Papstbesuch im Libanon: Wie die Hisbollah ihre Gewalt unter religiöser Rhetorik verstecktPapstbesuch im Libanon: Wie die Hisbollah ihre Gewalt unter religiöser Rhetorik versteckt
Während der Papst auf seiner Reise durch die Region Zeichen der Offenheit setzt, nutzt die Hisbollah seine Ankunft im Libanon für eine politische Theateraufführung. Ein Terrorapparat, der Christen ermordet und Juden vertreibt, spricht plötzlich von „Dialog“ und „Rechten“. Für die letzten Juden des Landes ist das ein Hohn – und für den Libanon eine bittere Wahrheit über seine Gegenwart.
Der Empfang für Papst Leo XIV in der islamischen Welt hätte ein Moment religiöser Verständigung sein können. Sein Besuch in der Blauen Moschee von Istanbul, barfuß und respektvoll, sollte ein Zeichen des Zuhörens setzen. Doch kaum kündigte sich seine Weiterreise nach Beirut an, meldete sich die Hisbollah mit einer Erklärung zu Wort, die offenbart, wie perfide eine Terrororganisation Sprache missbrauchen kann, um ihre eigene Gewalt zu verdecken.
In ihrem Statement feiert sich die Hisbollah als Hüterin der „zivilisatorischen Verbindung“ zwischen Islam und Christentum – in einem Land, in dem Christen bedroht, eingeschüchtert und ermordet wurden. Die gleichen Funktionäre, die heute den Papst begrüßen, ließen noch vor wenigen Jahren den christlichen Politiker Elias Hasrouni liquidieren, wie israelische Ermittler 2023 nachwiesen. Wenig später wurde Pascal Sleiman entführt und tot aufgefunden – ein weiterer Christ, der sich gegen die Macht der Miliz gestellt hatte. Der Appell der Hisbollah an Toleranz und Menschenrechte ist vor diesem Hintergrund nicht nur eine Lüge. Er ist eine bewusste Verhöhnung der Opfer.
Noch absurder wird es, wenn die Terrororganisation von „Rechten anderer“ spricht. Der Libanon zählt heute kaum mehr als hundert jüdische Menschen – und auch sie leben im Verborgenen, ohne Gemeinde, ohne Synagogenleben, ohne sichtbare Identität. Sie sind Überlebende einer jahrzehntelangen Kampagne aus antisemitischer Einschüchterung, politischer Hetze und realer Gewalt. Die Hisbollah präsentiert sich dennoch als moralische Autorität – und erwartet, ernst genommen zu werden.
Die Erklärung der Miliz wäre bloß lächerlich, wenn sie nicht so gefährlich wäre. Denn sie richtet sich nicht in erster Linie an den Papst, sondern an ein internationales Publikum, das in der Region nach Dialog sucht und jede Geste der Kooperation dankbar aufgreift. Die Hisbollah versucht, daraus politisches Kapital zu schlagen. Sie tarnt ihren Griff nach dem libanesischen Staat als Teil eines „gemeinsamen Weges“ der Religionen, während sie gleichzeitig iranische Interessen mit Waffengewalt durchsetzt und das Leben der libanesischen Bevölkerung in ständige Unsicherheit zwingt.
Auch der Vorwurf „Genozid“ gegenüber Israel ist Teil dieses propagandistischen Manövers. Seit dem 8. Oktober 2023 feuert die Hisbollah Raketen auf israelische Ortschaften, ohne jeden Schutz der eigenen Zivilbevölkerung und ohne Rücksicht auf den libanesischen Süden, der die Hauptlast ihrer „Solidarität mit Hamas“ trägt. Im gleichen Atemzug inszeniert sie sich als Kämpferin für Menschenrechte und als Schutzmacht der Unterdrückten. Die Wirklichkeit ist das Gegenteil: Die Hisbollah instrumentalisiert jede Krise, um ihre eigene Macht auszubauen – und versucht, die Folgen ihrer Entscheidungen stets jemand anderem anzulasten.
Auffällig bleibt auch der Ablauf des Papstbesuchs in der Türkei. Zwar betrat Leo die Blaue Moschee in einer Geste des Respekts, doch der geplante Empfang durch die staatliche Religionsbehörde fand nicht statt. Stattdessen versuchte der Vatikan später, Missverständnisse auszuräumen – ein diplomatischer Reflex, der zeigt, wie sensibel die Lage geworden ist. Dass selbst ein Pontifex, der alles vermeidet, was provozieren könnte, zwischen politischen Fronten manövriert, verdeutlicht die Fragilität der Region.
Der Papst kommt nach Beirut mit der Idee, Brücken zu bauen. Doch sein Besuch verläuft im Schatten einer Organisation, die Brücken sprengt. Die Hisbollah nutzt jedes diplomatische Ereignis, um ihre Macht zu legitimieren – und sie weiß, dass die internationale Öffentlichkeit zu oft bereit ist, ihre Worte ernster zu nehmen als ihre Taten.
Wenn es ein Moment der Klarheit braucht, dann jetzt: Die Worte der Hisbollah über „Koexistenz“ und „Souveränität“ sind nicht Ausdruck von Dialogbereitschaft. Sie sind ein politisches Produktionsstück. Der Libanon verdient etwas anderes als diese Maskerade – und die letzten jüdischen, christlichen und freiheitlich gesinnten Menschen im Land wissen, wie hoch der Preis dieser Täuschung wirklich ist.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Edgar Beltrán, The Pillar - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=165144713
Samstag, 29 November 2025