Netanjahus überraschender Schachzug: Marineoffizier Eli Sharvit wird neuer Shin-Bet-Chef – Ernennung vorerst blockiert
Premierminister Netanjahu setzt auf einen Außenseiter: Der frühere Marinekommandeur Eli Sharvit soll den Inlandsgeheimdienst Shin Bet leiten. Doch ein Gerichtsstreit könnte die Ernennung verzögern.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat mit der Ernennung von Vizeadmiral a. D. Eli Sharvit zum neuen Leiter des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet für Überraschung gesorgt. Die Entscheidung kam nicht nur für die israelische Öffentlichkeit, sondern auch für den Geheimdienst selbst unerwartet, da Sharvit weder aus den Reihen des Shin Bet noch aus den Bodentruppen des IDF stammt.
Aufgrund einer anhängigen Petition vor dem Obersten Gerichtshof wird Sharvit frühestens am 8. April sein Amt antreten können – möglicherweise noch später.
Eine umstrittene Personalentscheidung
Traditionell wurde die Leitung des Shin Bet aus den eigenen Reihen oder zumindest aus dem Umfeld des Militärs gewählt. Bis zuletzt galten der ehemalige stellvertretende Shin-Bet-Chef „M“, dessen Vorgänger Yair „Rolly“ Sagi, der frühere Top-Agent Shalom Ben Hanan sowie der langjährige Mossad- und Shin-Bet-Offizier Eyal Tzir Cohen als Favoriten. Die Wahl eines Marineoffiziers wie Sharvit wurde von niemandem ernsthaft in Betracht gezogen.
Netanjahu begründete seine Entscheidung mit Sharvits beeindruckender militärischer Laufbahn. Der 36-jährige Veteran der israelischen Marine war von 2016 bis 2021 deren Oberbefehlshaber. Während seiner Amtszeit leitete er bedeutende Operationen gegen die Hamas, die Hisbollah und den Iran und trieb die Entwicklung maritimer Verteidigungsstrategien voran.
Sharvit war zudem kürzlich in das Expertengremium von Generalstabschef Eyal Zamir berufen worden, das die Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober untersuchen soll. Mit seiner neuen Position im Shin Bet wird er sich jedoch aus diesem Gremium zurückziehen müssen.
Der Schatten von Qatargate
Die Entscheidung, Ronen Bar als Shin-Bet-Chef zu entlassen, hat massive Proteste in Israel ausgelöst. Kritiker sehen darin einen Angriff auf die Demokratie. Hintergrund ist der anhaltende Streit zwischen Netanjahu und Bar: Der Geheimdienstchef hatte eine Untersuchung gegen enge Vertraute des Premierministers wegen des sogenannten „Qatargate“-Skandals eingeleitet. Dabei geht es um den Verdacht, dass hochrangige Netanjahu-Berater Gelder aus Katar erhalten haben, die möglicherweise Einfluss auf Israels Verhandlungen mit Katar und der Hamas über die Freilassung von Geiseln hatten.
Netanjahu hat wiederholt versucht, die Schuld für das Versagen vom 7. Oktober auf den Geheimdienst und das Militär abzuwälzen, indem er Rücktritte forderte – zuerst von Generalstabschef Herzi Halevi und dann von Ronen Bar.
Der Oberste Gerichtshof Israels wird nun am 8. April über die Ernennung Sharvits entscheiden. Möglich ist, dass die Richter die Ernennung blockieren, sie genehmigen oder eine Kompromisslösung finden, die Bars Ermittlungen zu Qatargate abschließen lässt, bevor Sharvit sein Amt antritt.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: IDF
Montag, 31 März 2025