„Wir wollen nur raus“ – Immer mehr Palästinenser wollen den Gazastreifen verlassen„Wir wollen nur raus“ – Immer mehr Palästinenser wollen den Gazastreifen verlassen
Trotz öffentlicher Empörung über Umsiedlungspläne wächst in Gaza selbst der Wunsch nach Ausreise – besonders bei jungen Menschen.
Während die internationale Gemeinschaft vehement gegen jegliche Pläne zur Umsiedlung von Palästinensern aus Gaza protestiert, zeichnet sich vor Ort ein anderes Bild ab: Viele Menschen im Gazastreifen wollen schlicht nur noch weg. Hoffnung, Perspektive, Lebensqualität – all das ist für viele nur noch im Ausland denkbar.
Mehrere Palästinenser berichteten gegenüber BBC Arabic, dass sie ihr Leben im Gazastreifen nicht länger ertragen können. „Ich halte es nicht mehr aus, vor allem jetzt, wo der Krieg zurück ist“, sagte ein Mann namens Alaa. „Unser Leben ist jeden Tag in Gefahr. Ich will Gaza verlassen.“
Ola, eine Frau aus Jabalya, wurde noch deutlicher: „Die meisten Menschen hier wollen raus. Es gibt kein lebenswertes Leben mehr – kein richtiges Zuhause, kein gutes Essen, keine Arbeit, nichts. Selbst die grundlegendsten Dinge fehlen.“ Wer bleibt, so Ola, tue das oft nur, weil es keine realistische Möglichkeit zur Ausreise gebe. Sobald sich eine Chance biete, werde auch diese Gruppe gehen.
Vor allem junge Menschen suchen gezielt nach Wegen ins Ausland – über Stipendien oder zur Not auch durch illegale Mittel. „Die Alten bleiben zurück – nicht weil sie wollen, sondern weil sie nicht können“, sagte sie. „Viele sind krank oder verletzt und hoffen, in andere Länder zur Behandlung reisen zu können. Der Rest hat weder Geld noch Essen. Manche nicht einmal ein Zelt. Wenn sie eine Gelegenheit hätten, würden sie sofort gehen.“
Die Hoffnung vieler richtet sich auf arabische Nachbarstaaten oder auch weiter entfernte Länder wie Indonesien. Die jüngere Generation zieht es oft nach Europa – nach Deutschland, Belgien oder Griechenland.
Ein Mann namens Mahdi, der mit seiner Tochter nach Ägypten ausreisen konnte, erklärte gegenüber der BBC: „Ich komme nur zurück, wenn ich muss. Wir fliehen nicht aus freien Stücken. Aber soll man lieber unter den Trümmern sterben? Wir wollen leben.“
Die Entscheidung zur Ausreise sei keine Frage von Loyalität oder Verrat. „Manche sagen, wir verraten Gaza, wenn wir gehen – das ist Unsinn. Wir haben lange durchgehalten, aber irgendwann geht es nicht mehr. Wir wollen nicht sterben, sondern ein menschenwürdiges Leben.“
Ein weiterer Palästinenser, Ahmed, hofft darauf, mit seinem Bruder ein neues Leben aufzubauen. „Ich weiß, viele werden uns missverstehen. Aber wir wollen einfach ein Land, das uns aufnimmt, wo wir arbeiten und würdevoll leben können.“
Doch selbst legale Ausreisen scheitern häufig. Hadeel, eine Palästinenserin, die inzwischen in Jordanien lebt, berichtete, dass ihr Ehemann mit jordanischem Pass von Ägypten zurück nach Gaza geschickt wurde. Nun lebt sie allein mit ihren Töchtern – getrennt von ihrem Mann.
Laut einer im März veröffentlichten Umfrage von Gallup International würden mehr als die Hälfte der Befragten in Gaza das Gebiet verlassen – zumindest vorübergehend. 38 Prozent gaben an, sie würden gerne zeitweise ausreisen, 14 Prozent wollten dauerhaft weg, weitere 4 Prozent würden ihre Familienmitglieder in Sicherheit bringen.
Die Stimmen aus Gaza zeigen eine Realität, die viele im Westen nicht hören wollen: Es sind nicht nur politische Pläne, die Ausreisen befördern. Es ist der Wille vieler Palästinenser selbst.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild Pixabay
Samstag, 05 April 2025