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Die unterschätzte Front im Norden: Wie ein kaum bekanntes Terrornetzwerk Israel seit Jahrzehnten bedroht – und warum die IDF in Beit Dschann zuschlug

Die unterschätzte Front im Norden: Wie ein kaum bekanntes Terrornetzwerk Israel seit Jahrzehnten bedroht – und warum die IDF in Beit Dschann zuschlug


Eine riskante Operation der IDF in Süd-Syrien legte offen, wie gefährlich die Lage an Israels Nordgrenze geworden ist. Hinter den Kulissen wirkt ein sunnitisches Terrornetzwerk, das seit den 80er-Jahren mit Hamas und Hisbollah kooperiert – und im Machtvakuum nach Assads Fall eine neue Eskalation droht.

Die unterschätzte Front im Norden: Wie ein kaum bekanntes Terrornetzwerk Israel seit Jahrzehnten bedroht – und warum die IDF in Beit Dschann zuschlug

Die jüngste Operation der israelischen Streitkräfte im syrischen Beit Dschann war alles andere als Routine. In einer Region, die sich nur elf Kilometer von Israel entfernt befindet und seit Jahren Brutstätte militanter Gruppen ist, stießen IDF-Soldaten auf eine Zelle, deren Bedeutung die Öffentlichkeit bislang kaum kannte: die al-Jama’a al-Islamiyya. Ein Name, der in Israel selten fällt – aber seit vier Jahrzehnten systematisch darauf ausgerichtet ist, den jüdischen Staat zu treffen.

Die Operation selbst begann nachts und schien zunächst nach Plan zu verlaufen. Die gesuchten Terroristen wurden in ihrem Versteck überrascht und festgesetzt. Doch kaum hatte sich die Einheit formiert, eröffneten weitere Bewaffnete von einem angrenzenden Dach das Feuer. Sechs israelische Soldaten wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Das schnelle Eingreifen von Spezialeinheiten, Sanitätern der 669 und die Luftunterstützung der Luftwaffe verhinderten ein größeres Desaster. Am Ende lag die Zelle am Boden, die Festgenommenen wurden nach Israel überführt und die Terroristen, die den Hinterhalt gelegt hatten, wurden ausgeschaltet.

Doch das eigentliche Thema beginnt erst dort, wo der Einsatz endet.

Ein Terrornetzwerk, das jahrzehntelang unterschätzt wurde

Die al-Jama’a al-Islamiyya ist eine alte Bekannte für diejenigen, die sich intensiv mit militanten Bewegungen im Libanon beschäftigen. Entstanden als sunnitischer Ableger der Muslimbruderschaft, baute die Gruppe schon in den 1980er-Jahren eine bewaffnete Struktur auf, die früh gegen Israel arbeitete – und schnell zu einem diskreten Partner anderer Extremisten wurde. Ihre Kämpfer tauchten in Konflikten im Südlibanon ebenso auf wie in den Grauzonen Syriens.

Sie ist jene Art von Organisation, die dort wächst, wo Staaten schwach sind, Grenzen porös verlaufen und große Milizen den Ton angeben. Vor allem aber ist sie ein Beispiel dafür, wie sehr sich Israels Sicherheitslage verändert hat: Aus einem lokalen libanesischen Akteur wurde ein regionaler Risikofaktor.

Die unheilige Allianz: Hamas, Hisbollah und eine dritte Kraft

Nach außen erscheinen Hamas und Hisbollah als Erzfeinde aufgrund ihrer religiösen Ausrichtung – sunnitisch gegen schiitisch. In der Realität verbindet sie längst eine Zweckgemeinschaft, die sich an einem gemeinsamen Ziel orientiert: Israel. Die al-Jama’a al-Islamiyya ergänzt dieses Duo um eine dritte militärische Kraft, die flexibel agiert, eigene Waffen arsenale besitzt, Kämpfer rekrutiert und sowohl in Syrien als auch im Südlibanon aktiv ist.

Gerade im Grenzgebiet zwischen Syrien und dem Libanon wird das Netzwerk zunehmend sichtbar. Dort hat es Stellungen errichtet, von denen aus Angriffe vorbereitet werden können. Dort kooperieren seine Zellen mit größeren Organisationen, die von Teheran und Beirut aus gesteuert werden. Und genau dort, in Beit Dschann, befand sich die Infrastruktur, die die IDF in der letzten Woche ins Visier nahm.

Ein Einsatz, der die neue Realität offenlegt

Dass ein israelischer Kompaniechef persönlich unter Beschuss in die Zone laufen musste, um seine verletzten Soldaten herauszuholen, verdeutlicht den Ernst der Lage. In der Operation lag eine Botschaft: Israel wird Terror nicht erst dann begegnen, wenn Raketen bereits fliegen, sondern dort, wo er entsteht.

Trotz der Komplexität und des feindlichen Feuers erreichten die IDF ihre Ziele: Die Terrorzelle wurde festgenommen, weitere Kämpfer neutralisiert, das operative Umfeld erheblich geschwächt. Dass der Einsatz dennoch sechs Verletzte kostete, zeigt die Professionalität und Entschlossenheit der Terroristen, die sich nicht länger als Randakteure betrachten, sondern als Teil eines abgestimmten Nordnetzwerks.

Der Tag danach – und die Frage, wie viel Zeit bleibt

Während israelische Diplomaten weiterhin versuchen, mit dem syrischen Übergangsregime unter al-Shar’a ein Sicherheitsabkommen auszuhandeln, agiert die Armee längst in einer Umgebung, in der kein verlässlicher Partner die nördliche Grenze kontrolliert. Die IDF hält die Linie zwischen den Golanhöhen und den syrischen Dörfern – nicht nur als Abschreckung, sondern als schlichte Notwendigkeit, um zu verhindern, dass Gruppen wie die al-Jama’a al-Islamiyya israelische Dörfer ins Visier nehmen.

Die Einsätze beruhen inzwischen fast vollständig auf präziser Geheimdienstarbeit und dem klaren Ziel, Terroristen zu konfrontieren, bevor sie israelische Zivilisten bedrohen. Die Botschaft ist eindeutig: Wenn Terrororganisationen im syrischen Grenzgebiet Fuß fassen, dann wird Israel handeln, bevor sich wiederholt, was der Norden bereits in früheren Kriegen erlebt hat.

Die Operation von Beit Dschann war ein Erfolg – aber sie war auch ein Vorbote. Sie zeigt, mit welcher Härte und welchem Kalkül Terrorgruppen in der Region agieren. Und sie zeigt, wie aufmerksam Israel sein muss, um dem Nordwind aus Syrien und dem Libanon rechtzeitig zu begegnen, bevor er zur Sturmfront wird.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: IDF


Sonntag, 30 November 2025

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