Trump gegen Netanyahu: Wächst der Graben zwischen Washington und Jerusalem?Trump gegen Netanyahu: Wächst der Graben zwischen Washington und Jerusalem?
Einst demonstrative Einigkeit – jetzt sichtbare Differenzen: Trumps neue Linie im Nahen Osten sorgt für Irritationen in Israel.

By The White House from Washington, DC - President Trump Meets with Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86370089
Was vor wenigen Monaten noch wie ein Schulterschluss wirkte, beginnt sich in grundlegenden Fragen aufzulösen. Laut einem aktuellen Bericht von NBC News kriselt es hinter den Kulissen zwischen US-Präsident Donald Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanyahu – vor allem bei der Strategie gegenüber dem GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und dem Iran. Der bisherige Konsens: HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen muss entwaffnet, der Iran am Bau einer Atombombe gehindert werden. Doch die Wege dahin könnten unterschiedlicher kaum sein.
Trump, der nach dem 7. Oktober Waffenlieferungen an IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen beschleunigte und der IDF politische Rückendeckung gab, wendet sich nun offenbar einer neuen Vision zu: einem diplomatischen Friedensplan und dem Wiederaufbau Gazas – einem „Riviera des Nahen Ostens“, wie er es formulieren soll. Militärische Offensiven wie der aktuelle Vorstoß der IDF würden diesen Plan nur erschweren, so Trump intern. Diese Haltung, so berichten anonyme US- und Nahostbeamte, stoße in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen auf Unverständnis.
Netanyahu indes bleibt hart in seiner Linie: Kein Wiederaufbau ohne vollständige Entwaffnung der Hamas, keine Zugeständnisse an den Iran. Der israelische Regierungschef ist alarmiert über Trumps Gesprächsbereitschaft mit Teheran – insbesondere über Überlegungen, dem iranischen Regime eine begrenzte Urananreicherung zu erlauben. Für Israel, das Teherans Atomprogramm als existentielle Bedrohung betrachtet, wäre das ein gefährlicher Rückschritt. Dass Trump sich in dieser Frage noch nicht endgültig positioniert hat, sorgt für zusätzliche Unruhe in Jerusalem.
Ein weiterer Reibungspunkt: die US-Militärpolitik im Jemen. Trump hat jüngst entschieden, sich aus der militärischen Konfrontation mit den vom Iran unterstützten HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Milizen zurückzuziehen – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem diese Raketen auf Israel abfeuern. Netanyahu soll diese Entscheidung während eines Besuchs im Weißen Haus kalt erwischt haben. Die Botschaft: Israel kann nicht mehr bedingungslos auf Washingtons militärische Unterstützung zählen.
Dass Republikaner wie Tom Cotton und Lindsey Graham Trumps Iranpolitik öffentlich kritisieren und auf eine harte Linie gegenüber Teheran drängen, zeigt, dass auch im eigenen Lager Unmut wächst. Beide fordern, dass jeder neue Iran-Deal dem Senat zur Ratifizierung vorgelegt wird – eine klare Warnung an den Präsidenten, keine Alleingänge zu wagen.
Gleichzeitig kursieren Berichte, dass die USA nicht länger darauf bestehen, eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Israel als Voraussetzung für eine nukleare Zusammenarbeit mit dem Königreich durchzusetzen. Diese Kehrtwende deutet auf eine geopolitische Umorientierung Washingtons. Trump will offenbar Flexibilität zeigen – auch gegenüber Palästinensern und Syrern. Medien aus der arabischen Welt berichten, dass er sich in Saudi-Arabien mit Mahmud AbbasPLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen und dem syrischen Präsidenten Abu Mohammad al-Julani treffen will. Letzterer ist der Anführer der Dschihadistenmiliz Hayat Tahrir al-Sham, die von den USA als Terrororganisation eingestuft wird – ein diplomatisch mehr als heikler Schritt.
Trotz aller Spannungen versichert das Weiße Haus, man stehe weiterhin fest an der Seite Israels und werde alles tun, um eine iranische Atombombe zu verhindern. Doch zwischen diplomatischen Gesten und strategischer Verlässlichkeit klafft inzwischen eine gefährliche Lücke. Israel spürt sie deutlich – und reagiert zunehmend irritiert auf die Wandlungen eines US-Präsidenten, der einst als bedingungsloser Verbündeter galt.
Autor: Redaktion
Sonntag, 11 Mai 2025