Hamas in Kairo: Poker um Zeit, nicht um FriedenHamas in Kairo: Poker um Zeit, nicht um Frieden
Offiziell geht es um eine „Gesamtlösung“. In Wahrheit will die Hamas nur eins: ihren Griff um Gaza behalten – bewaffnet, ungebrochen und auf Kosten der Geiseln.

Wieder ist Kairo die Kulisse. Wieder reisen Unterhändler an, wieder drehen sich die Schlagzeilen um „Chancen auf einen Durchbruch“. Doch wer genauer hinhört, erkennt schnell: Es ist nicht der Frieden, der in diesen Tagen in Ägypten verhandelt wird – es ist Zeit. Zeit, die die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen dringend braucht, um ihre Macht zu sichern, ihre Bewaffnung zu bewahren und ihren politischen Überlebenskampf zu führen.
Angeführt wird die Delegation von Khalil al-Hayya, einem der ranghöchsten Hamas-Funktionäre. Laut Berichten aus katarischen und ägyptischen Quellen soll in Kairo nicht nur über den bekannten „Witkoff-Plan“ gesprochen werden, sondern auch über eine sogenannte „Gesamtlösung“ – ein Begriff, der nach Hoffnung klingt, aber inhaltlich Gift ist. Denn die Kernforderung der Hamas steht fest: Kein Wort, kein Komma über Entwaffnung.
Die arabischen Vermittler – vor allem Ägypten und Katar – arbeiten fieberhaft an einer Formel, die IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen Sicherheit und den USA ein diplomatisches Erfolgssignal bieten soll. Aber parallel warnen sie: Sollte Israel GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen vollständig erobern, würden „weitere Geiseln sterben“. Es ist ein Drohszenario, das den zynischen Kern dieser Gespräche offenlegt – die Geiseln sind keine humanitäre Bürde für die Hamas, sondern eine Verhandlungswährung.
Besonders auffällig ist, wie hart der ägyptische Druck in den letzten Tagen geworden ist. Kairo soll Hamas-Funktionäre offen dafür verantwortlich gemacht haben, dass Waffenstillstandsverhandlungen scheiterten – und sie direkt beschuldigt haben, ihre Macht in Gaza um jeden Preis erhalten zu wollen. Diese Vorwürfe sind keine Nebensätze: Sie legen offen, dass selbst enge regionale Partner inzwischen die Doppelstrategie der Hamas durchschauen.
Gleichzeitig zieht Ankara im Hintergrund Fäden. Türkische Diplomaten sollen laut arabischen Medien die Eiszeit zwischen Hamas und Ägypten mit einem gezielten Vorstoß aufgetaut haben – mit persönlichen Treffen, hochrangigen Kontakten und dem Besuch des türkischen Außenministers in Kairo. Doch auch hier gilt: Die neue Gesprächsbereitschaft ist weniger Versöhnung als taktische Notwendigkeit.
Der sogenannte neue Verhandlungsrahmen enthält Elemente, die auf den ersten Blick pragmatisch klingen: eine mindestens 60-tägige Feuerpause, begleitet von einem umfassenden Geiselaustausch, während Israel sich aus dem Inneren Gazas zurückzieht und nur in Grenznähe verbleibt. Doch der entscheidende Punkt ist: Die „bewaffnete Opposition“ – in Klartext die Hamas – soll in ihren Stellungen bleiben dürfen. Das wäre nichts anderes als ein politisch abgesegneter Neustart für den nächsten Krieg.
Und die Hamas gibt sich auch gar keine Mühe, diesen Anspruch zu verbergen. Bassam Naim, einer ihrer führenden Köpfe, erklärte vor laufender Kamera, die Entwaffnung stehe „nicht zur Debatte“. Er wiederholte die altbekannte Linie: Solange Israel als „Besatzungsmacht“ betrachtet wird, sei bewaffneter Widerstand ein „Recht“. In seiner Rhetorik steckt die Grundhaltung, die seit Jahrzehnten jeden ernsthaften Friedensversuch scheitern lässt – das Ziel ist nicht Koexistenz, sondern Konfrontation.
Interessant ist auch das „Maximalangebot“, das Naim in denselben Atemzug stellte: vollständiger Rückzug Israels, offene Grenzen, Wiederaufbau – und eine Feuerpause von fünf bis sieben Jahren, während der über eine „endgültige Lösung“ verhandelt wird. Jeder, der die Geschichte der Hamas kennt, weiß: Eine solche Feuerpause ist keine Abrüstung, sondern eine Regenerationsphase.
Die nüchterne Wahrheit lautet: Diese Verhandlungen in Kairo sind kein Vorlauf zum Frieden, sondern eine Bühne für politischen Selbsterhalt. Die Hamas pokert, und sie pokert mit Menschenleben. Sie weiß, dass internationale Vermittler Angst vor einer israelischen Bodenoffensive haben, und sie nutzt diese Angst gezielt. Jeder Tag, den sie herausschlagen kann, ist ein Tag, an dem ihre Tunnel intakt bleiben, ihre Raketenlager gefüllt und ihre Kommandozentralen geschützt werden.
Wer in diesen Tagen wirklich Frieden will, darf sich von den Schlagworten „Gesamtlösung“ oder „Verhandlungspaket“ nicht täuschen lassen. Der Schlüssel liegt nicht in weiteren Pausen, sondern in einer klaren Entscheidung: Entweder eine nachhaltige Entwaffnung der Hamas – oder ein weiterer, noch blutigerer Krieg in naher Zukunft.
Autor: Redaktion
Montag, 11 August 2025