Libanons Banken vor dem Aus? Israel-freundlicher Zentralbankchef setzt auf harte Reformen

Libanons Banken vor dem Aus? Israel-freundlicher Zentralbankchef setzt auf harte Reformen


Libanons neuer Zentralbankchef Karim Souaid schlägt Alarm: Banken müssen sich retten oder untergehen. Mit einem klaren Plan gegen Terrorfinanzierung und für kleine Sparer zeigt er Rückgrat – und das in einem Land, das nach dem Krieg gegen Hisbollah endlich aufatmen will.

Libanons Banken vor dem Aus? Israel-freundlicher Zentralbankchef setzt auf harte Reformen

Der Libanon steht am Scheideweg – und Karim Souaid, der neue Chef der libanesischen Zentralbank (Banque du Liban), hat keine Zeit für halbe Sachen. Am Freitag legte er seine Pläne offen: Die maroden Geschäftsbanken des Landes müssen sich rekapitalisieren, fusionieren oder dichtmachen. Nach Jahren der Korruption, einem Finanzkollaps 2019 und dem verheerenden Krieg zwischen Israel und der iranischen Terrorgruppe Hisbollah im letzten Jahr ist das Bankensystem des Libanons ein Trümmerfeld. Souaid, der mit einer frischen Perspektive antritt, will aufräumen – und das mit Maßnahmen, die nicht nur den kleinen Sparern Hoffnung geben, sondern auch Israels Sicherheitsinteressen unterstützen könnten.

Der Finanzcrash von 2019 war eine Katastrophe: Jahrzehntelange Verschwendung und Korruption der politischen Elite führten dazu, dass der Staat seine riesigen Schulden nicht mehr bedienen konnte. Die Währung brach zusammen, Banken froren Konten ein, und die Verluste im Finanzsystem werden auf etwa 72 Milliarden Dollar geschätzt. Millionen Libanesen verloren ihre Ersparnisse, während die Regierung kaum Reformen vorantrieb – blockiert von den gleichen Eliten, die das Land in den Abgrund stürzten. Die Weltbank nannte es 2022 treffend einen „von der herrschenden Klasse inszenierten Zusammenbruch“. Doch jetzt, nach dem Krieg, der Hisbollah schwer geschwächt hat, sieht Souaid eine Chance. „Die Priorität liegt bei den kleinen Sparern“, betonte er. Banken, die Zentralbank und der Staat müssten endlich Verantwortung übernehmen und die Gelder zurückzahlen.

Sein Plan ist radikal, aber klar: Banken sollen frisches Kapital aufbringen. Wer das nicht schafft oder will, muss mit anderen fusionieren. Und wer auch das verweigert, wird liquidiert – geordnet, mit Schutz der Sparerrechte, aber ohne Gnade. Die Botschaft ist unmissverständlich: Das alte System, das auf Vetternwirtschaft und Missmanagement basierte, hat ausgedient. Souaid will die öffentliche Schuld umstrukturieren und die Zentralbank unabhängig von politischem Druck machen. „Ich werde sicherstellen, dass diese nationale Institution unabhängig bleibt, frei von Einmischung und geprägt von Transparenz und Integrität“, versprach er. Das ist ein direkter Angriff auf die alte Garde, die den Libanon jahrelang ausgebeutet hat.

Kampf gegen Terror und Schattenwirtschaft

Souaid geht noch weiter: Er will die Terrorfinanzierung stoppen und die Parallelwirtschaft ausmerzen. Das ist Musik in den Ohren Israels und der USA, die Hisbollah seit Jahren im Visier haben. Die vom Iran unterstützte Gruppe, die den Libanon lange politisch und militärisch dominierte, nutzte das Finanzsystem des Landes, um ihre Operationen zu finanzieren – oft über Einrichtungen wie Al-Qard Al-Hassan, eine islamische „Kreditgenossenschaft“, die unter US-Sanktionen steht. Souaid nannte keine Namen, aber seine Worte waren eindeutig: „Jede Aktivität, die gegen das Geld- und Kreditgesetz verstößt, ist illegal und wird geschlossen.“ Das könnte das Ende solcher Schattenbanken bedeuten – ein Schritt, der den Libanon von der „grauen Liste“ der Financial Action Task Force (FATF) holen soll, auf die das Land letztes Jahr gesetzt wurde. Diese Liste schreckt Investoren ab, die der Libanon dringend braucht.

Die Schwächung Hisbollahs durch den Krieg mit Israel im letzten Jahr hat Souaid den Rückenwind gegeben, den er braucht. Die Gruppe, die einst unantastbar schien, hat an Einfluss verloren – und mit ihr die Netzwerke, die sie im Finanzsektor stützten. Souaid nutzt diesen Moment, um nicht nur die Wirtschaft zu retten, sondern auch internationale Partner wie die USA und Israel zu beruhigen. Die USA drängen darauf, Hisbollahs Geldflüsse zu kappen, und Souaids Fokus auf Geldwäsche und Terrorfinanzierung passt perfekt in dieses Ziel. Indem er politisch einflussreiche Personen und ihre Verwandten ins Visier nimmt, zeigt er, dass er es ernst meint – ein Bruch mit der Vergangenheit, als Korruption und Vetternwirtschaft die Zentralbank lähmten.

Ein Neuanfang für den Libanon – und ein Signal an Israel

Souaid übernimmt in einer Zeit des Umbruchs. Sein Vorgänger, Riad Salameh, verließ das Amt vor fast zwei Jahren mit einem Ruf, der durch den Finanzkollaps und Korruptionsvorwürfe ruiniert war. Der neue Premierminister Nawaf Salam hat bereits ein Programm mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) beantragt, der eine umfassende Strategie für die Wirtschaft fordert. Souaids Reformen sind ein erster Schritt – und sie könnten den Libanon wieder auf die Beine bringen. Für kleine Sparer, die seit 2019 auf ihr Geld warten, ist das ein Lichtblick. Für Israel ist es ein Zeichen, dass der Libanon endlich aufhört, ein Tummelplatz für Terroristen zu sein.

Doch der Weg ist steinig. Banken werden sich gegen Liquidation wehren, und die alte Elite wird nicht kampflos aufgeben. Dennoch hat Souaid einen Trumpf: Die Schwäche Hisbollahs und die Unterstützung einer neuen Regierung geben ihm Spielraum. Wenn er die Banken zwingt, Verantwortung zu übernehmen, und die Schattenwirtschaft zerschlägt, könnte der Libanon nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch stabiler werden – ein Gewinn für die Region und ein klares Signal an Israel, dass der Nachbar bereit ist, sich von seiner dunklen Vergangenheit zu lösen. Für die Menschen vor Ort zählt nur eines: dass ihre Ersparnisse zurückkommen und das Land wieder atmen kann. Souaid hat die Chance, Geschichte zu schreiben – wenn er den Mut hat, bis zum Ende durchzuziehen.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Von Karan Jain from Washington, DC, USA - had to take this one., CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16153821


Freitag, 04 April 2025

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