Ablenkungsmanöver im Schatten der Gewehre: Abbas’ Libanonreise ist kein FriedenszeichenAblenkungsmanöver im Schatten der Gewehre: Abbas’ Libanonreise ist kein Friedenszeichen
Der Besuch von Mahmud Abbas in Beirut wirkt wie ein diplomatischer Schritt – doch wer genauer hinsieht, erkennt ein altbekanntes Spiel. Während in den palästinensischen Flüchtlingslagern der Libanon weiter auf Pulverfässern sitzt, bleibt die Frage: Wer hält hier wirklich die Fäden in der Hand?

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Drei Tage lang will sich Mahmud AbbasPLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen, der alternde Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, in Beirut aufhalten – ein „besonderer“ Besuch, wie ihn libanesische Medien nennen. Dabei stehen weniger Versöhnung oder politische Visionen im Mittelpunkt, sondern vor allem eine gefährliche Gemengelage: die unkontrollierte Bewaffnung palästinensischer Fraktionen in den Flüchtlingslagern des Libanon. Abbas selbst versucht, mit gemeinsamen Pressekonferenzen und diplomatischem Vokabular Stärke und Kontrolle zu demonstrieren. Doch der Schein trügt.
Nach seinem Treffen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun unterzeichnete Abbas eine gemeinsame Erklärung: Künftig solle die alleinige Waffenhoheit in den Händen des libanesischen Staates liegen. Eine Forderung, die richtig klingt – aber vor allem zeigt, wie tief das eigentliche Problem reicht. Denn was auf dem Papier geschrieben steht, steht in krassem Gegensatz zur Realität in den Lagern von Sidon, Tripoli oder im Süden des Landes. Dort herrschen längst nicht mehr FatahFatah: Von Arafats Kampfbewegung zur erstarrten Machtpartei der PalästinenserFatah ist eine säkular-nationalistische palästinensische Bewegung, die Ende der 1950er Jahre um Jassir Arafat entstand. Sie wurde zur dominierenden Kraft in der PLO und prägt bis heute die Palästinensische Autonomiebehörde.Mehr lesen oder PLO, sondern ein wildes Geflecht militanter Gruppierungen – mit offener Loyalität gegenüber der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, dem Iran oder direkt zur HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen.
Ausgerechnet aus dem Hisbollah-nahen Blatt al-Akhbar ist zu hören, dass libanesische Sicherheitskräfte Abbas gegenüber deutlich gemacht haben, dass die palästinensischen Gruppen selbst Verantwortung übernehmen müssten – Verantwortung dafür, ihre eigenen Waffenarsenale zu kontrollieren, bevor es zu einem neuen Blutbad kommt. Doch gerade diese Gruppen entziehen sich jeder Kontrolle durch Abbas’ Autorität. Sein Einfluss auf die Lager ist, wenn überhaupt, symbolischer Natur. Seine Fatah mag zwar in Teilen des Westjordanlands mit eiserner Faust regieren – aber im Libanon haben andere längst das Kommando übernommen.
Die neuen Anweisungen, wonach Fatah-Kämpfer in den Lagern von Tyros keine Waffen mehr tragen und auf militärische Kleidung verzichten sollen, wirken wie eine kosmetische Maßnahme. Solche Befehle entfalten allenfalls in Medien eine gewisse Wirkung – nicht jedoch zwischen den engen Gassen der überfüllten Lager, wo Rivalitäten, Racheakte und Ideologien das tägliche Leben bestimmen. Die eigentlichen Drahtzieher – Hamas, Islamischer DschihadIslamischer Dschihad: Irans Terrorpartner gegen IsraelDer Islamische Dschihad ist eine palästinensische Terrororganisation, die Anfang der 1980er Jahre entstand. Sie lehnt Israel ab, wird stark vom Iran unterstützt und verfügt mit den Al Quds Brigaden über einen bewaffneten Arm.Mehr lesen oder Hisbollah – werden nicht von Abbas befehligt. Und sie haben kein Interesse daran, ihre Waffen niederzulegen, solange sie mit diesen Gewehren Macht ausüben, Schutzgelder kassieren und gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen agitieren können.
Die Realität ist: Die Lager sind längst Miniaturen eines gescheiterten Staates, in dem Recht und Ordnung dem Faustrecht gewichen sind. Die libanesische Armee traut sich nicht einmal ohne vorherige Vereinbarung in die Lager. Eine schlichte Razzia könnte eine offene bewaffnete Konfrontation auslösen. Genau deshalb bemühen sich libanesische Stellen derzeit, wenigstens irgendein Konstrukt zu schaffen, das eine Entwaffnung ermöglicht – etwa durch ein gemeinsames palästinensisch-libanesisches Komitee. Doch auch dieser Vorschlag ist Wunschdenken.
Noch aussichtsloser ist die Forderung, dass die Palästinensische Autonomiebehörde sämtliche Waffen zentralisiert und dann an den libanesischen Staat übergibt. Selbst in den Gebieten, die sie eigentlich verwaltet – im Westjordanland – gelingt Abbas keine Entwaffnung extremistischer Zellen. Wie also soll er diese Kontrolle ausgerechnet im Libanon ausüben, wo er kaum politisches Gewicht besitzt?
Die Pressekonferenz mit Joseph Aoun endete, wie solche Treffen enden: mit scharfer Rhetorik gegen Israel. Abbas und Aoun verurteilten die „israelische Aggression gegen den GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“ und forderten internationale Akteure wie Frankreich und die USA auf, Druck auf Israel auszuüben. Wieder einmal war Israel das einfache Ziel, um von der eigenen Ohnmacht abzulenken.
Wer genau hinhört, merkt: Hier wird ein gefährliches Schauspiel inszeniert. Während Abbas vorgibt, für Stabilität zu sorgen, ignoriert er, dass es sein politisches Lager selbst war, das mit dem bewaffneten „Widerstand“ das heutige Chaos vorbereitet hat. Heute sind es jene palästinensischen Milizen, die nicht nur dem Libanon, sondern auch Israel gefährlich werden könnten. Brandstifter sitzen längst nicht nur in Gaza, sondern auch südlich von Beirut.
Der Besuch von Abbas in Beirut ist deshalb kein Schritt hin zum Frieden – sondern ein Symbol der Verdrängung. Die Verantwortung wird hin- und hergeschoben, doch niemand handelt. Und so bleibt das, was Abbas beschwört, vor allem eines: eine diplomatische Kulisse für ein längst außer Kontrolle geratenes Pulverfass.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 22 Mai 2025