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Khameneis Regime bricht ein – und greift zu immer brutaleren Mitteln, um zu überleben

Khameneis Regime bricht ein – und greift zu immer brutaleren Mitteln, um zu überleben


Ein ehemaliger CIA-Offizier beschreibt den Iran nach Krieg, Sanktionen und israelischen Schlägen als angeschlagenen, gefährlichen Koloss. Das Regime schwankt – und zeigt zugleich, dass es im Kampf um die eigene Macht zu tödlicher Gewalt greifen wird.

Khameneis Regime bricht ein – und greift zu immer brutaleren Mitteln, um zu überleben

Der jüngste Einschätzung von Reuel Marc Gerecht, einem früheren CIA-Offizier, der in den 1990er-Jahren verdeckt in den Iran eindrang, trifft den Kern der Entwicklung seit dem Ende des Zwölf-Tage-Krieges zwischen Israel und dem Iran: Das Regime in Teheran ist geschwächt, aber es ist nicht gebrochen. Es verliert Kontrolle, aber es klammert sich an die Macht. Und es hat längst gezeigt, dass jede Bedrohung im Inneren mit tödlicher Brutalität beantwortet wird.

Gerecht beschreibt ein System, das im Kern instabil geworden ist. Die Folgen des Krieges – die israelischen Luftschläge im Juni, die Zerstörung zentraler Stützpunkte, die offenen Lücken im iranischen Abwehrsystem – haben in Teheran tiefe Risse hinterlassen. Der oberste Führer Ali Khamenei, inzwischen 86 Jahre alt, tritt kaum noch öffentlich auf. Die Frage, wer überhaupt regiert, wird hinter vorgehaltener Hand selbst in den eigenen Reihen gestellt. Ein Regime, das seit Jahrzehnten auf absolute Kontrolle setzt, verliert plötzlich den „Schein der Allwissenheit“, der sein wichtigstes Machtinstrument war.

Die israelischen Schläge hatten nicht nur militärische Wirkung. Sie demaskierten ein System, das seine Bevölkerung in ständiger Angst hält, aber im entscheidenden Moment nicht in der Lage war, seine eigenen militärischen Anlagen zu schützen. Hunderte Tote – militärisch wie zivil – erschütterten die Legitimität der Führung. Dass Khamenei seither im Verborgenen regiert, macht diese Schwäche sichtbar. Und das schafft eine innenpolitische Dynamik, die das Regime als lebensbedrohlich empfindet.

Doch genau deshalb ist es gefährlicher als zuvor. Ein angeschlagenes Regime ist kein zahmes Regime. Es schlägt härter, nicht schwächer. Gerecht sagt offen: Die Islamische Republik wird bis zum Letzten kämpfen. Wo sie Macht verliert, setzt sie Gewalt ein. Wo sie Legitimität verliert, sucht sie Loyalität mit Angst wiederherzustellen.

Diese Mischung – ein bröckelnder Staatsapparat mit ungebrochener Bereitschaft zur Repression – macht den Iran 2025 zur unberechenbarsten Größe des Nahen Ostens. Die USA haben weder die Absicht noch die Fähigkeit, einen Regimewechsel zu erzwingen. Gerecht spricht davon, dass Washington keine Strategie besitzt und die eigenen Institutionen einen Sturz des Regimes ohnehin ablehnen. Ein Wandel muss aus dem Inneren kommen, und genau dort haben die Protestbewegungen der vergangenen Jahre ihre Grenzen erreicht. Die „Women, Life, Freedom“-Revolution entzündete eine Generation, doch sie blieb ohne jene Breite, die ein diktatorisches System tatsächlich zu Fall bringt.

Israel sieht diese Realität mit einer Nüchternheit, die Europa und weite Teile des Westens noch immer verweigern. Teheran ist schwach – aber es bleibt entschlossen. Es ist verwundbar – aber es agiert nicht wie ein Akteur, der kurz vor dem Ende steht. Israel weiß, dass der Iran seit Jahrzehnten nicht durch Hoffnung, sondern durch Abschreckung in Schach gehalten wird. Und Gerecht bestätigt dieses Prinzip: Das Regime wird nur dann an Macht verlieren, wenn seine eigenen Sicherheitseliten den inneren Punkt erreichen, an dem Lügen, Unterdrückung und Angst nicht mehr tragbar sind.

Es ist ein Hinweis auf die Zukunft – kein Versprechen. Ein Regime, das Kinder erschießen lässt, das Frauen foltert und das seit dem Krieg versucht, seine Stellvertreter in der Region neu zu bewaffnen, kann fallen. Aber es fällt nicht von allein. Es fällt nicht durch Resolutionen, nicht durch Sanktionsdebatten und nicht durch westliche Hoffnungen. Es fällt, wenn jene Männer, die es tragen, die moralische Trennlinie nicht mehr überschreiten wollen. So geschah es in anderen Systemen – Gerecht erinnert an sowjetische Offiziere, die nicht mehr bereit waren, ihren Kindern ein System zu erklären, das sie selbst verachteten.

Dieser Moment ist im Iran möglich. Aber er ist nicht nahe. Wer heute Stabilität in der Region ernst meint, darf sich keiner Illusion hingeben: Ein schwacher Iran ist ein gefährlicher Iran. Ein verletztes Regime ist ein kompromissloses Regime. Und ein Islamischer Staat, der ums Überleben kämpft, ist bereit, genau jene Gewalt zu entfesseln, die seine Macht erhalten soll.

Israel hat diese Dynamik schon lange verstanden. Der Westen beginnt erst, sie zu begreifen.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Khamenei.ir, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=161221076


Sonntag, 30 November 2025

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