Israel zieht die Reißleine: Beziehungen zu Brasilien abgekühltIsrael zieht die Reißleine: Beziehungen zu Brasilien abgekühlt
Brasiliens Präsident Lula da Silva hat mit seinen Vergleichen Israels mit den Nazis eine Grenze überschritten. Jerusalem reagiert nun offiziell – und stuft die diplomatischen Beziehungen herab.

By Palácio do Planalto from Brasilia, Brasil - Foto Oficial do Presidente da República, Luiz Inácio Lula da Silva, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=129117223
IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen hat seine diplomatischen Beziehungen zu Brasilien auf ein neues Tief geführt. Der Schritt erfolgte, nachdem Brasília die Ernennung des israelischen Diplomaten Gali Dagan zum Botschafter verweigerte – eine klare politische Botschaft. Offiziell heißt es aus dem Außenministerium in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen, die jüngste Haltung Brasiliens sei nicht nur kritisch, sondern offen feindselig. Ausschlaggebend war insbesondere der wiederholte Vergleich des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva zwischen Israels Vorgehen in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und den Verbrechen der Nationalsozialisten. Für Israel ist dies nicht nur eine unhaltbare Entgleisung, sondern ein Schlag ins Gesicht der historischen Wahrheit.
Die Entwicklung ist nicht isoliert zu sehen, sondern reiht sich in eine lange Kette von Spannungen ein. Schon im Februar 2024 hatte Lula Israel beschuldigt, in Gaza einen „Genozid“ zu verüben – eine Wortwahl, die international für Empörung sorgte. Damals erklärte Israels Außenminister Katz den Präsidenten zur unerwünschten Person und bestellte den brasilianischen Botschafter demonstrativ in die HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen-Gedenkstätte Yad VashemShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen ein. Brasília empfand dies als Demütigung und zog seinen Gesandten zurück. Damit war ein diplomatischer Riss entstanden, der nun vertieft wird.
Doch die Konflikte zwischen Lula und Israel reichen weiter zurück. Bereits 2010, während seiner ersten Amtszeit, irritierte Lula die israelische Öffentlichkeit, indem er in Jerusalem eine Ehrung am Grab Theodor Herzls verweigerte. Stattdessen posierte er in Ramallah mit einer Kufiya und ehrte Jassir ArafatPLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen, den verstorbenen PLOPLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen-Führer. Dieses Bild prägte das Verhältnis nachhaltig: Es zeigte Lula als jemanden, der das Narrativ der Palästinenser über das Selbstverständnis des jüdischen Staates stellt.
Die jetzige Entscheidung Jerusalems hat praktische und symbolische Dimensionen. Praktisch bedeutet sie: keine neue Botschafterbestellung in Brasília. Symbolisch markiert sie eine klare Grenze – Israel lässt sich nicht auf Vergleiche mit den Nazis reduzieren und erwartet von Partnerstaaten einen Mindestmaß an Respekt gegenüber seiner Geschichte und seiner Souveränität.
Gleichzeitig betonte das Außenministerium, man stehe weiterhin in engem Kontakt mit „den zahlreichen Freunden Israels in Brasilien“. Damit soll klar signalisiert werden: Der Bruch richtet sich nicht gegen das brasilianische Volk, sondern gegen einen Präsidenten, der mit seiner Rhetorik alte antisemitische Muster bedient.
Für Brasilien wiederum ist der Schritt heikel. Als aufstrebende Regionalmacht in Lateinamerika versucht das Land, eine Rolle als Mittler im Nahostkonflikt einzunehmen – doch die jüngsten Ausfälle Lulas haben diese Ambitionen weitgehend diskreditiert. In Israel bleibt der Eindruck zurück, dass Lula nicht vermitteln, sondern Partei ergreifen will – und zwar auf eine Weise, die Erinnerungen an die dunkelsten Kapitel der jüdischen Geschichte missbraucht.
Autor: Redaktion
Dienstag, 26 August 2025