Liebe Leserinnen und Leser,
haOlam.de wird privat betrieben – ohne Verlag, ohne Unterstützung durch Institutionen. Damit wir unsere Arbeit auch 2026 fortführen können, möchten wir bis Jahresende mindestens 6.000 Euro erreichen, ideal wären 10.000 Euro. Jeder Beitrag hilft – auch kleine Beträge machen einen Unterschied.
Rätsel um Rafah: Wer waren die zwei Männer, die aus den Tunneln flohen?

Rätsel um Rafah: Wer waren die zwei Männer, die aus den Tunneln flohen?


Zwei Gestalten tauchen aus dem Staub der zerstörten Tunnel auf – und plötzlich steht die Frage im Raum, ob Israel soeben die ranghöchsten Terrorverantwortlichen im Osten von Rafah erwischt hat. Die Unsicherheit ist groß, doch der Moment offenbart, wie nah das Ende eines der hartnäckigsten Netzwerke im Süden Gazas sein könnte.

Rätsel um Rafah: Wer waren die zwei Männer, die aus den Tunneln flohen?

Die Meldung aus dem Süden des Gazastreifens kam am frühen Morgen: Zwei Terroristen, die aus dem verzweigten Tunnelsystem im Osten von Rafah an die Oberfläche gelangt waren, wurden aus der Luft ausgeschaltet. Von außen mag dieses Gefecht wie eines von vielen erscheinen, doch diesmal war etwas anders. Die beiden tauchten allein aus der Tiefe auf – nicht als Teil einer Gruppe, wie es in den vergangenen Wochen in der Region üblich war. Genau dieser Umstand lässt die Sicherheitsbehörden nun prüfen, ob es sich bei ihnen um den Kommandeur des sogenannten Ost-Rafah-Bataillons – in Israel als „Magd Dschanina“ bezeichnet – und seinen Stellvertreter handeln könnte. Es wäre ein Schlag, der das gesamte verbliebene Hamas-Gefüge in der Region empfindlich treffen würde.

Noch gibt es keine Bestätigung. Das zerstörte Gebäude in der Dschanina-Nachbarschaft liefert zwar zwei Leichen, aber keine eindeutigen Identifikationsmerkmale. Die Armee betont, dass die Lage unübersichtlich bleibt und dass das Verfahren zur Feststellung der Identität sorgfältig durchgeführt wird. Wer das Tunnelsystem kennt, weiß, wie oft die Luft zwischen Vermutung und Gewissheit flimmert. Die Kommandeure der Hamas bewegen sich seit Monaten kaum noch im Freien, und genau deshalb wäre ihre plötzliche Flucht ein Zeichen äußerster Verzweiflung.

Die letzten Reste eines bröckelnden Systems

Seit Wochen kämpft Israel in den Tiefen unter Rafah gegen eine Struktur, die die Hamas über Jahre hinweg aufgebaut hat. Die Tunnel des östlichen Rafah-Korridors waren einst Rückzugsraum, Waffendepot, Gefechtsstand und Lebensader für Terrorzellen, die sich den israelischen Streitkräften entziehen wollten. Doch die systematische Zerstörung der unterirdischen Wege verändert die Lage dramatisch. Mehr als 44 Terroristen wurden im vergangenen Monat getötet; etliche weitere haben sich ergeben oder wurden gefangen genommen.

Aus den Befragungen ergibt sich ein klares Bild: Die Luft wird dünn. Der Mangel an Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung frisst sich durch die Moral der Kämpfer. Teile der Tunnel sind vollständig abgeriegelt, sodass die dort verbliebenen Zellen kaum noch Bewegungsfreiheit besitzen. Viele versuchen, sich unbemerkt nach oben zu retten – ein Risiko, das früher kaum ein Kommandeur auf sich genommen hätte.

In der Nacht vor dem aktuellen Einsatz entdeckten israelische Kräfte vier weitere Terroristen, die ebenfalls aus einem unterirdischen Gang in Rafah kamen und durch eine koordinierte Aktion mit der Luftwaffe getötet wurden. Der Druck steigt, und es wird immer schwieriger für die Hamas, ihre letzten Enklaven zu schützen. Die Armee bezeichnet die Operation gegen diese ausbrechenden Gruppen scherzhaft, aber mit klarer Botschaft, als „Der Pfeifer von Hameln“ – eine Anspielung darauf, dass die Tunnel ihre Kämpfer nun eher ausspucken, als dass sie sie schützen.

Wie viele bleiben noch?

Schätzungen aus israelischen Sicherheitskreisen gehen davon aus, dass sich nur noch wenige Dutzend bewaffnete Hamas-Mitglieder in den letzten Fragmenten des Rafah-Systems verschanzen. Diese Räume sind voneinander getrennt, verwinkelt und teilweise durch die israelische Ingenieurtruppe isoliert worden. Diejenigen, die dort ausharren, kämpfen gegen Hunger, Hitze und Erschöpfung – und gegen die Gewissheit, dass jede Bewegung von oben beobachtet wird.

Israel hat gleichzeitig ein Angebot über Vermittler in Richtung der Terrororganisation geschickt: Diejenigen, die noch in den Tunneln sitzen, können sich ergeben, werden anschließend in Israel inhaftiert und dürfen nach einer Haftzeit nach Gaza zurückkehren – unter der Bedingung, sich vollständig zu entwaffnen und der Gewalt abzuschwören. Der Vorschlag mag großzügig wirken, doch er verfolgt ein klares Ziel: das unterirdische Rückgrat der Hamas vollständig zu brechen, ohne Soldaten in unnötige Risiken zu treiben. Bisher reagierte die Organisation nicht offiziell, doch mehrere Gefangene erklärten, sie seien an die Oberfläche gekommen, weil ihre Lage unhaltbar geworden sei.

Der Moment zwischen Vermutung und Wahrheit

Ob die beiden am Morgen getöteten Männer tatsächlich der Bataillonskommandeur von Ost-Rafah und sein Stellvertreter waren, bleibt vorerst offen. Wenn sich diese Vermutung bestätigt, markiert der Vorgang einen Wendepunkt: Nicht nur wäre ein weiterer Teil der Führungsebene ausgeschaltet, sondern er würde zeigen, dass die unterirdischen Strukturen nicht länger Schutz bieten. Dass hochrangige Kommandeure ihre Positionen verlassen, ist selten – und es ist ein deutliches Zeichen des Niedergangs.

Israel setzt derweil seine Operationen fort. Die Soldaten des Südkommandos bleiben in der Region, zerstören Tunnelabschnitte, die noch instabil sind, blockieren Fluchtwege und schaffen Bedingungen, die ein Wiedererstarken der terroristischen Strukturen verhindern sollen. Die Lage bleibt ernst, aber sie bewegt sich spürbar in eine Richtung, die vor Monaten kaum jemand zu hoffen wagte: Der Untergrund von Rafah verliert seine Macht.

In diesen Tagen entscheidet sich, wie lange die Hamas in diesem Gebiet überhaupt noch handlungsfähig sein wird. Die Anzeichen sprechen dafür, dass ihre Fähigkeit, koordiniert zu kämpfen, kaum noch besteht. Doch solange auch nur ein kleiner Rest in den Tunneln verharrt, bleibt die Gefahr real – und der Einsatz der israelischen Truppen notwendig.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild IDF


Sonntag, 30 November 2025

haOlam via paypal unterstützen


Hinweis: Sie benötigen kein PayPal-Konto. Klicken Sie im nächsten Schritt einfach auf „Mit Debit- oder Kreditkarte zahlen“, um per Lastschrift oder Kreditkarte zu unterstützen.
empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage