Israels Preis des Krieges: Über 40 Prozent der Gefallenen sind kaum erwachsen

Israels Preis des Krieges: Über 40 Prozent der Gefallenen sind kaum erwachsen


Das israelische Verteidigungsministerium hat neue Zahlen veröffentlicht: Seit dem 7. Oktober 2023 fielen 1.152 Soldaten – mehr als 40 Prozent von ihnen waren jünger als 21 Jahre. Über 6.500 Angehörige wurden in Israels Kreis der Trauer aufgenommen. Eine Generation zahlt den höchsten Preis für die Verteidigung ihres Landes.

Israels Preis des Krieges: Über 40 Prozent der Gefallenen sind kaum erwachsen

1.152 israelische Soldaten sind seit dem 7. Oktober gefallen. Mehr als 40 Prozent von ihnen waren noch keine 21 Jahre alt – junge Männer und Frauen, die ihren Militärdienst ableisteten, viele von ihnen erst kurz zuvor volljährig geworden.

Das Verteidigungsministerium in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen veröffentlichte am Montag die neuen offiziellen Daten. Sie zeichnen ein Bild des unermüdlichen, aber auch tragischen Einsatzes jener Generation, die IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen in den dunkelsten Tagen seit Jahrzehnten verteidigt hat.

141 der Gefallenen waren über 40 Jahre alt – ReservistenReservisten: Israels Bürger in UniformReservisten sind frühere Soldaten, die nach ihrem aktiven Dienst weiter für Einsätze, Übungen oder Kriegsfälle bereitstehen. In Israel heißen sie im Alltag oft Miluim und sind für die Verteidigungsfähigkeit des Landes besonders wichtig.Mehr lesen, Berufssoldaten, Beamte, Mitglieder von Spezialeinheiten und Sicherheitskräften. Doch die Mehrheit waren junge Rekruten, Wehrdienstleistende, die ihr Land nicht aus Karrieregründen verteidigten, sondern aus Pflicht, Überzeugung – und Liebe.

„In den letzten zwei Jahren dieses Krieges haben wir so viele Beerdigungen abgehalten wie in 26 Jahren zuvor“, sagte Arie Moalem, Leiter der Abteilung für Gedenk- und Familienangelegenheiten im Verteidigungsministerium. „Über 6.500 Menschen wurden in den Kreis der Trauer aufgenommen. Wir erreichten zeitweise 90 Beerdigungen an einem einzigen Tag.“

Diese Worte sind keine rhetorische Zuspitzung. Sie beschreiben die Realität eines Landes, in dem fast jede Familie jemanden kennt, der gefallen ist. Seit Beginn des Krieges gegen HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und deren Verbündete kämpft Israel an mehreren Fronten: im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, an der Grenze zum Libanon, im Westjordanland, im Süden gegen HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Angriffe – und im Inneren gegen die ständige Bedrohung durch TerrorzellenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen.

Die Zahl der Trauernden wächst unaufhörlich. Nach Angaben des Ministeriums zählen inzwischen 1.973 Eltern, 351 Witwen, 885 Waisen und 3.481 Geschwister zu Israels trauernden Familien. Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Name, ein Gesicht, ein unvollendetes Leben.

Viele dieser jungen Gefallenen waren Kinder des Friedensprozesses, aufgewachsen mit der Hoffnung, dass die Generation ihrer Eltern ihnen ein ruhigeres Land hinterlassen würde. Doch sie fanden sich in einem Krieg wieder, der Israel existenziell bedroht – und der gleichzeitig den moralischen Kompass der Welt prüft.

Die Knesset behandelte das Thema zuletzt am 25. September in einem Ausschuss für Personalwesen der Streitkräfte. Dort schilderten Geschwister gefallener Soldaten ihre Enttäuschung über die schleppende Unterstützung des Staates. Eine junge Frau, deren Bruder im Kampf in Gaza fiel, sagte: „Wir haben ihn verloren – und jetzt verlieren wir uns selbst. Niemand bereitet uns auf das Leben danach vor.“

Solche Stimmen hallen in Israel nach, weil sie mehr sind als individuelle Klage. Sie zeigen, wie tief der Schmerz reicht – und wie groß der moralische Riss geworden ist, der durch die israelische Gesellschaft geht.

Während Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Yoav Gallant weiterhin die Notwendigkeit des Kampfes betonen, wächst im Land die Erkenntnis, dass dieser Krieg nicht nur militärisch, sondern auch seelisch geführt wird. Der Verlust so vieler junger Leben stellt Israel vor die schwerste Aufgabe seiner Geschichte: zu trauern, ohne zu zerbrechen – zu kämpfen, ohne zu verrohen.

Auf dem Herzl-Berg in Jerusalem, wo jede Woche neue Namen in den Stein graviert werden, verweben sich Schmerz und Stolz. Es ist der Ort, an dem Israels Jugend zu Symbolen wird: nicht für Krieg, sondern für Hingabe.

Diese Generation, kaum erwachsen, trägt die Last der Verteidigung eines ganzen Landes – und beweist, dass Israels Stärke nicht nur in Waffen, sondern im unerschütterlichen Willen liegt, zu überleben.




Autor: Redaktion
Mittwoch, 08 Oktober 2025

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