte sie gleichzeitig die Komplexität des Krieges draußen zu lassen. Ich denke oft an das kleine Mädchen, das heute rund 44 Jahre alt sein dürfte, selbst Mutter und möglicherweise Großmutter. Würde sie sich überhaupt an den Vorfall erinnern und wenn ja, was würde sie denken?“

Die Frage, welche Auswirkungen der Krieg hatte, beantwortet David: Jedes Jahr am Yom Ha’atzmaut (Unabhängigkeitstag) während des festlichen Feuerwerks „denke ich an den Libanon. Das Wumm Wumm des Feuerwerks erinnert mich an den Lärm von Artilleriegranaten, die um mich herum fielen. Dieses Jahr erlebte ich das nicht und dann erkannte ich, dass das Feuerwerk dieses Jahr aus Rücksicht auf die Hunde, die traumatisiert werden, still war.“

David hat Grund an einen Schutzengel zu glauben, der über ihn wacht. In der zweiten Kriegswoche erhielt er einen kurzen Fronturlaub, um an einer Hochzeit in der Familie teilzunehmen.

David war kaum in den Egged-Bus gestiegen, den das Militär abgestellt hatte, als ihm vom Fahrer gesagt er solle auszusteigen. Er durfte nur 25 Passagiere mitnehmen, David war Nummer 26. „Ich versuchte zu argumentieren; bot an mich auf den Boden zu setzen, aber der Fahrer lehnte ab.“ David stieg aus dem Bus und war aufgebracht, dass er die Hochzeit verpassen könnte, als er einen Militärlaster bemerkte, der gerade nach Rosch Hanikra abfahren wollte, der nördlichsten israelischen Stadt an der israelisch-libanesischen Grenze. Er hatte große Reifen auf der Landefläche. „Ich bettelte den Fahrer an mich mitzunehmen; er antwortete, wenn es mir nichts ausmachen würde mich zu den Reifen zu kauern.“

Das rettete David möglicherweise das Leben!

„Wir fuhren los und nach rund 500 Metern trafen zwei Raketen den Bus, in dem ich gesessen hätte, was viele Opfer verursachte. Die Reifen schützten mich vor dem größten Teil der Druckwelle mit Splittern, die in mein Gesicht und die Finger eidrangen. Ich habe immer noch ein Stück im Finger und jedes Mal, wenn das weh tut, erinnert es mich an den Krieg.“

David schaffte es noch zu der Hochzeit zu kommen und kehrte einen Tag später in einem IDF-Militärhubschrauber zurück. „Sobald wir im libanesischen Luftraum waren, gab es heftiges Feindfeuer und Raketen, aber die Crew unternahm all die notwendigen Ausweichmanöver, um die anfliegenden Raketen abzulenken und wir landeten sicher. Es war sehr furchteinflößend. Das war eine irre Hochzeit – sowohl dorthin und wieder zurück zu kommen!“

Die Straße nach Damaskus

Es gab für David Momente auf dieser Straße, aber kaum das, was man mit biblischen Offenbarungen ähnlich beschreiben kann. David kann ehrlich behaupten 25 syrische Soldaten gefangen genommen zu haben, ohne eine einzige Kugel zu verschießen oder irgendjemanden zu verletzen. Er war zuständig für einen wichtigen machsom (eine militärische Straßensperre) in Bhamdoun, östlich von Beirut. „Jeder auf dem Weg nach Syrien musste da durch. Ich untersuchte alle Ausweispapiere und Reisedokumente und meine guten Arabischkenntnisse, weil ich es in der Schule gelernt hatte, leisteten mir gute Dienste. Eines Tages kam eine Gruppe von 25 Männern an der Straßensperre an und jeder legte mir seine Papiere vor. Sie erklärten, sie seien im Libanon gewesen und kehrten jetzt nach Syrien zurück. Ich bemerkte in jedem ihrer Auseise dasselbe Wort, جندي (jundi), von dem ich wusste, es bedeutet ‚Soldat‘. Ich folgerte, dass dies eine syrische Kommandoeinheit war, hinter unseren israelischen Linien zurückgeblieben und sie versuchten auf ihr Gebiet zurückzukommen. Sie hatten offensichtlich ihre Waffen und Uniformen weggeworfen und zivile Kleidung gefunden. Ohne Alarm zu schlagen rief ich über Funk Leute vom Schabak (Geheimdienst) dazu, der schnell ankamen und die Gruppe als gefangengenommene Syrer wegführte.“

Wenn er nicht mit dem Feind zu tun hatte, war Bhamdoun voller Überraschungen. „Wir hatten keinen Zugang zu Duschen, kamen aber an eine Villa mit einem Swimmingpool mit Wasser aus einer natürlichen heißen Quelle. Das war echter Genuss.“

Ebenfalls verlassen war „eine Synagoge, die wir entdeckten. Sie wurde einst von Juden genutzt, die den Ferienort besuchten. Wir ehrten ihre Vergangenheit damit, dass einige von uns außerhalb ihrer Mauern beteten.“

Etwas weniger ernst: „Ein IDF-Bulldozer hatte gerade einen Graben in der Nähe unseres Checkpoints fertiggestellt, als der Fahrer einen nahe gelegenen Hügel hochsah, einige Soldaten erblickte und sagte. ‚Ich bin hier fertig; ich fahre dorthin.‘ Ich sagte ihm scherzend: ‚Vielleicht kommst du zurück, vielleicht aber auch nicht.‘ Er fragte: ‚Was redest du da?‘ Ich sagte, dass seien Syrer. ‚WAS?‘, brüllte er. Er hatte nie gemerkt, wie nahe an der Front er sich befand. Er sagte: ‚Ich bin weg hier.‘ Er drehte seinen Bulldozer um und machte sich in Richtung Beirut davon.“

Gedrängt zu sagen, was ihm durch den Krieg half, antwortete David:

„Das war Humor – oft sehr schwarzer Humor. Schau, wir hatten kein richtiges Essen; keinen Ort zum Duschen; mussten richtig schlafen, aber was wir machten, taten wir mit sehr hoher Moral und Humor. Wir erzählten immer Witze und lustige Geschichten und über alles lachten wir laut. Das ist das, wie wir den Krieg überstanden. Außerdem auch Geschichten aus unserem Leben zu erzählen.“

In Verbindung der beiden erklärt David, wann immer jemand ein Paket von seinen Lieben erhielt, war das „etwas grosses, das mit allen geteilt wurde. Es wurde vor allen anderen geöffnet. Eines Tages erhielt einer von uns ein Paket von seiner Freundin. Wir saßen in einer Kirschplantage; der ganze Libanon schien eine große Kirschplantage zu sein – sie waren überall. Jedenfalls öffnete er sein Paket von seiner Lieben und darin befand sich nichts außer einer Schachtel Kirschen mit einer Notiz ‚Weil ich so süß bin, weiß ich, dass wird dich an mich erinnern.‘ Wir konnten nicht aufhören zu lachen; sogar die Syrer müssen uns gehört haben.“

Seine Lieben zu vermissen wurde bei einer Gelegenheit gemildert, als aus heiterem Himmel ein IDF-Mobilfunk-LKW an Davids Basis ankam und „wir einen Tag lang Zugang zum ihm hatten, um unsere Familien, Freunde und Mädchen anzurufen. So abgeschnitten, wie wir waren, war es wunderbar und wir wollten den LKW nicht verlassen. Und dann geschah ein Wunder. Am Ende des Tages konnte der Laster nicht wegfahren, es gab ein Problem mit dem Motor, aber natürlich kein Problem mit den Telefonen. Drei Tage lang konnten wir die Telefone nutzen. Bis heute bin ich überzeugt, dass es kein ‚Wunder‘ war, sondern ein talentierter Soldat unserer Einheit, der listig den Motor des Lasters außer Betrieb setzte. Schließlich sind wir Israelis!“

Epilog

Vierzig Jahre später gibt es für Israel immer noch keinen Frieden mit dem Libanon. Früher wurde fälschlich angenommen, der Libanon würde „das zweite Land sein, das mit Israel Frieden schließt“. Das hat sich als nicht zutreffend erwiesen. Unter dem Zugriff der Hisbollah und des Iran könnte es sich als das Letzte erweisen.

Aber auf die Frage, ob es eines Tages Frieden geben wird, lautet die die Antwort meines guten Freundes David David, der mit seiner in Südafrika geborenen Ehefrau Henrietta (geborenen Wolffe) aus Kapstadt in Rischon LeZion lebt:

„Ich hoffe es; und wenn es ihn gibt, wird das erste sein, was ich tun werde, meine Familie dorthin zu bringen, um all die Orte zu sehen, wo ich war. Das Land ist wunderschön – Bäume, Wasser, Berge. Es ist atemberaubend. Das ist das Paradox, dass es dort auch einen Krieg mit der Schönheit gibt. Nicht nur mit Israel, sonder mehr mit sich selbst. Wenn der Krieg ganz vorbei ist, werde ich zurückkehren.“

 

Übersetzt von Heplev

 


Autor: Heplev
Bild Quelle: Michael Zarfati/IDF-Sprechereinheit


Montag, 01 August 2022

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