Damaskus inszeniert Schwäche – und macht Israel dennoch zum FeindbildDamaskus inszeniert Schwäche – und macht Israel dennoch zum Feindbild
Syriens Führung behauptet, Israel wolle das Land in einen Konflikt ziehen. Hinter den Vorwürfen steht ein Regime, das die eigene Ohnmacht kaschiert und internationale Bühnen für alte Feindbilder nutzt.
Die jüngsten Äußerungen aus Damaskus fügen sich nahtlos in ein bekanntes Muster ein: Syrische Spitzenfunktionäre erklären Israel wieder einmal zum zentralen Störfaktor der Region – und verschweigen dabei, dass die größten Bedrohungen für das syrische Volk längst aus dem Innern kommen. Hamza al-Mustafa, ein ranghoher Vertreter des syrischen Nachrichtendienstes, warf Israel in einem Interview vor, das Land durch „Provokationen“ bewusst in einen neuen Konflikt treiben zu wollen. Die Worte verraten weniger über Israel, dafür mehr über die fragile Lage des syrischen Machtapparats.
Mustafa erklärte offen, Syrien befinde sich „nicht in einer Position der Stärke“. Eine seltene, beinahe unbeabsichtigte Wahrheit eines Regimes, das sich wirtschaftlich wie politisch kaum noch über Wasser hält. Dennoch gelang es ihm, die vertraute Dramaturgie aufrechtzuerhalten: Er warnte, Syrien werde „kein Ausgangspunkt“ für Angriffe auf Nachbarstaaten sein, versprach aber zugleich, jede israelische „Aggression“ mit allen Mitteln zu beantworten. Dieser Spagat aus Schwächegeständnis und martialischer Rhetorik dient vor allem einem Zweck: das eigene Publikum zu beruhigen und Israel als ständige Bedrohung zu inszenieren.
Der syrische Außenminister Asaad Hassan al-Shaibani nutzte den Vorfall in Beit Dschann – bei dem mehrere israelische Soldaten verletzt wurden, als sie zwei Terrorverdächtige festsetzten – ebenfalls für politische Theaterkulisse. Statt die Präsenz bewaffneter Akteure entlang der Grenze zu thematisieren, beschuldigte er Israel, „den regionalen Frieden“ zu gefährden, und forderte sowohl UN als auch Arabische Liga auf, Maßnahmen gegen Jerusalem zu ergreifen. Dass terroristische Netzwerke in diesem Gebiet operieren, die sich bewusst der syrischen Staatskontrolle entziehen, blieb unerwähnt.
Noch deutlicher wurde Syriens UN-Vertreter Ibrahim Alabi, der von einer Verletzung syrischer Souveränität sprach. Doch Souveränität ist genau jenes Gut, das das Land längst verloren hat: in Teilen an Iran und dessen Stellvertreterorganisationen, in Teilen an russische Militärpräsenz, in Teilen an lokale Milizen und Warlords, die ganze Regionen dominieren. Ausgerechnet dieses Damaskus beschwört nun internationales Recht, während es selbst die territoriale Kontrolle über große Teile des Landes eingebüßt hat.
Die Logik dahinter ist so durchschaubar wie alt: Indem die syrische Staatsführung Israel zur Ursache aller Instabilität erklärt, verwischt sie eigene Verantwortlichkeiten. Zugleich soll die internationale Bühne genutzt werden, um das Bild eines Landes zu zeichnen, das Opfer äußerer Mächte sei – nicht eines Regimes, das über Jahre Gewalt gegen die eigene Bevölkerung einsetzte und den Einfluss Teherans freiwillig in sein Staatsgefüge integrierte.
Israel hat in den vergangenen Jahren wiederholt klargemacht, dass es Angriffe auf seine Soldaten, Raketenstellungen an der Grenze und die militärische Infrastruktur iranischer Stellvertreter nicht ignorieren kann. Die syrische Führung weiß das – und sie weiß ebenso gut, dass die Eskalationsgefahr nicht von Jerusalem ausgeht, sondern von den militärischen Netzwerken, die sich in ihrem eigenen Territorium ausbreiten.
Der aktuelle Ton aus Damaskus zeigt vor allem eins: ein Regime, das darum ringt, Kontrolle zu demonstrieren, wo kaum Kontrolle geblieben ist. In dieser Lage dient der Verweis auf Israel als letztes politisches Werkzeug, um Schwäche zu übertünchen und die internationale Aufmerksamkeit umzulenken.
Wer genau hinsieht, erkennt: Nicht Israel versucht Syrien in einen Konflikt zu ziehen. Es ist Damaskus, das den Konflikt braucht, um die eigene Bedeutung zu retten.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert
Sonntag, 30 November 2025